Audi A2 Concept: Comeback eines Frühstarters

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Als er auf den Markt kam, wollte ihn keiner haben. Aber seit der Audi A2 eingestellt wurde, trauern ihm viele hinterher. Denn ein leichter und sparsamer Kleinwagen würde den Bayern gerade gut passen. Deshalb feiert er jetzt sein Comeback - erstmal aber nur als Studie.

Audi A2 Concept: Kleinwagen mit Charme Fotos

Er war das richtige Auto zur falschen Zeit: Als Audi vor zwölf Jahren auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) zum ersten Mal den A2 zeigte, war die PS-Welt noch eine andere: Leichtbau war nur ein Steckenpferd technologieverliebter Ingenieure und der Verbrauch kaum mehr als eine Nebensache.

In der Fachwelt stieß der erste Kleinwagen mit einer kompletten Aluminium-Karosse zwar auf ein großes Echo. Dass tatsächlich jemand einen 61 PS starken Diesel mit einem Normverbrauch unter drei Litern hinbekam, dafür zollten die Experten den Entwicklern großen Respekt. Doch bei den Kunden fiel der ungewöhnlich hohe, eigenwillig schmale und etwas unproportionierte A2 glatt durch: Von der Drei-Liter-Variante wurden keine 7000 Exemplare gebaut, und als 2005 die gesamte Baureihe wegen Erfolglosigkeit ohne Nachfolger eingestellt wurde, hatten in sechs Produktionsjahren nicht einmal 180.000 Autos die Werkhallen verlassen.

Mittlerweile steht der A2 aber nicht nur bei den Gebrauchtwagenkunden hoch im Kurs. Auch Audi hat die alten Pläne noch einmal hervor geholt und sich das federleichte Raumwunder genau angeschaut: Wenn schon der A1 nicht so recht gegen den Mini des Erzkonkurrenten BMW ankommt, dann muss doch zumindest gegen den elektrischen Kleinwagen i3 aus München ein Kraut gewachsen sein.

Und weil die futuristische Hightech-Seifenkiste Audi Urban Concept nicht viel mehr ist als eine schicke Nebelkerze, die BMW das Premierenfeuerwerk verderben soll, feiert der Frühstarter gerade ein Comeback auf dem Audi-Produktplan: Fast genauso leicht wie früher, wieder überraschend geräumig und mit einem Elektroantrieb für die Zukunft gerüstet, könnte er bald gegen den Carbon-Stromer von BMW i antreten. "Ja, wir arbeiten an einem neuen Modell, das die Grundidee des A2 wieder aufnimmt", hatte Entwicklungsvorstand Michael Dick deshalb schon im Frühjahr bestätigt. Dass er es ernst damit meint, zeigt er jetzt auf der IAA in Frankfurt: Zwölf Jahre nach dem ersten A2 enthüllen die Bayern dort das neue A2 Konzept und geben damit einen ersten Ausblick auf das Serienmodell.

Materialmix aus Kohlefaser und Aluminium

Die vorab veröffentlichten Skizzen der Studie zeigen einen Viertürer, der mit 3,80 Metern sogar noch zwei Zentimeter kürzer ist als das Original. Außerdem ist er mit 1,69 Metern Breite ähnlich schmal und mit 1,49 Metern Stockmaß für einen Kleinwagen ungewöhnlich hoch. Das soll genügend Platz schaffen für vier Insassen, die auf beinahe schwebenden Einzelsitzen reisen und das gesamte Infotainment-Angebot von Audi genießen können. Die Navigation mit Google ist genauso selbstverständlich wie der rollende Hotspot und die direkte Vernetzung mit der Cloud.

Wie damals setzt Audi auch heute wieder auf Leichtbau. Allerdings spricht Dick beim A2 nicht von einer reinen Karbon-Karosserie wie BMW beim i3. Er beschwört vielmehr den intelligenten Materialmix aus Kohlefaser und Aluminium und will trotzdem leichter werden als das Modell aus München. Die 825 Kilogramm des Vorgängers werden zwar kaum zu schaffen sein, und konkrete Zahlen bleibt Audi bislang noch schuldig. Doch trotz moderner Sicherheitstechnik und natürlich mit den schweren Lithium-Ionen-Akkus im Wagenboden sollte das Auto nicht mehr als 1200 Kilo auf die Waage bringen.

Auch zum Antrieb gibt es im Vorfeld der IAA-Premiere bislang noch keine Angaben. Doch hatte Dick schon früher verraten, dass es den neuen A2 nicht wie früher mit einem TDI-Motor, sondern nur mit Stecker geben wird: "Wir planen ein reines Elektroauto und eine Version mit Plug-In-Hybrid. Eine Variante allein mit Verbrenner haben wir dagegen nicht auf dem Zettel."

Bremskraftanzeiger an der Flanke

Mit weiteren Details zum E-Motor, den Fahrleistungen und der Reichweite halten die Ingolstädter noch hinter dem Berg. Dafür verweisen sie schon jetzt über ein paar andere Finessen der Studie - zum Beispiel ihr Bedien- und Beleuchtungskonzept. So öffnen die Türen berührungslos bereits mit einer einfachen Geste, aus dem Lenkrad klappen beim Start zwei Bedienflächen heraus, und alle anderen Eingaben macht man über zwei Touchflächen im Inneren des Steuers. Außerdem strahlt der A2 vorn aus Leuchtdioden, die mit Mikroreflektoren in jeder Situation das richtige Licht auf die Straße werfen.

Die Rückleuchten passen ihre Lichtstärke den Sichtverhältnissen an und skizzieren mit Laserstrahlen sogar Warnhinweise auf die Fahrbahn. Und an der Seite sieht man das neue Dynamic Light. Dahinter verbirgt sich eine Lichtleiste, die sich unter den Fenstern über die gesamte Flanke zieht. Beim normalen Betrieb gibt sie die Positionsleuchte. Blinkt der Fahrer, zucken gelbe Lichtimpulse durch die Linie, und beim Bremsen können die anderen Verkehrsteilnehmer anhand des wachsenden roten Lichtbalkens erkennen, wie stark der Fahrer in die Eisen steigt.

Zwar ist der A2-Ausblick ein nettes Schaustück mit vielen pfiffigen Ideen. Doch mit dem Serienmodell hat die Studie bis auf die Leichtbauweise und den Elektroantrieb noch nicht viel gemein. Weil der Kleinwagen, so hört man im VW-Konzern an jeder Ecke, frühestens 2015 auf den Markt kommt, lassen sich Designer und Entwickler mit der Beschlussfassung noch ein wenig Zeit.

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insgesamt 32 Beiträge
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1. leicht und sparsam ...
Hadraniel 02.09.2011
.. und darüber eine Skizze einer weiteren, agressiven Lifestyle-Karre für Juppie oder Frau von Welt, die mit ihrem 40.000€ Kleinwagen beim Tanken ihren Geldbeutel spart, und dabei der Umwelt und natürlich dem Gewissen etwas gutes tut. Smart und Mini haben sich ja auch äußerst erfolgreich als Großserien sparsamer Kleinwagen am Markt etablieren können, ne? Das einzig Positive was ich an diesem neuen A2 erkennen kann ist der damit einhergehende technische Fortschritt und die Innovation, die über Umwege und mit der üblichen Verzögerung hoffentlich wie immer auch bei anderen Modellen und Herstellern ankommt. Auch der alte A2 war ein echter Technologie-Träger - und seiner Zeit irgendwie voraus. PS: Ich bin 3 Jahre einen A2 1.4er TDI gefahren. Ein gutes Auto - teuer, aber auch hochwertig. Eine Limousine mit den Ausmaßen eines Kleinwagens. Sparsam und leicht. Preiswert, also seinen Preis wert, nur, wenn einem der gebotene Komfort wichtig war - denn günstig war das Auto nie, und mit Blick auf die Gebrauchtwagenpreise ist er es auch heute nicht (habe vor 2 Monaten einen neuen Wagen gekauft, aber es ist kein A2 geworden ...).
2. Auf dem Holzweg
bertone44 02.09.2011
Der erste A2, ich hatte einmal das Vergnügen, darin kutschiert zu werden, war ein Klasse-Auto. Ein richtungsweisendes Konzept, sowohl in der Bauweise wie im Raum - und Außendesign und im Antrieb. Dass er keinen großen Erfolg hatte, ist typisch für Deutschland. Wer ein wenig Geld in der Tasche hat, "leistet" sich lieber einen PS-Protz, den kein Mensch braucht. Der "neue" A2 ist ein Rückfall in genau diese Steinzeit-Mentalität.
3. Tja
sarang he 02.09.2011
Zitat von sysopAls er auf den Markt kam, wollte ihn keiner haben. Aber seit der Audi A2 eingestellt wurde, trauern ihm viele hinterher. Denn ein leichter und sparsamer Kleinwagen würde den Bayern gerade gut passen. Deshalb feiert er jetzt sein Comeback - erstmal aber nur als Studie. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,783788,00.html
da lief die analoge Geschichte wie mit dem 3L-Lupo - ein A2 in der 3-Liter Variante war nur mit viel Glück und Hartnäckigkeit erhätlich - Bestellungen wurden laut Aussagen von Interessenten bereits kurz nach Markteinführung nicht mehr angenommen - und angeblich war die Nachfrage zu gering.
4. Der A2 war ein Murks
README.TXT 02.09.2011
* Lauter Rasselmotor. Ich dachte ich sitze in einem Diesel so ratterte der. * schweineteuer -> wirtschaftliches Desaster bis ich das durch den angeblich niedrigen Verbrauch reingefahren hätte .. pfft! * Alukarosse -> sehr teuer bei Unfällen * Miese/mickrige Innenausstattung, so typisch VW-mässig. Teuer und nix bieten. Beifahrersitz eine Zumutung, viel zu niedrig und brettartig flache Sitzfläche, man kam sich vor als sässe man auf Kindergartenmöbeln. Der Designer der das verbrochen hat gehört heute noch ausgepeitscht. Und hässlich war es noch dazu. => Verdient vom Markt verschwunden
5. Aus dem Kindermalbuch
Coldfinger 02.09.2011
Haben die Audi-Designer schon ihr ganzes Pulver verschossen, dass sie jetzt mit derart infantilen Scribbles um Aufmerksamkeit buhlen müssen? Dann wird es höchste Zeit für das erste Audi-Kindermalbuch!
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