Abgasaffäre Audi manipulierte beliebtes Dienstwagenmodell - Produktion gestoppt

Im Dieselskandal gerät die VW-Tochter Audi immer mehr in den Fokus: Eine bislang noch unbekannte Betrugssoftware soll nach SPIEGEL-Informationen im A6 verbaut worden sein. Ein amtlicher Rückruf droht.

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Der neue VW-Chef Herbert Diess sprach auf der Hauptversammlung vergangene Woche davon, dass sein Konzern "ehrlicher" und "anständiger" werden müsse. Wie wichtig und aktuell diese Ermahnung an seine Untergebenen ist, scheint sich bei der Konzerntochter Audi zu bewahrheiten.

Ausgerechnet bei dem als Dienstwagen ausgesprochen beliebten Modell A6, und zwar in der noch aktuellen Baureihe C7, die erst im Sommer durch ein Nachfolgemodell abgelöst werden wird, soll manipuliert worden sein. Betroffen sind Diesel-Motoren des Typs V6 TDI Gen2 Evo in der Version mit 200 kW.

Dort soll neben einer bereits bekannten illegalen Abschalteinrichtung eine weitere Betrugssoftware verbaut sein, die das Abgassystem manipuliert. Diesen Hinweisen geht nach Informationen des SPIEGEL die Bundesregierung und das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) nach. "Das KBA hat eine amtliche Anhörung wegen des Verdachts einer unzulässigen Abschalteinrichtung bei Audi V6 TDI-Fahrzeugen der Modelle A6/A7 eingeleitet", erklärte ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums.

Für Audi und seine Mutter VW wäre das ein äußerst unangenehmes Eingeständnis und könnte der gesamten Branche weiter schaden: Mit einem groß angelegten Umtauschprogramm lockt die Industrie derzeit Kunden, alte Diesel gegen neue einzutauschen, eben wie jenen Audi A6 mit der noch aktuellen Abgasnorm Euro 6. Damit wollen die Konzerne den Diesel aus den negativen Diskussionen um Fahrverbote herausbekommen. Doch daraus wird erst mal nichts.

Di e Produktion des A6 soll gestoppt worden sein

Audi soll bei mindestens 30.000 A6 in Deutschland und der gleichen Anzahl von Exportfahrzeugen einen neuen Trick angewendet haben. Die betroffenen Fahrzeuge sind mit einem sogenannten SCR-Katalysator zur Reinigung der Stickoxide ausgestattet. Dieser benötigt für eine reibungslose Funktion Harnstoff (Markenname: AdBlue), der in einem zusätzlichen Tank untergebracht ist. Der Harnstoff wird in den Abgasstrom eingespritzt und sorgt dafür, dass die Stickoxide in harmlosen Stickstoff und Wasserdampf umgewandelt werden.

Audi A6 Avant
imago/Jakob Hoff

Audi A6 Avant

Damit der Kunde nicht selber Harnstoff nachfüllen muss, sondern erst die Werkstatt beim nächsten Service, hat Audi die Einspritzung der Reinigungsflüssigkeit 2400 Kilometer bevor sie zuneige geht stark gedrosselt. In der Zeit, da die Zufuhr von Harnstoff abgeregelt ist, funktioniert der SCR-Katalysator zur Reinigung von Stickoxiden im Abgas nicht oder nur extrem eingeschränkt. Das giftige Gas entweicht in hohen Konzentrationen aus dem Auspuff.

Der A6 besitzt eine Zulassung aus Luxemburg, allerdings sollen die KBA-Beamten bereits im Kontakt mit den dortigen Zulassungsämtern stehen. Ein amtlicher Rückruf zumindest für die in Deutschland in den Verkehr gebrachten Audi-Fahrzeuge ist äußerst wahrscheinlich.

Die Nachricht von einer neuerlichen Abgasmanipulation soll auch auf der Aufsichtsratssitzung des VW-Konzerns ein Thema gewesen sein. Mittlerweile sei sogar die Produktion des Modells angehalten, auch die Auslieferung von bereits verkauften A6-Modellen an die Käufer könnte schon bald untersagt werden.

Wirtschaftlich bedeutet dies für Audi einen herben Rückschlag. Die VW-Tochter kämpft mit dem A6 gegen BMW 5er und E-Klasse an. Zuletzt landeten die Ingolstädter mit 38.856 Neuzulassungen im Jahr auf Platz drei hinter BMW und Mercedes. Ein überholtes Modell der neuen Baureihe C8 ist bereits auf dem Genfer Autosalon im März vorgestellt worden und soll den Anschluss an die Konkurrenten aus München und Stuttgart schaffen. Der A6 ist das drittwichtigste Volumenmodell von Audi nach A4 und A3.

Audi-Chef Rupert Stadler unter Druck

Für Audi-Chef Rupert Stadler könnte die Enthüllung Folgen haben. Schon seit langem gilt er im Konzern als angezählt. Denn ganz offensichtlich haben die Entwickler von Audi jene Dieselmodelle mit Abschalteinrichtungen für eine ganze Reihe von Autos aus dem Hause VW geliefert, für die das Kraftfahrt-Bundesamt im vergangenen Jahr einen amtlichen Rückruf aussprechen musste - unter anderem auch für den Porsche Cayenne. Hat Stadler in seiner Entwicklungsabteilung in Neckarsulm immer noch nicht aufgeräumt? Am Mittwoch dürfte er sich auf der Hauptversammlung von Audi ernste Fragen anhören müssen.

Auf Anfrage des SPIEGEL sagte ein Audi-Sprecher: "Wir haben vor gut einer Woche eine Unregelmäßigkeit entdeckt und sie am vergangenen Freitag dem KBA mitgeteilt. Wir arbeiten an einem Softwareupdate und sind dabei eng mit dem KBA in Kontakt."



insgesamt 174 Beiträge
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Palmdale 08.05.2018
1. "Vorsprung durch Technik"
Für Audi ist/wäre das doppelt schädlich, denn Ihre Markenbotschaft wird massiv beschädigt. Ganz allgemein stellt sich die Frage, was man den VW Konzern überhaupt noch glauben kann und sollte. Den internen Untersuchungsbericht wird entgegen der ursprünglichen Zusicherung ebenfalls nicht veröffentlicht, sondern mit Zähnen und Klauen über teure Anwaltskanzleien verteidigt.
Rubyconacer 08.05.2018
2. Wissen
Also wissen die tatsächlich immer noch nicht, wo diese Software verborgen sein soll. Am wichtigsten aber für mich:“zugelassen in Luxemburg“!!!! Liegt dort der Hund begraben, dass in Luxemburg alle Hersteller ihre Schmutzdiesel gegen Salär zugelassen bekommen? Vielleicht liegt ja dort der eigentliche Skandal.
dasbeau 08.05.2018
3. AdBlue
Wo kommt eigentlich dieses Märchen her, dass die Fahrer nicht selbst AdBlue nachfüllen müssen/sollen, sondern dies nur bei den Serviceintervallen in der Werkstatt erfolgt? Ich fahre selbst einen A6 (Bj. 2015, ca. 70.000km) und musste schon mehrfach nachfüllen, was ich stets selbst getan habe. Warum wird also darauf rumgeritten? Für mich klingt das immer wie ein versteckter Klassenkampf, in dem suggeriert werden soll, dass die bösen, reichen Snobs mit den dicken Autos sich zu fein sind, Harnstoff nachzufüllen und deswegen auf Kosten aller die Umwelt verpesten. Ziemlich armselige Darstellung. Und zudem falsch
rumburg 08.05.2018
4. KFA und Stadler untätig?
Wenn dies stimmt, dann frage ich mich: 1) Hat das KFA nicht schon längst alle fraglichem Typenvariantem selbst getestet? 2) Klassisches Aufsichtsversagen bei Vorstand Stadler. Er sollte abberufen werden.
dasbeau 08.05.2018
5. AdBlue
Wo kommt eigentlich dieses Märchen her, dass die Fahrer nicht selbst AdBlue nachfüllen müssen/sollen, sondern dies nur bei den Serviceintervallen in der Werkstatt erfolgt? Ich fahre selbst einen A6 (Bj. 2015, ca. 70.000km) und musste schon mehrfach nachfüllen, was ich stets selbst getan habe. Warum wird also darauf rumgeritten? Für mich klingt das immer wie ein versteckter Klassenkampf, in dem suggeriert werden soll, dass die bösen, reichen Snobs mit den dicken Autos sich zu fein sind, Harnstoff nachzufüllen und deswegen auf Kosten aller die Umwelt verpesten. Ziemlich armselige Darstellung durch die Medien. Und zudem falsch.
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