Audi A1 Sportback Zwei Türen mehr

Bestseller oder Ladenhüter? Am Audi A1 scheiden sich die Geister. Während Kritiker über den schleppenden Absatz lästern, bezeichnen die Verantwortlichen die Verkaufszahlen als großen Erfolg. Nun wird die fünftürige Variante nachgeschoben, die hochtrabend Sportback heißt.


Audis kleinste Baureihe A1 bekommt Nachwuchs. Auf der Motorshow in Tokio Anfang Dezember enthüllen die Bayern die zweite Karosserievariante, nämlich das fünftürige Modell, das den Namenszusatz Sportback trägt. Im Frühjahr wird das Auto zu den Händlern kommen und zu einem Preis ab 16.950 Euro rund 1000 Euro teurer sein als das entsprechende dreitürige Modell.

Zwei Türen mehr, dabei könnte man es belassen, doch Designer Dany Garand wäre ein schlechter Vertreter seiner Zunft, wenn er darüber nicht viele Worte machen könnte: Fast liebevoll zeichnet er den weiteren Bogen nach, den das Dach über den Seitenscheiben beschreibt. Die Wölbung verläuft um gut einen Zentimeter höher als beim Dreitürer, was etwas mehr Kopffreiheit für die Insassen bedeutet. Und im Brustton der Überzeugung lobt Garand das klitzekleine Dreiecksfenster hinter der Fondtür, das den Wagen von außen leichter und von innen lichter wirken lasse. Und natürlich habe auch der Sportback jene "cleane Skulptur", die auch den bisherigen A1 in den Augen der Designer so einzigartig macht.

Die neue Karosserievariante ist bei unveränderter Länge von 3,95 Meter und identischem Radstand von 2,47 Meter einen Hauch breiter geworden. Außerdem haben die Käufer die Wahl zwischen zwei Outfits: Gab es den A1 bislang nur in uni oder mit Kontrastfarbe lackierten Dachholmen, kann man den Sportback wahlweise einfarbig oder mit einem farblich komplett abgesetzten Dach bestellen.

Die Antriebstechnik ist identisch mit der des Dreitürers

In Fahrt bringen den Sportback die bekannten Direkteinspritzer-Motoren. Es gibt vier Benziner und drei Diesel mit einer Leistung von 86 bis 185 PS. Der sparsamste Antrieb verbraucht im Schnitt 3,8 Liter je 100 Kilometer, die rasanteste Variante erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 227 km/h. Es gibt auch einen neuen Motor für beide Karosserievariante, einen 1,4-Liter-TFSI mit Zylinderabschaltung: Bei gemächlicher Fahrt sind lediglich zwei Brennkammern der Maschine aktiv; der Durchschnittsverbrauch liegt bei 4,7 Liter. Und wenn es sein muss, beschleunigt die Maschine den Wagen in 8,1 Sekunden auf Tempo 100 und weiter auf bis zu 212 km/h.

Glaubt man Automobilwirtschaftler Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen, kam der Audi A1 in den ersten neun Monaten dieses Jahres weltweit auf einen Absatz von knapp 89.000 Autos. "Gegenüber gut 146.000 verkauften Exemplaren vom Typ Mini, das Modell Countryman nicht mitgerechnet, ist das wirklich nicht die große Nummer", sagt der Branchenkenner. Ein Grund dafür sei die falsche Preispositionierung. "Der A1 sitzt zwischen allen Stühlen." Audi verlange bei einem Grundpreis von 15.800 Euro für den billigsten Dreitürer relativ viel Geld für eine Technik, die sich kaum von der des VW Polo, Skoda Fabia oder Seat Ibiza unterscheide. Je nach Modell- und Motorvariante beziffert Dudenhöffer den Audi-Aufschlag gegenüber dem VW Polo auf bis zu 4500 Euro. "Das ist ein bisschen viel. Nur für noblere Sitzpolster und Lichtschalter gibt in dieser Klasse kaum einer so viel aus."

Der Audi A1, einer aus dem Kleinwagen-Quartett mit VW, Skoda und Seat

Das zweite Problem des A1 sei der Mangel an Eigenständigkeit. "Während der Mini unter den Kleinwagen so einzigartig ist wie der Porsche 911 unter den Sportwagen, ist der A1 eben nur einer von vieren", sagt Dudenhöffer mit Blick auf die Plattformstrategie des VW Konzerns. Zudem sei der Audi-Anspruch "Vorsprung durch Technik" bei diesem Auto weitgehend auf der Strecke geblieben. So markiere der A1 die Grenzen der Wolfsburger Mehrmarkenstrategie.

Konfrontiert man die Bayern mit solchen Aussagen, reagieren sie mitunter genervt. "Wir sind mit dem Absatz voll und ganz zufrieden und haben unsere Prognosen jetzt sogar noch einmal nach oben korrigiert", sagt Audi-Sprecher Albrecht Trautzburg. Dass man bei den Händlern so viele Fahrzeuge sehe, liege nicht an mangelnder Nachfrage, sondern an der Vielzahl der Varianten und dem überdurchschnittlich hohen Anteil an Privatkunden. Deshalb müsse man einfach eine größere Flotte für die Probefahrten vorhalten.

Auch den Mangel an technischer Eigenständigkeit will Audi nicht gelten lassen. Zwar sei der A1 im Grunde tatsächlich ein Polo im feinen Zwirn, und Errungenschaften wie etwa die Zylinderabschaltung gebe es auch bei VW. "Doch die Summe der vielen Details macht schon einen deutlichen Unterschied", sagt Arnd von den Bussche-Hünnefeld aus dem Audi-Qualitätsmanagement. Dann rattert er eine lange Liste herunter, von Google-Navigation über das Thema mobiler Hotspot bis zur neuen Kamera für das automatische Fernlicht.

Auf den Sportback werden noch weitere A1-Varianten folgen

Was sie gar nicht mögen bei Audi, ist der Verweis auf Mini. Dass die Konkurrenz mehr Autos verkaufe, sei zwar richtig, aber deswegen sei der A1 ja noch lange kein Misserfolg, erklärt Audi-Sprecher Trautzburg trotzig. Eigentlich sei es sogar umgekehrt: "Wir erzielen mit bislang einer einzigen Karosserievariante zwei Drittel des Verkaufserfolgs, den Mini mit sechs Modellvarianten erreicht." (Dass er kurz zuvor von vielen Varianten gesprochen hat, als es darum ging, die vollen Lager der Händler zu erklären, lässt er dabei außer Acht.)

Nun also folgt die erste Ausbaustufe mit dem A1 Sportback, und es wird wohl nicht die letzte sein. Hartnäckig halten sich die Gerüchte, dass es vom A1 neben dem zumindest als Kleinserie schon avisierten Sportmodell S1 mit Quattro-Antrieb und deutlich über 200 PS auch eine Cabrio-Version und einen kleinen Geländewagen namens Q1 geben soll. Audi-Designer Garand will das weder bestätigen noch dementieren. Stattdessen greift er zur Standardantwort für derlei Nachfragen: "Wir sind ziemlich fleißig und haben noch viele Ideen."

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insgesamt 41 Beiträge
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Seite 1
wakaba 18.11.2011
1. VAG-PRon
Zitat von sysopBesteller oder Ladenhüter? Am Audi A1 scheiden sich die Geister. Während Kritiker über den schleppenden Absatz lästern, bezeichnen die Verantwortlichen die Verkaufszahlen als großen Erfolg. Nun wird die fünftürige Variante nachgeschoben, die hochtrabend Sportback heißt. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,798578,00.html
Mehrmarkenstrategie? Badgeengineering. Eigenständig? Skoda mit 7000 Euro Preisnachteil. Billigtechnik? Hoppeliges Fahrwerk? Na klar. Nur 1000h Standzeit - Garantiert. Fazit: Das Ding stinkt, Audi weiss es, der Nicht-Käufer weiss es, nur VAG-Fans und Grossmutti tun sich sowas an.
kuhlewampe 18.11.2011
2. Kein Premiumprodukt
Einen VW mit vier Ringen und einem Single Frame Grill zu "verzieren" und das als Premium zu verkaufen klappt eben doch nicht immer: Gut zu sehen dass der Markt das Audi Spiel wenigstens beim A1 durchschaut hat.
BabelHuber 18.11.2011
3. Für was einen A1?
Irgendwie schaffe ich es nicht, für den A1 einen Einsatzzweck zu finden: Wenn ich viel unterwegs bin, brauche ich ein komfortables Auto. Jemand, der 50000km oder so im Jahr fährt, will sicherlich in den wenigsten Fällen einen Kleinwagen fahren. Der will normalerweise einen A6 oder zumindest einen A4. Wenn ich wenig fahre, brauche ich erstens kein so teures Auto und zweitens keines mit Google-Suche und W-Lan Hotspot. Ein paar km zum einkaufen zu fahren, wo ich den Weg sowieso kenne, kann ich auch mit einem günstigeren Kleinwagen.
README.TXT 18.11.2011
4. Wie übersetzt man sport back?
Sportheck, Hcksport, sportliches Heck (was soll das sein?), ... Was will uns das Audimarketing sagen?
cor 18.11.2011
5. 17k
Konsequent wird in Ingolstadt die Palette vervollständigt, selbst wenn das Design noch noch so ausgelutscht ist und der A1 in Wahrheit ein Ladenhüter ist. Wenn Audi den Sportback nicht gebaut hätte, würden sie ja implizit zugeben, dass der A1 ein völlig überteuerter Kleinwagen ist und im Gegensatz zum Mini nicht mal mit einem gewissen Lifestyle, aber durchaus mit von Audi ungewohnter Hässlichkeit, bestechen kann. Ein derartiges Auto für 17.000 Euro Basispreis ist einfach nur eines: Abzocke. Wer einen Kleinwagen kauft, rechnet entweder mit dem gespitzten Bleistift oder will wenigstens "trendy" sein, wobei für mich letzteres bei einem Wagen in dieser Klasse absolut keine Rolle spielt. Schön, zu sehen, dass der Kunde eben doch nicht jeden Mist abkauft.
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