Audi A2 Zu viel Vorsprung

Schon vor Jahren baute Audi ein Auto, das mit viel Hightech geringen Spritverbrauch und Luxus vereinte. Inzwischen wurde die Produktion des A2 eingestellt, der Erfolg kam erst nach Fertigungsende.

Von Udo Flohr


Alles begann mit einer Ankündigung von Ferdinand Piëch: Bis zum Ende des Jahrtausends werde der VW-Konzern ein Drei-Liter-Auto bauen, verkündete der damalige Audi-Chef auf dem Wiener Motorensymposium im Jahr 1990. "Wir haben dann 1991 mit den ersten Ideen angefangen", erinnert sich Ralf-Gerhard Willner, der an den Arbeiten beteiligt war, "und hatten zunächst einen aerodynamisch extrem optimierten, sehr flachen Entwurf." Der wurde auch vorgestellt, doch Piëch lehnte ab – zu kompromissbehaftet. Sparsamkeit könne kein Selbstzweck sein, das Fahrzeug müsse "als gleichwertiges Produkt wahrgenommen werden".

Audi A2: Gestern ein Auto für heute

Audi A2: Gestern ein Auto für heute

Willner, der fünf Jahre zuvor direkt von der Uni zu Audi gekommen war, wurde von 1992 bis 1995 Konzeptleiter des Projekts "W10". Sein Team begann von vorn – ausgehend von Innenraumverhältnissen, die sich an einem Golf orientierten. "Also ein vollwertiges Fahrzeug, aber immer unter dem Fokus, ein Drei-Liter-Auto umzusetzen. Wir haben dann überlegt, welche Randbedingungen zum Ziel führen", erzählt er.

Ein "cW mal A" wurde definiert, also ein Luftwiderstandsbeiwert, multipliziert mit der Stirnfläche des Fahrzeugs sowie ein "Gewichtstarget" und die Parameter für Innen- und Laderaum. Daraus entstand die Grundform des A2 mit einem extrem günstigen cW-Wert von 0,252, der später in der Drei-Liter-Version realisiert und bis heute von keinem Serienfahrzeug unterboten wurde. Bald gab es damit eine positive Überraschung: "Wir konnten Innenraumverhältnisse hinbekommen, die sogar noch besser sind als beim Golf: In der zweiten Reihe sitzt man ziemlich aufrecht, dadurch wurde die Kniefreiheit hinten deutlich optimiert", berichtet Willner nicht ohne Stolz.

Viele Detailoptimierungen unter Einsatz damals gerade neuer Berechnungsmethoden führten zum Weltrekord beim cW-Wert. Die Drei-Liter-Version des A2 verwendet beispielsweise schmalere Reifen mit weniger ausgestellten Radläufen und spezielle strömungsgünstige Radkappen; besonders ihr Unterboden wurde aufwendig optimiert. Weitere Verbesserungen betrafen das Gewicht. So konnte man dank abfallendem Dach und großem Heckspoiler auf einen Heckscheibenwischer verzichten – allein die Luftströmung hält die Heckscheibe frei.

In einem jahrelangen Prozess entstand so zunächst die 1997 vorgestellte Studie Al2, im Jahr 1999 dann wurden in Audis Aluminium- und Leichtbauzentrum in Neckarsulm die ersten A2 produziert. Dort hatte Audi in kleineren Stückzahlen bereits das Luxusmodell A8 mit seiner Alu-Karosserie vom Band laufen lassen und einige Kinderkrankheiten bei der Umformung des neuen Werkstoffs ausgemerzt.

Weltweit erste Alu-Karosserie in Großserie

Der A2, das erste Großserienfahrzeug mit Alu-Karosserie, bedeutete dennoch produktionstechnisches Neuland. Sein "Space Frame"-Konzept beruht auf einem hochfesten Aluminium-Rahmen, in den die Flächenteile mittragend integriert wurden. Zusammen mit hochfesten Aluminiumblechen garantiert er Steifigkeit bei geringem Gewicht. Ermöglicht durch die hohe Passgenauigkeit der Komponenten, hat der A2 zudem 30 Meter Laserschweißnähte, die weltweit erstmals an einer Aluminium-Karosserie realisiert wurden. Heute hat Audi "14 Jahre Produktionserfahrung mit Aluminium-Karosserien und beherrscht den Prozess auf hohem Niveau", erklärt Heinrich Timm, der das Aluminium- und Leichtbauzentrum seit 2003 leitet.

Dank Alu-Rahmen bringt der A2 zwischen 895 und 1030 Kilo auf die Waage – rund 150 Kilo weniger als bei Fahrzeugen dieser Größenordnung üblich. Bei 3,83 Metern Länge, 1,67 Metern Breite und 1,55 Metern Höhe ist es schon bemerkenswert, dass er trotzdem Platz für vier Erwachsene samt Gepäck bietet. Was allerdings ausblieb, war der Erfolg – erst im eigenen Haus und später auch auf dem Markt. In der Entwicklungsphase hatte das Team gehofft, ein Drei-Liter-Auto mit vier Türen und dieser Ausstattung würde für so viel Furore sorgen, dass es einfach ein "In"-Auto werden müsste. Doch vom Markenleitbild "hochwertig, progressiv, sportlich" setzte der A2 lediglich zwei der drei Ansprüche um; bei der Sportlichkeit haperte es, denn ein FSI-Modell mit 110 PS und ein agiler Turbodiesel mit 90 PS wurden erst ab 2002 angeboten.

Auch das Drei-Liter-Modell, das eigentlich das Hauptziel der Entwicklung gewesen war, wurde erst ein Jahr nach den Basismodellen nachgeschoben. Kurz vorher hatte allerdings VW den Drei-Liter-Lupo eingeführt, und international machte damals bereits Toyotas Hybridfahrzeug Prius von sich reden – der als Vorreiter ausgelegte A2 schien plötzlich hinterherzuhinken.



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.