Abgasaffäre Neue Manipulationsvorwürfe gegen Audi

In der Volkswagen-Affäre gibt es neue Vorwürfe gegen Audi: Auch beim aktuellen Modell des A3 soll das Abgassystem zugunsten guter Messergebnisse auf dem Prüfstand manipuliert worden sein.

Audi A3
Audi

Audi A3


Die VW -Tochter Audi hat einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge möglicherweise den Dieselmotor des aktuellen Modells A3 manipuliert, um Abgasgrenzwerte der EU einzuhalten. Das legten Labor-Testergebnisse des Forschungszentrums Joint Research Centre (JRC) der Europäischen Kommission nahe. Die Brüsseler Behörde habe die Testberichte auf Drängen des Untersuchungsausschusses herausgegeben, den das Europaparlament zur Aufklärung der Abgasaffäre eingesetzt hat.

Audi erklärte, dem Unternehmen lägen keine Informationen zu den angesprochenen Untersuchungen vor. "Es ist für uns nicht ersichtlich, um welche Motorisierung es sich konkret handelt. Deshalb können wir dazu leider keine Stellung beziehen." Es gebe unabhängige Messungen, bei denen der A3 2,0 TDI mit der Schadstoffnorm Euro 6 "sehr gut abgeschnitten" habe.

Ob die Messungen tatsächlich unabhängig waren, darf zumindest hinterfragt werden. Wie der Spiegel berichtete, hatte der Volkswagen-Konzern bei den Nachmessungen wegen Unregelmäßigkeiten bei CO2-Werten freie Hand, die dazu bestellten unabhängigen Tester standen nur daneben. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) genehmigte den zweifelhaften Versuchsaufbau.

Mal wieder in zweifelhafter Rolle: das KBA

Die Ergebnisse des JRC belegen nun einmal mehr, dass sich das KBA bei der Aufarbeitung der Abgasaffäre eher durch Nähe zur Industrie, denn durch echten Aufklärungswillen profiliert: Der jetzt betroffeneAudi A3 war von der Behörde im Rahmen der Untersuchungskommission Volkswagen nämlich getestet, aber für sauber befunden worden. Wie sich jetzt herausstellt, haben die Beamten aus Flensburg offenbar einen Test gar nicht gemacht, den sie bei anderen Fahrzeugen dokumentiert haben, zum Beispiel beim Audi A6: die Untersuchung bei zehn Grad Celsius - bei dem der Abgasausstoß des A3 deutlich höher war als bei den beim NEFZ-Zyklus geforderten 25 Grad. Das KBA ließ eine Anfrage dazu unbeantwortet.

Die neuen Erkenntnisse zeigen erneut, wie tief Audi in die Abgasaffäre bei Volkswagen verwickelt ist. Für Freitag hat das US-Bezirksgericht in San Francisco eine Anhörung über einen Kompromiss zur Reparatur und den Rückkauf von rund 85.000 Diesel-Fahrzeugen mit 3,0-Liter-Motoren von Audi angesetzt. VW hatte bereits im Oktober in den USA eine Einigung für rund 475.000 Dieselautos mit 2,0-Liter-Motor mit einer illegalen Abschalteinrichtung erzielt. Der Vergleich kostet den Dax-Konzern einschließlich Händler-Entschädigungen bis zu 16,5 Milliarden Dollar.

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wasistlosnix 14.12.2016
1.
Da haben mal wieder die Kontrollbehörden auf ganzer Linie versagt. Es gab mal Zeiten da wären anständige Politiker aus diesem Grund zurückgetreten. Ein Wechsel des Systems wäre mal wieder angebracht damit sich was ändert.
steffan-s 14.12.2016
2. Überall Korruption
Wann tragen endlich die Verantwortlichen die Konsequenzen? Sind Zinke und Dobrint noch tragbar? Was macht unsere Opposition, z. B die Grüne? Sie sind auffällig unauffällig.
mazzmazz 14.12.2016
3. Wer es immer noch nicht kapiert hat...
Der Diesel ist dreckig im realen Alltag. Punkt. Diesel fährt man wenn man sehr, sehr viele Kilometer im Jahr abzuspulen hat oder einen Lastwagen betreibt. Für den Normalverbraucher mit seinen deutlich
jjcamera 14.12.2016
4. erst handeln, dann denken
Das passiert, wenn Politiker Vorschriften zu Motortechnik und -management machen (von denen sie keine Ahnung haben, außer sie haben Motorenbau studiert), die die Industrie gar nicht einhalten kann, ohne unrentabel zu werden, beziehungsweise ohne zu betrügen. Dass Autobauer beim Verkauf ihrer Produkte auch noch draufzahlen oder Autos anbieten, die der Kunde gar nicht will, kann selbst ein Herr Hofreiter nicht erwarten. Vielleicht hätte man diese Vorschriften vorher besser mit der Industrie abgestimmt? Auch Dieselautos wurden einmal per Gesetz staatlich massiv mit Steuererleichterungen gefördert. Heute weiß man, dass das ein kapitaler Fehler war und will Dieselautos verbieten. Die Politiker, die das damals entschieden haben, sind namentlich benennbar. Sie haben sich gewaltig geirrt. Es ist wie der plötzliche Atomausstieg: erst handeln und dann denken.
Oberleerer 14.12.2016
5.
Audi erklärte, dem Unternehmen lägen keine Informationen zu den angesprochenen Untersuchungen vor. "Es ist für uns nicht ersichtlich, um welche Motorisierung es sich konkret handelt. Deshalb können wir dazu leider keine Stellung beziehen." Es gibt also Motorisierungen, bei denen betrogen wurde, aber man will dies erst zugeben, wenn das konkrete Modell genannt wird?
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