Audi R8 Spyder und GT3 Porsche-Jäger aus Ingolstadt

Zur Kollision im neuen Porsche-Volkswagen-Konzern könnte es schon bald zwischen den Marken Porsche und Audi kommen: Die Ingolstädter rüsten nämlich ihren Sportwagen R8 auf - und fahren damit den erfolgsverwöhnten Porsche-Modellen bedrohlich nah aufs Heck.


Sieht man sich nur die Stückzahlen an, ist der Audi-Sportwagen R8 noch ein kleiner Fisch im Teich der Supersportwagen. Seit dem Start vor rund eineinhalb Jahren wurden insgesamt etwa 6400 Fahrzeuge an Kunden in Deutschland ausgeliefert. Derzeit stellt Audi mindestens 106.400 Euro für den Allrad-Racer in Rechnung, der mit einem 4,2-Liter-V8-Motor ausgerüstet ist, dessen 420 PS den aggressiv gestylten Zweisitzer bis zu 301 km/h schnell machen. Damit rast der Wagen in einer Liga mit den Allrad-Modellen des Porsche 911 Carrera, mit dem Ferrari F 430 oder den Rennern Mercedes SL 500 sowie Aston Martin V8 Vantage.

Audi R8 GT3: Das Motorsportgerät, mit dem die Ingolstädter ab 2009 Gas geben wollen

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Was auffällt: All diese Konkurrenzmodelle gibt es auch in einer offenen Version - der Mercedes SL zum Beispiel fährt ohnehin mit einem faltbaren Stahldach vor. Dass Audi den R8 in einer offenen Variante namens Spyder bringen würde, war eigentlich von Anfang an klar.

Offiziell jedoch wurde das nie bestätigt. Allmählich aber werden die Dementis aus Ingolstadt, den R8 Spyder betreffend, halbherziger. Was nur logisch ist, denn längst wurden getarnte Prototypen des offenen Sportwagens, sogenannte Erlkönige, bei Testfahrten fotografiert.

Es gilt daher als nahezu sicher, dass Audi den R8 Spyder auf der Internationalen Automobilausstellung IAA in Frankfurt am Main im Herbst 2009 vorstellen wird. Die Technik des Wagens wird identisch sein mit jener des Coupés; abgesehen vom Stoffdach natürlich, und von der neu gestalteten Heckpartie, denn das Mittelmotorauto braucht dann eine neue Haube über dem Motor und es wird wohl zwei Höcker auf dem Heckdeckel bekommen, die als Überrollschutz für die Insassen fungieren.

GT3-Variante für den Kundensport

Parallel zum R8 Spyder entwickelte die Abteilung Audi Sport eine mehr als 500 PS starke GT3-Version des Autos. "Mit diesem Wagen wollen wir unser erstes größeres Kundensport-Programm aufbauen", sagt Audi-Motorsportchef Wolfgang Ullrich. Auch hier also brechen die Ingolstädter in eine Domäne ein, die in Deutschland bislang das Hoheitsgebiet vor allem von Porsche war. In der Saison 2009 soll der R8-Renner, der intern den Projektnamen "R 16" trägt, erstmals zu Testeinsätzen kommen. Ab dem Herbst 2009 dann können Kunden den Rennsportwagen kaufen, der entsprechend dem GT3-Reglement keinen Allradantrieb hat, sondern klassischen Heckantrieb.

Gebaut werden die neuen Modelle zu großen Teilen in Neckarsulm, wo bereits das R8 Coupé produziert wird. Erstmals hat Audi in dieser manufakturartigen Fertigung das Projekt "Silver Line" umgesetzt, mit dem das Unternehmen dem demografischen Wandel durch eine Umstellung im Produktionsprozess begegnet. Das Projekt spricht Mitarbeiter an, die mindestens 40 Jahre alt sind und über langjährige Erfahrung in der Autoproduktion verfügen. Die zentrale Idee: Statt nur weniger Handgriffe sollen die versierten Mitarbeiter sehr viel mehr Arbeitsschritte erledigen.

Derzeit täglich 23 nagelneue R8-Modelle

Während etwa beim Bau der Limousine A6 das Fertigungsband einen Arbeitstakt von 1,6 Minuten vorsieht, während dem zwei oder drei Teile montiert werden, gilt beim R8 ein Arbeitstakt von 44 Minuten. In dieser Zeit baut der "Silver Liner" zirka 50 Teile ein oder setzt per Hand Schweißnähte, die beim R8 insgesamt hundert Meter lang sind. Das Ziel dieser Umstellung: Die Arbeitsschritte werden vielfältiger, die Bewegungen abwechslungsreicher, die körperliche Belastung für die Mitarbeiter gleichmäßiger. Derzeit bauen 120 Mitarbeiter bei Audi in Neckarsulm täglich 23 R8-Modelle.

Wenn Spyder und GT3 dazukommen, wird sich der Ausstoß wohl deutlich erhöhen. Was die Porsche-Holding als Besitzer natürlich freuen wird. Aber ob die Marke Porsche vom zügig beschleunigenden Konkurrenten auch so begeistert sein wird, ist die Frage.

jüp



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