Ein Prototyp in altbekannter Form? Sieht man von den bunten Aufklebern ab, deutet nichts an diesem Audi A3 Sportback auf eine zukunftsweisende Antriebstechnik hin. Und doch: Unter dem Blech des alten Kompaktautos, dessen Nachfolger auf dem Autosalon in Genf präsentiert wird, erprobt Audi eine zumindest für die eigene Marke neue Technik: einen Turbo-Motor, der statt Benzin auch Erdgas (Compressed Natural Gas, CNG) verfeuern kann.
Der Vierzylinder, der Ende nächsten Jahres in der Neuauflage des A3 und anschließend wohl auch in anderen Baureihen zum Einsatz kommen wird, ist das Herzstück eines neuen Energiekonzepts namens "Balanced Mobility". Mit dem möchte sich Audi vor allem einen grünen Anstrich geben - und eventuell hat die Idee ja wirklich eine Zukunft. Denn das Gas für den A3 TCNG, so der Name des Prototyps, stammt nicht aus unterirdischen Vorkommen, sondern wird mit Hilfe von Windstrom, elektrolytisch hergestelltem Wasserstoff und dem CO2 einer Biogas-Anlage hergestellt. Das so gewonnene Methan ist chemisch nahezu identisch mit Erdgas und wird von Audi eGas genannt. Vor allem: Es soll den A3 künftig zu einem der saubersten Auto der Republik machen.
Am Steuer des A3 TCNG kann man lange darüber grübeln, ob man der Umwelt jetzt etwas Gutes tut oder ihr wenigstens weniger Schaden zufügt. Zu spüren allerdings ist von der kleinen Revolution im Tank nichts. Denn der Prototyp fährt sich ganz genau so wie ein normaler Benziner. Er ist nicht lauter, läuft nicht weniger harmonisch und riecht auch aus dem Auspuff nicht anders. Selbst die Fahrleistungen haben nichts von einem spaßbefreiten Öko-Auto: Der alte A3 mit der neuen Technik geht druckvoll zur Sache. Mit 150 PS und 220 Nm ist er flott dabei, beschleunigt in knapp zehn Sekunden auf Tempo 100 und schafft lässig mehr als 200 km/h.
Die Autotechnik ist ein alter Hut, innovativ ist lediglich die Art des Kraftstoffs
Technisch ist das Ganze im Grunde nichts Neues. Autos mit Erdgasturbomotoren kann man bei zahlreichen Marken - übrigens auch bei der Audi-Mutter VW - seit vielen Jahren kaufen. Die Infrastruktur für den Treibstoff ist mit rund 900 Tankstellen in Deutschland mittlerweile alltagstauglich, und wer einmal Erdgas getankt hat, vergisst die Vorbehalte vor dem vermeintlich exotischen Kraftstoff. Denn die Gaskupplung unterm Tankdeckel ist auch nicht komplizierter zu bedienen als eine Zapfpistole - nur nicht so schmierig.
Was den Charme des Projekts ausmacht, ist die Herkunft des Treibstoffs. Weil ausschließlich Windenergie und Kohlendioxid aus einer Biogas-Anlage eingesetzt werden, spricht Audi von einem geschlossenen CO2-Kreislauf: Aus dem Auspuff dringt lediglich jenes Kohlendioxid, das der Atmosphäre zuvor entzogen wurde. Völlig CO2-neutral ist die Technik dennoch nicht, denn bei ganzheitlicher Betrachtung, also unter Einbeziehung der Energie für den Aufbau der Anlagen, fährt der Audi mit eGas schließlich mit einem CO2-Ausstoß von 30 Gramm je Kilometer.
Das allerdings ist ein überaus guter Wert. Der derzeit sparsamste VW Polo stößt 87 g/km aus und der teilelektrische Opel Ampera hat nach der gültigen Norm einen CO2-Ausstoß von 27 g/km - bei weitaus höherem technischem Aufwand im Auto. Außerdem kommt es bei Elektrofahrzeugen stets darauf an, wie der Strom erzeugt wurde, der in den Akkus steckt. Aber das ist bei eGas ja nicht anders.
Eine gute Idee, die aber noch ganz am Anfang steht
Interessant ist das Audi-Projekt auch deshalb, weil die Energiekette vom Windstrom über die Wasserstoff- und eGas-Erzeugung an mehreren Stellen angezapft werden kann - und dadurch unabhängig vom A3 TCNG extrem Zukunftsfähig ist. Denn bislang weiß niemand, welche Technik sich am Ende durchsetzen wird. Das charmante am Audi-Projekt. Es ist bereit für alle Formen alternativer Antriebe. Wenn zum Beispiel in Zukunft massenhaft Elektrofahrzeuge unterwegs sind, ließe sich der Windstrom direkt in die Akkus der Autos einspeisen. Und falls sich irgendwann die Brennstoffzelle durchsetzt, könnte der aus dem Windstrom gewonnene Wasserstoff zum Fahren genutzt werden.
Die Idee also ist gut, doch es mangelt noch an der nötigen Infrastruktur, auch wenn sich Audi mit einer Investitionssumme von rund 60 Millionen Euro an deren Aufbau beteiligt. Die Windräder in der Nordsee sind noch nicht errichtet, die eGas-Anlage befindet sich derzeit im Bau. Es wird also noch dauern, bis die Pilotanlage die geplanten 1000 Tonnen eGas pro Jahr produziert. Mit dem Stoff könnten 1500 Autos vom Typ Audi A3 TCNG jeweils 15.000 Kilometer pro Jahr fahren. Derzeit werden die Prototypen übrigens mit herkömmlichem Erdgas betankt, einem Kraftstoff also, in dem kein der Atmosphäre unmittelbar zuvor entnommenes CO2 gebunden ist. Daher liegt der CO2-Ausstoß der Fahrzeuge aktuell bei durchschnittlich 116 g/km - ein Wert, den die meisten Dieselmodell in dieser Klasse unterbieten.
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