Audi kauft Ducati: Geburtstagsgeschenk auf zwei Rädern

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Audi kauft Ducati: Zwei Räder fürs Image Fotos
dapd

Am 16. April feierte VW-Patriarch Ferdinand Piëch seinen 75. Geburtstag. Sein schönstes Geschenk machte sich der VW-Patriarch selbst: Der Aufsichtsrat der Konzern-Tochter Audi segnet den Kauf der italienischen Motorradschmiede Ducati ab. Denn Motorradfahren ist Piëchs Hobby.

Über den Verkauf der Motorradmarke Ducati an einen deutschen Automobilhersteller war seit Anfang des Jahres spekuliert worden. Als mögliche Käufer wurden neben Audi auch Daimler und BMW ins Gespräch gebracht. Jetzt ist die Tinte unter dem Vertrag trocken: Für rund 860 Millionen Euro hat die Volkswagen-Tochter Audi den Zweirad-Hersteller vom bisherigen Besitzer-Konsortium übernommen.

Was will der Volkswagen-Konzern mit einem italienischen Motorradhersteller?

Rational oder gar betriebswirtschaftlich ist die Übernahme der Firma, die im Bologneser Vorort Borgo Panigale Edelware für Premiumkunden fertigt, kaum zu erklären. Auf die Zahlen von Audi oder gar die Gesamtbilanz der VW-Gruppe hat das Jahresergebnis der neuen Marke im Gruppen-Portfolio keinen signifikanten Einfluss.

Rote Federn für das Ego

Ducati ist fast ausschließlich eine Herzensangelegenheit des VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und ein weiterer Beweis für dessen langen Atem. Seit der Hobby-Motorradfahrer Piëch Mitte 1972 bei Audi als Hauptabteilungsleiter für Sonderaufgaben anheuerte, hat es den Markensammler gewurmt, dass Audi seine Zweiradvergangenheit mit NSU und DKW nicht weiter verfolgt hat.

Vierzig Jahre später, an der Spitze des Konzerns, erfüllt er sich seinen lang gehegten Wunsch: "Ein kleiner feiner Motorradhersteller würde gut zu uns passen", sagte Piëch 2008 in einem Interview. Und führte fort, dass er noch immer dem Jahr 1985 nachtrauere, als Ducati in Not war und man den Hersteller "für einen Apfel und ein Ei" hätte kriegen können.

Und wieder kreiselt das Investoren-Karussell

Piëch und seine Tochter Audi sind nicht die ersten Geldgeber, die sich an Ducati versuchen. Seit Mitte der achtziger Jahre wurde die Firma mehrfach weitergereicht. Mit wechselndem Erfolg. "Mit den ersten Neubesitzern, den Castiglioni-Brüdern, ging es bergab. Mitte der neunziger Jahre waren wir völlig am Boden", erzählt der Museumskurator und Chronist der Marke, Livio Lodi. "Erst der Einstieg der Texas Pacific Group im Jahr 1996 hat uns gerettet."

Die Amerikaner tauschten zügig das Management aus, führten japanische Fertigungseffizienz ein und krempelten die Produktlinie komplett um. Mit den Superbikes 996 und 1098, dem Reiseliner Multistrada und der neuen Monster wurde die Gewinnzone wieder erreicht, bevor im Jahr 2006 die Investindustrial übernahm. Die italienischen Investoren, die sich die Anteile mit dem Private Equity Fonds BS und einem kanadischen Pensionsfonds teilten, reduzierten weiter Fertigungskosten. Sie hielten die Premiummarke Ducati - im Gegensatz zu anderen Marken - während der Branchenkrise 2009 in der Gewinnspur.

Ducati hat im Jahr 2011 etwa 42.000 Motorräder weltweit verkauft und damit einen operativen Gewinn von rund 110 Millionen Euro erwirtschaftet: eine stattliche Rendite von rund 20 Prozent, die kein Automobilhersteller erreicht, und ideale Voraussetzung also, um Ducati anzubieten.

Trotz satter Gewinne nicht zukunftsfähig

Denn verkaufen mussten die Italiener trotz der satten Gewinne: Auf Dauer kann keine Motorradfirma in der Größe von Ducati ohne Wachstum überleben. Status quo ist Rückschritt. Doch weitere internationale Märkte, einen größeren Anteil am Gesamtmarkt, hohe Investitionen in eine breitere Modellpalette - das geht nur mit einem potenten neuen Investor, für den 860 Millionen Euro kein Problem sind. Einen Investor wie Audi.

Dabei unkten viele Kritiker vor der Vertragsunterzeichnung, dass der Deal reiner Irrsinn sei. Die Schuldenlast in Bologna sei zu hoch; das Image beschädigt. Das sei keine Ehe, die funktionieren könne. Das "Handelsblatt" schreibt: "Dann lasst sie doch bitte lieber in Schönheit sterben."

Doch offensichtlich hat die Durchleuchtung der Firmenbücher durch die Wirtschaftsprüfer in den vergangenen Wochen ergeben, dass Ducatis eigentliche Kredit- und Schuldenlast unter 200 Millionen Euro liegt - eine überschaubare Summe bei einem Gewinn von rund 110 Millionen Euro.

Und auch die Kritik an der aufwendigen Rennsport-Abteilung Ducati Corse zieht nicht. Das exorbitante Jahresgehalt von angeblich 12 Millionen Euro des Spitzenfahrers Valentino Rossi bringen Sponsoren mit. Dass er zurzeit frustriert hinterher fährt, zählt nicht: Ducati-Liebhaber sind quasi immunisiert gegen kurzfristige Niederlagen.

Zwei Welten, eine Mission

Auch sind die technischen Welten, die mit Ingolstadt und Bologna aufeinander prallen, so verschieden nicht. Im Gegenteil: ein interessanter technischer Austausch ist garantiert. Sowohl bei Audi als auch in der Entwicklungsabteilung von Ducati dreht es sich um automobile Themen der Zukunft: möglichst effiziente Hochleistungsmotoren, optimale Ausnutzung von begrenztem Hubraum, maximaler Leichtbau durch den Einsatz von neuen Werkstoffen wie Karbon.

Auch bringen die Ingenieure der VW-Gruppe spezielles Motorrad- und Ducati-Know-how mit. Der V-Rod-Revolution Motor, der 2001 von Harley-Davidson auf den Markt gebracht wurde, entstand am Bildschirm der Porsche-Motorenentwickler in Zuffenhausen. Und Ingolstadt selbst hat schon seit längerem einen direkten Draht in die Motorrad-Fertigung bei Ducati: Der Audi-Mann Thomas Mehringer arbeitete unter anderem bei Lamborghini, bevor er von Beginn 2008 bis Dezember 2011 oberster Qualitätsprüfer bei den "Roten" in Bologna wurde.

Der Kauf von Ducati hat übrigens auch Auswirkungen auf Mercedes. Die Daimler-Tochter Mercedes AMG kooperiert seit Ende 2010 mit dem Motorradhersteller. So stattet das Autounternehmen den MotoGP-Rennstall von Ducati mit Mercedes-Fahrzeugen aus.

Nach der Übernahme durch Audi soll damit jetzt Schluss sein. Mercedes werde die Zusammenarbeit mit Ducati mit sofortiger Wirkung beenden, sobald der Verkauf an Audi abgeschlossen ist, sagte ein Daimler-Sprecher am Donnerstag in Stuttgart.

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insgesamt 30 Beiträge
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1. Ducaudi ?
ekel-alfred 19.04.2012
Zitat von sysopdapdAm 16. April feierte VW-Patriarch Ferdinand Piëch seinen 75. Geburtstag. Sein schönstes Geschenk machte sich der VW-Patriarch selbst: Der Aufsichtsrat der Konzern-Tochter Audi segnet den Kauf der italienischen Motorradschmiede Ducati ab. Denn Motorradfahren ist Piëchs Hobby. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,828128,00.html
Deutscher Autobauer und italienische Motorradschmiede. Das passt nicht zusammen! Ich verstehe nicht, warum sich VW nicht bei Horex beteiligt hat. Das war eine deutsche Traditionsmarke und die neue Horex ist (vom Preis her) ja auch nur etwas für betuchte Kunden und würde sich neben dem R8 in der Garage gut machen. Ausserdem hätte man vom Start weg Einfluss auf die Modellpolitik nehmen können, anstatt ein fertiges Portfolio zu kaufen.
2.
bürostuhlpilot 19.04.2012
Zitat von ekel-alfredDeutscher Autobauer und italienische Motorradschmiede. Das passt nicht zusammen! Ich verstehe nicht, warum sich VW nicht bei Horex beteiligt hat. Das war eine deutsche Traditionsmarke und die neue Horex ist (vom Preis her) ja auch nur etwas für betuchte Kunden und würde sich neben dem R8 in der Garage gut machen. Ausserdem hätte man vom Start weg Einfluss auf die Modellpolitik nehmen können, anstatt ein fertiges Portfolio zu kaufen.
Das paßt - meiner Meinung nach - hervorragend zusammen. Wenn VW sich auf seine alten Qualitätstraditionen rückbesinnt, dann wird den Produkten auch die typisch "italienische" Schlamperei und die zahlreichen Elektronikfipse ausgetrieben. Jeder, der ein Motorrad mit italienischen Elektronikkomponenten - KTM kauft auch in Italien ein - fährt, kann das eine oder andere Liedichen davon singen... .
3. das könnte was werden
Christ 32 19.04.2012
Ducati ist eine Edelmarke und passt recht gut zu Audi, wahrscheinlich besser wie Husqvarna zu BMW. Deren Zusammenarbeit hat bisher noch nicht so recht gefruchtet.
4.
dale_gribble 19.04.2012
Zitat von bürostuhlpilotDas paßt - meiner Meinung nach - hervorragend zusammen. Wenn VW sich auf seine alten Qualitätstraditionen rückbesinnt, dann wird den Produkten auch die typisch "italienische" Schlamperei und die zahlreichen Elektronikfipse ausgetrieben. Jeder, der ein Motorrad mit italienischen Elektronikkomponenten - KTM kauft auch in Italien ein - fährt, kann das eine oder andere Liedichen davon singen... .
Hmm. Dann kann ich mir ja gleich eine Honda kaufen.
5. Duc 999 TDI
maros 19.04.2012
Zitat von bürostuhlpilotDas paßt - meiner Meinung nach - hervorragend zusammen. Wenn VW sich auf seine alten Qualitätstraditionen rückbesinnt, dann wird den Produkten auch die typisch "italienische" Schlamperei und die zahlreichen Elektronikfipse ausgetrieben. Jeder, der ein Motorrad mit italienischen Elektronikkomponenten - KTM kauft auch in Italien ein - fährt, kann das eine oder andere Liedichen davon singen... .
Ja, die kommende 999 TDI wird der Hammer werden ;-)
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Zum Autor
Jochen Vorfelder ist passionierter Motorradfahrer. Er berichtet seit Jahren über die Bike-Szene und betreibt das Blog Moto1203. In der Rubrik Schräglage berichtet er für SPIEGEL ONLINE regelmäßig über die neuesten Zweirad-Entwicklungen. Alle bisher erschienen Schräglage-Folgen

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