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Premiere Audi A4: Und das soll der Neue sein?

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Premiere Audi A4: Fortschrittchen Fotos
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Vorsprung durch Technik, dieses Versprechen kann Audi kaum noch einlösen. Die Konkurrenzmodelle im VW-Konzern sind so hochentwickelt, dass es statt großer Sprünge nur noch kleine Hüpfer gibt. Bestes Beispiel: Der neue A4.

Der neue VW Passat ist laut VW der Beste aller Zeiten, der Skoda Superb gleich noch ein bisschen besser. In der Haut von Ulrich Hackenberg möchte man nicht stecken. Als Entwicklungschef von Audi muss er bei der IAA im September in Frankfurt mit einem neuen A4 auf die Bühne fahren. Und weil Audi im VW-Konzern in der Markenhierarchie über VW und Skoda rangiert, muss sein Auto natürlich das beste sein. Bei der Konkurrenz ist das kein Kinderspiel.

Ein Unterscheidungsmerkmal gibt es allerdings: Während VW und Skoda für ihre Autos als Basis den modularen Querbaukasten nutzen und dadurch bei der Motorisierung auf Vierzylinder-Triebwerke beschränkt sind, fußt der A4 trotz eines ganz ähnlichen Formats auf dem sogenannten modularen Längsbaukasten. Unter der Haube ist also mehr Platz, auch für große Motoren.

Entsprechend geht es schon bei der Markteinführung mit 150 PS los bis zum V6-Diesel mit 272 PS. Und bis die RS-Modelle mit V8 kommen, ist es nur eine Frage der Zeit. Aber: Reicht das in einer Zeit, in der sich die Menschen immer weniger für Motoren interessieren, für einen echten Unterschied? Einen, der am Ende kaufentscheidend ist?

Früher war das einfacher. "Vorsprung durch Technik" war der Slogan von Audi und unvergessen die Werbespots, mit denen die Marke ihre Errungenschaften kommunizierte: Den Quattro-Antrieb, der einen Audi 100 dazu befähigte, eine Skischanze zu befahren - und zwar aufwärts. Oder das Sicherheitssystem Procon-Ten, dass die Lenksäule bei einem Frontallaufprall einzog, verdeutlicht in einem einprägsamen Werbeclip mit einer Streichholzschachtel.

Doch wofür steht Audi eigentlich heute? Das digitale Cockpit des A4, auf das Projektleiter Burkard Weigand so stolz ist? Gibt es auch im VW Passat. Die LED-Scheinwerfer? Ebenfalls im Passat erhältlich. Und die bei nahezu unveränderten Außenabmessungen deutlich spürbaren Raumgewinn auf der Rückbank? Darüber können die Leute bei Skoda angesichts des XXL-Fond des Superb nur lachen.

Audi ist mit diesem Problem allerdings nicht allein. Mit der fortschreitenden Perfektionierung des Automobils schafft die Industrie selbst nach und nach wichtige Unterscheidungsmerkmale ab. Motoren, Fahrwerke, Materialanmutung im Innenraum, bei den großen europäischen Marken ist all dies auf einem ähnlichen Niveau - entsprechend schwer fällt es da, echte Alleinstellungsmerkmale zu finden.

Wieder top: Auch im neuen A4 setzt Audi wieder auf feine Materialien Zur Großansicht
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Wieder top: Auch im neuen A4 setzt Audi wieder auf feine Materialien

Dabei hat Audi beim A4 mitnichten die Hände in den Schoß gelegt. Das Fahrwerk ist komplett ausgetauscht, die Motorenpalette erneuert, ein Armaturenbrett von bislang ungeahnter Finesse verbaut, mehr Assistenzsysteme im Angebot, der Wagen bietet mehr Platz und mehr Komfort. Selbst wenn das Design mit seinen schärferen Linien, dem breiteren Grill und den härteren Kanten eher behutsam weiterentwickelt wurde, lässt Weigand keinen Zweifel daran, dass der A4 ein komplett neues Auto ist: "Viel mehr als die Radschrauben haben wir vom Vorgänger nicht übernommen."

Ein selbst geschaffenes Problem

Doch weil die Modelle der internen und natürlich auch der externen Konkurrenz mittlerweile so weit entwickelt sind und selbst eine vermeintliche Billigmarke wie Skoda sich allen technischen Schnickschnack leisten kann, wird es mit dem selbst proklamierten Vorsprung durch Technik und mit der Abgrenzung immer schwerer: Statt Meilensteine zu setzen, bewegen sich die Entwickler in viel kleineren Schritten.

Moni Islam zum Beispiel zählt den Fortschritt in Tausendstel. Er ist für die Aerodynamik des A4 verantwortlich und dafür, dass der neue A4 mit einem Cw-Wert von 0,23 für die Limousine und 0,26 für den Kombi eines der windschnittigsten Fahrzeuge seiner Klasse ist. Sein Stolz sind ein Gummiwulst vor den Vorderreifen, drei Reifen an der Innenseite des Außenspiegels oder der sogenannte Reserveradmulden-Spoiler, den Audi gleich mal zum Patent angemeldet hat: Der Windabweiser vor den Vorderreifen senkt den Cw-Wert um 0,004, der neue Spiegel bringt vier bis fünf Tausendstel und mit dem Unterbodenspoiler am Heck macht Islam noch einmal vier Zähler gut. Und wenn 13 Tausendstel für ein Gramm weniger CO2 pro Kilometer stehen, kommt da schon was zusammen.

Neuer Audi A4: Aerodynamisch allerhand Feinschliff Zur Großansicht
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Neuer Audi A4: Aerodynamisch allerhand Feinschliff

Zwar liegt es auch an den neuen Motoren und Getrieben, am vorausschauenden Effizienzassistenten, der aus dem Q7 stammt, und an bis zu 120 Kilo weniger Gewicht - aber eben auch an solchen kleinen Luftnummern, dass der A4 mit dem Generationswechsel nach Angaben von Audi bis zu 21 Prozent sparsamer geworden ist. Angeblich soll die sparsamste Version auf einen Verbrauch von 3,7 Liter auf 100 Kilometer kommen und dabei 95 g CO2 pro Kilometer ausstoßen - natürlich unter den sehr realitätsfernen Laborbedingungen, nicht etwa im realen Fahralltag.

Leuchtendes Vorbild

Auch im Innenraum sind es Details, die den Unterschied machen sollen. Das Cockpit, das muss man anerkennen, ist mit einer Finesse gestaltet, die man bislang allenfalls von Autos kannte, die dreimal so teuer sind. Selbst der A8 sieht dagegen billig und grobschlächtig aus. Der Gipfel ist die metallene Schalterleiste für die Klimaautomatik, die mit Näherungssensoren bestückt ist und so feinfühlig reagiert, dass einem schon ein Schauer über den Rücken läuft, bevor die Klimaanlage den A4 zum Eisschrank auf Rädern verwandelt.

Ebenfalls einzigartig sind die Lichtspiele beim Hoffnungsträger aus Ingolstadt. Und es ist wieder nur eine Kleinigkeit, die einen großen Unterschied macht. Bi-Xenon in Serie und zwei verschiedene LED-Systeme gegen Aufpreis - das ist nicht mehr wirklich neu. Aber 40 Farben für die Ambientebeleuchtung im Innenraum, Lichtleisten im Kofferraum, bei denen man selbst nachts zur Sonnenbrille greifen möchte, und beleuchtete USB-Ports, die endlich Schluss machen mit dem leidigen Gefummel in der Mittelkonsole - auch so kann man sich als leuchtendes Vorbild positionieren.

Allerdings darf niemand erwarten, dass es dieses Paket schon zum Grundpreis geben wird, der bei der Limousine wohl um die 31.000 Euro und beim Avant bei etwa 2000 Euro mehr liegen wird. Wer alle Optionen ankreuzt und auch unter der Haube in die Vollen geht, merkt spätestens beim Blick auf den Gesamtpreis, wie groß die Unterschiede gegenüber dem Passat und dem Superb am Ende doch noch sind.

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1. Nichts übernommen?
mischahh 29.06.2015
"Viel mehr als die Radschrauben haben wir vom Vorgänger nicht übernommen." Naja, diese Aussage würde ich so mal nicht stehen lassen. Zumindest die - seit gefühlten Jahrzehnten - nahezu unveränderte Frontansicht mit diesem riesigen, häßlichen und vollkommen unmotiviert wirkendem Kühlergrill wird doch bei nahezu jedem Audi-Modell fortgeführt. Oder, in anderen Worten: Von aussen, und hierbei insbesondere in der Frontansicht (oder eben im Rückspiegel) sieht eine von diesen Kisten aus wie die andere...
2. Was ist entscheidend?
deeperman 29.06.2015
Nein, nicht ein paar Millimeter Vorsprung durch Technik. Und auch nicht das Design. Entscheidend ist der Preis, den die Audi-Verkäufer den Dienstwagen-Flotten-Einkäufern machen. So war es bei Audi immer, so wird es immer sein
3. Eine Frage zum Artikel
agrippa76 29.06.2015
....tippen das noch praktikanten von Spon oder hat die VW MArketingabteilung einen eigenen Zugang? Das Marketinggeschwafel ist ja kaum zum aushalten. Würde das auf der Audi Seite stehen ok aber hier? Mensch mensch mensch
4. Gähn!
Methusalixchen 29.06.2015
Der einzige Aufreger? Das Unwort "Windschlüpfrig" als erstes Wort im Bildtext von Nummer 5 ... ;-)
5. Wie schlecht...
Superlicious 29.06.2015
Nein, mir gefällt er nicht. Wie schon beim A3 unterscheidet sich das Design nur minimal vom letzten Modell. Das sieht insgesamt eher wie ein Facelift aus. Bei der Frontalansicht (siehe Audi-Website) meint man für einen kurzen Moment einen neuen A1 vor sich zu haben. Innovationen bedeuten Risiko. Das geht Audi hier definitiv nicht ein. Dann lieber 3er oder C-Klasse.
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