E-Auto-Klang von Audi Bssss oder Wuuuuuh?

Dieselmotoren nageln, V8-Benziner blubbern, Dreizylinder rasseln, Kompressor-Aggregate sägen, und Zwölfzylinder säuseln. Und wie klingt ein Elektroauto? Jedenfalls nicht nach nichts, sagt Audi. Also komponierten die Ingolstädter für Modelle mit E-Antrieb neue Sounds.

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Audi

Die Ruhe der Fortbewegung - das ist für all jene, die schon mal ein Elektroauto gefahren sind, einer der größten Pluspunkte dieser Antriebsform. Doch dem Gesetzgeber und vielen Unfallforschern ist die Stille der Stromer ein Gräuel. Sie fürchten mehr Unfälle mit Fußgängern und Radfahrern, weil diese ein herannahendes Elektroauto akustisch kaum wahrnehmen können und fordern deshalb ein künstliches Geräusch für die Flüstermobile.

Fahrzeuge wie der Toyota Prius, der Opel Ampera oder der Nissan Leaf, die ganz oder teilweise elektrisch fahren, haben bereits einen Klanggenerator an Bord. Beim Prius etwa gibt er Töne von sich, wenn das Auto rein elektrisch rückwärts fährt; beim Ampera gibt es eine spezielle Fußgänger-Warnhupe für den Fall, dass Passanten den lautlos durch die Stadt stromernden Wagen offenbar nicht wahrnehmen; und beim Leaf erklingt ein synthetisches Geräusch beim Fahren bis zu 30 km/h und beim Zurücksetzen. Das klingt dann, je nach Marke und Modell - nach rangierendem Müllauto oder nach Krieg der Sterne.

Eine solche Rudimentär-Lösung kommt für Rudolf Halbmeir nicht in Frage. Der Akustik-Ingenieur von Audi arbeitet schon seit mehreren Jahren am Sound of Silence, also einem unverwechselbaren Klang für Elektrofahrzeuge. Jetzt stellt Halbmeir erstmals seine Kompositionen öffentlich vor. Zum Einsatz kommen soll der künstliche Klang erstmals im ersten elektrisch betriebenen Audi-Modell, dem R8 Etron, der Ende 2012 in Serie gehen soll.

Halbmeirs Aufgabe war es, einen Klang zu erfinden, der sportlich und umweltfreundlich zugleich klingt, außerdem futuristisch und trotzdem nicht nach alberner Science Fiction. Während in einem Auto mit Verbrennungsmotor der charakteristische Klang durch den Motor entsteht, den die Akustiker manchmal durch Schallklappen im Auspufftrakt noch ein wenig modulieren, ist die Ausgangslage bei einem Elektromotor eine völlig andere. Denn die E-Maschinen arbeiten generell sehr leise; und das, was man hört, spielt sich in hohen, für das menschliche Ohr wenig angenehmen Frequenzen ab.

Halbmeir hat daher vor allem am Computer getüftelt, um einen ebenso angenehmen wie typischen Klang für Elektrofahrzeuge zu erzeugen. Tausende von Tönen und Klangfarben hat der Tontechniker immer wieder neu zusammengemischt, abgehört, bewertet und wieder neu gemischt. Für Halbmeir, der als Hobby-Komponist und -Songwriter auch privat häufig im Tonstudio ist, war dieses Vorgehen nichts Besonderes. "Ich erschaffe emotionale Gebilde, die es zuvor nicht gibt'', sagt er, "das ist beim Fahrzeugsound nicht grundsätzlich anders als bei einem neuen Song."

Ein 40-Watt-Lautsprecher unterm Wagenboden macht die Musik

Halbmeirs E-Sound wird im Audi Etron von einem Soundgenerator erzeugt. "Unser Steuergerät erhält vom Fahrzeug ständig Informationen über die Drehzahl der E-Maschine, die Last, die Geschwindigkeit und weitere Parameter. Aus diesen Daten wird der Klang gebildet." Hörbar wird der Sound durch einen 40-Watt-Lautsprecher, der am Wagenboden montiert ist; Fußgänger und Radfahrer sollen so rechtzeitig mitkriegen, dass sich ein Elektroauto nähert.

Zudem wird der Klang auch in den Innenraum geleitet - um den Fahrspaß zu vergrößern, wie es bei Audi heißt. Halbmeir: "Klang sendet Signale. Tiefe Frequenzen vermitteln Eindrücke von Kraft und Gelassenheit, mittlere transportieren Sportlichkeit und Agilität." So differenziert wird das aber im echten Straßenleben kaum jemand mitbekommen. Denn spätestens bei Landstraßentempo werden die Abrollgeräusche der Reifen und das Wummern des Fahrtwinds so dominant, dass Halbmeirs Kompositionen völlig unemotional im großen Rauschen untergehen.



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insgesamt 55 Beiträge
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Seite 1
eigentlicher_Schwan 09.04.2012
1.
Zitat von sysopAudiDieselmotoren nageln, V8-Benziner blubbern, Dreizylinder rasseln, Kompressor-Aggregate sägen und Zwölfzylinder säuseln. Und wie klingt ein Elektroauto? Jedenfalls nicht nach nichts, sagt Audi. Also komponierten die Ingolstädter für Modelle mit E-Antrieb neue Sounds. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,825904,00.html
Für die Sicherheit innerorts eh unerlässlich! Für mich wäre Pferdegetrappel DER Hingucker. :)
karlnapf10 09.04.2012
2. So ein Quatsch...
da hat man nun die Chance, die Welt ein wenig leiser zu machen, und was passiert? Man macht künstlich Krach. Was wohl Anwohner von hoch frequentierten Innenstädten davon halten? Zu Hauf sieht man heute Fußgänger und Radler in Städten mit dem "Knopf" des MP3-Players im Ohr. Die hören Autos auch nicht, gibt es deswegen mehr Unfälle? Wäre mal zu untersuchen. Nur für Blinde sollte eine verträgliche Lösung gefunden werden, die ja dann auch von anderen genutzt werden könnte.
Luke1973 09.04.2012
3.
Ich finde es einfach nur schwachsinnig, dass man jetzt wo endlich Hoffnung auf leiesere Autos besteht, das ganze durch Soundgeneratoren konterkariert werden soll. Mann, die Leute müssen sich halt einfach umstellen. Man kann nicht mehr rein nach Gehör über die Straße laufen. Verstehe das sowieso nicht. Allein schon wegen der Fahrräder konnte man das noch nie! Also: Sounddesign am E-Sound mit den vorhandenen Geräuschen okay. Aber Autos lauter machen als sie sein müssen gehört verboten!
review 09.04.2012
4.
Zitat von karlnapf10da hat man nun die Chance, die Welt ein wenig leiser zu machen, und was passiert? Man macht künstlich Krach. Was wohl Anwohner von hoch frequentierten Innenstädten davon halten? Zu Hauf sieht man heute Fußgänger und Radler in Städten mit dem "Knopf" des MP3-Players im Ohr. Die hören Autos auch nicht, gibt es deswegen mehr Unfälle? Wäre mal zu untersuchen. Nur für Blinde sollte eine verträgliche Lösung gefunden werden, die ja dann auch von anderen genutzt werden könnte.
Ich finde Ihren Betrag sehr widersprüchlich. Sie wollen eine leisere Welt, ein durchaus nachvollziehbares Ziel, aber gleichzeitig eine akustische Orientierung für Blinde, beides parallel werde Sie nicht erreichen können. Das sich heute schon jede Menge Menschen per MP3 Player und Konsorten akustisch abkoppeln, führt einerseits wirklich zu Unfällen und ist anderseits deren persönliche Beitrag zum Darwin Award.
eduardschulz 09.04.2012
5.
Zitat von karlnapf10da hat man nun die Chance, die Welt ein wenig leiser zu machen, und was passiert? Man macht künstlich Krach. Was wohl Anwohner von hoch frequentierten Innenstädten davon halten? Zu Hauf sieht man heute Fußgänger und Radler in Städten mit dem "Knopf" des MP3-Players im Ohr. Die hören Autos auch nicht, gibt es deswegen mehr Unfälle? Wäre mal zu untersuchen. Nur für Blinde sollte eine verträgliche Lösung gefunden werden, die ja dann auch von anderen genutzt werden könnte.
Als ehemaliger Polizeibeamter, der auch Unfälle aufgenommen hat, in welchen ein Verkehrsteilnehmer den Unfallgegner nicht gehört hat, würde ich Ihre Frage nach der Wahrscheinlichkeit von mehr Unfällen sofort bejahen.
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