Von Tom Grünweg
Er war das richtige Auto zur falschen Zeit: Als Audi vor zwölf Jahren auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) zum ersten Mal den A2 zeigte, war die PS-Welt noch eine andere: Leichtbau war nur ein Steckenpferd technologieverliebter Ingenieure und der Verbrauch kaum mehr als eine Nebensache.
In der Fachwelt stieß der erste Kleinwagen mit einer kompletten Aluminium-Karosse zwar auf ein großes Echo. Dass tatsächlich jemand einen 61 PS starken Diesel mit einem Normverbrauch unter drei Litern hinbekam, dafür zollten die Experten den Entwicklern großen Respekt. Doch bei den Kunden fiel der ungewöhnlich hohe, eigenwillig schmale und etwas unproportionierte A2 glatt durch: Von der Drei-Liter-Variante wurden keine 7000 Exemplare gebaut, und als 2005 die gesamte Baureihe wegen Erfolglosigkeit ohne Nachfolger eingestellt wurde, hatten in sechs Produktionsjahren nicht einmal 180.000 Autos die Werkhallen verlassen.
Mittlerweile steht der A2 aber nicht nur bei den Gebrauchtwagenkunden hoch im Kurs. Auch Audi hat die alten Pläne noch einmal hervor geholt und sich das federleichte Raumwunder genau angeschaut: Wenn schon der A1 nicht so recht gegen den Mini des Erzkonkurrenten BMW ankommt, dann muss doch zumindest gegen den elektrischen Kleinwagen i3 aus München ein Kraut gewachsen sein.
Und weil die futuristische Hightech-Seifenkiste Audi Urban Concept nicht viel mehr ist als eine schicke Nebelkerze, die BMW das Premierenfeuerwerk verderben soll, feiert der Frühstarter gerade ein Comeback auf dem Audi-Produktplan: Fast genauso leicht wie früher, wieder überraschend geräumig und mit einem Elektroantrieb für die Zukunft gerüstet, könnte er bald gegen den Carbon-Stromer von BMW i antreten. "Ja, wir arbeiten an einem neuen Modell, das die Grundidee des A2 wieder aufnimmt", hatte Entwicklungsvorstand Michael Dick deshalb schon im Frühjahr bestätigt. Dass er es ernst damit meint, zeigt er jetzt auf der IAA in Frankfurt: Zwölf Jahre nach dem ersten A2 enthüllen die Bayern dort das neue A2 Konzept und geben damit einen ersten Ausblick auf das Serienmodell.
Materialmix aus Kohlefaser und Aluminium
Die vorab veröffentlichten Skizzen der Studie zeigen einen Viertürer, der mit 3,80 Metern sogar noch zwei Zentimeter kürzer ist als das Original. Außerdem ist er mit 1,69 Metern Breite ähnlich schmal und mit 1,49 Metern Stockmaß für einen Kleinwagen ungewöhnlich hoch. Das soll genügend Platz schaffen für vier Insassen, die auf beinahe schwebenden Einzelsitzen reisen und das gesamte Infotainment-Angebot von Audi genießen können. Die Navigation mit Google ist genauso selbstverständlich wie der rollende Hotspot und die direkte Vernetzung mit der Cloud.
Wie damals setzt Audi auch heute wieder auf Leichtbau. Allerdings spricht Dick beim A2 nicht von einer reinen Karbon-Karosserie wie BMW beim i3. Er beschwört vielmehr den intelligenten Materialmix aus Kohlefaser und Aluminium und will trotzdem leichter werden als das Modell aus München. Die 825 Kilogramm des Vorgängers werden zwar kaum zu schaffen sein, und konkrete Zahlen bleibt Audi bislang noch schuldig. Doch trotz moderner Sicherheitstechnik und natürlich mit den schweren Lithium-Ionen-Akkus im Wagenboden sollte das Auto nicht mehr als 1200 Kilo auf die Waage bringen.
Auch zum Antrieb gibt es im Vorfeld der IAA-Premiere bislang noch keine Angaben. Doch hatte Dick schon früher verraten, dass es den neuen A2 nicht wie früher mit einem TDI-Motor, sondern nur mit Stecker geben wird: "Wir planen ein reines Elektroauto und eine Version mit Plug-In-Hybrid. Eine Variante allein mit Verbrenner haben wir dagegen nicht auf dem Zettel."
Bremskraftanzeiger an der Flanke
Mit weiteren Details zum E-Motor, den Fahrleistungen und der Reichweite halten die Ingolstädter noch hinter dem Berg. Dafür verweisen sie schon jetzt über ein paar andere Finessen der Studie - zum Beispiel ihr Bedien- und Beleuchtungskonzept. So öffnen die Türen berührungslos bereits mit einer einfachen Geste, aus dem Lenkrad klappen beim Start zwei Bedienflächen heraus, und alle anderen Eingaben macht man über zwei Touchflächen im Inneren des Steuers. Außerdem strahlt der A2 vorn aus Leuchtdioden, die mit Mikroreflektoren in jeder Situation das richtige Licht auf die Straße werfen.
Die Rückleuchten passen ihre Lichtstärke den Sichtverhältnissen an und skizzieren mit Laserstrahlen sogar Warnhinweise auf die Fahrbahn. Und an der Seite sieht man das neue Dynamic Light. Dahinter verbirgt sich eine Lichtleiste, die sich unter den Fenstern über die gesamte Flanke zieht. Beim normalen Betrieb gibt sie die Positionsleuchte. Blinkt der Fahrer, zucken gelbe Lichtimpulse durch die Linie, und beim Bremsen können die anderen Verkehrsteilnehmer anhand des wachsenden roten Lichtbalkens erkennen, wie stark der Fahrer in die Eisen steigt.
Zwar ist der A2-Ausblick ein nettes Schaustück mit vielen pfiffigen Ideen. Doch mit dem Serienmodell hat die Studie bis auf die Leichtbauweise und den Elektroantrieb noch nicht viel gemein. Weil der Kleinwagen, so hört man im VW-Konzern an jeder Ecke, frühestens 2015 auf den Markt kommt, lassen sich Designer und Entwickler mit der Beschlussfassung noch ein wenig Zeit.
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