Audi-Sieg in Le Mans Triumph der Hybridboliden

Beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans zeigte sich die Stärke neuer Antriebstechnik. Audi dominierte das Rennen mit seinen Hybridboliden. Zwei andere Teams, die mit neuen Fahrzeugkonzepten antraten, wurden zwar schon früh von der Strecke gekegelt. Doch das Thema Nachhaltigkeit ist im Rennsport angekommen.

Aus Le Mans berichtet

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In Le Mans gibt es eine Regel, die Fahrer und Teams tunlichst beherzigen sollten. Am Ende zählt weder der Top Speed noch die beste Rundenzeit. Es zählt einzig und allein, dass man keinen Totalschaden erleidet. "Stay out of trouble" wiederholten die Kommentatoren bei dem 24-Stunden-Rennen von Samstag auf Sonntag wieder und wieder den Leitspruch.

In Le Mans sind Vorfälle, die bei der Formel 1 das sichere Aus bedeuten, nicht weiter schlimm. Es macht nichts, wenn man einen Reifen verliert und eine halbe Runde lang in Zeitlupentempo auf der Bremsscheibe in die Box humpelt. Solange man es noch in die Box schafft. Im Verlauf des Langstreckenklassikers sind Reparaturzeiten von einer halben Stunde kein Problem - es passiert so viel, garantiert auch der Konkurrenz. Weiterfahren lohnt sich immer. Man darf nur eines nicht: einen Totalschaden erleiden und auf der Strecke verenden.

Leider hielten sich zwei Teams, die angetreten waren, um die Zukunft des Rennsports zu gestalten, nicht an die goldene Regel von Le Mans.

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Neue Technologien in Le Mans: Dabeisein ist alles

2012 brachten Audi, Toyota und Nissan Fahrzeuge auf die Piste, die so gar nicht zum üblichen Aufgalopp bei dem Benzingipfel passten. Audi rollte mit einem Diesel-Hybrid-Prototyp in der LMP1-Klasse an den Start, Toyota feiert mit einem Benzin-Hybrid in der gleichen Klasse nach längerer Le-Mans-Abstinenz sein Comeback. Und dann gab es da noch Nissan. Der japanische Prototyp hatte zwar keine Hybrid-Technologie an Bord, war dafür aber in jeder anderen Hinsicht ungewöhnlich. Der Deltawing sah aus wie eine Mischung aus Dreirad, Batmobil und Stealth-Bomber. Bei allen drei Herstellern ging es darum, die Rennsportidee mit spritsparender Zukunftstechnologie zu vereinen.

Ende im Reifenstapel

Nur leider kamen nicht alle Revoluzzer ins Ziel. Als erstes rauschte Anthony Davidson mit seinem Toyota TC 030 Hybrid spektakulär in einen Reifenstapel. Er war von einem der zahlreichen Ferrari 458 Italia gerammt worden, drehte sich - und hob dann ab.

War dieser Abflug noch fremdverschuldet, kickte sich der zweite Toyota selbst aus dem Rennen - und schoss dabei leider auch den Nissan Deltawing ab, der bis dahin sensationell hatte mithalten können. Deltawing-Pilot Satoshi Motoyama versuchte zwar noch in bester Le-Mans-Manier, das Auto am Streckenrand wieder halbwegs flottzumachen. Er wurde dabei von Teammechanikern unterstützt, die ihm mit Hilfe eines Dolmetschers Direktiven gaben. Doch es nützte nichts. Der Deltawing musste aufgeben.

Nur Audi hielt durch, auch wenn die Ingolstädter bei ihrer Hybridtechnologie auf ein bereits erprobtes System setzten: einen Drehmassenspeicher, wie ihn Porsche bereits im 911 Hybrid genutzt hat, der bei den 24h Stunden vom Nürburgring im Einsatz war.

Wie ein Uhrwerk spulten die beiden Audi RS18 e-tron Quattro an der Spitze des Fahrerfeldes ihre Runden ab und beendeten das Rennen auf den Plätzen eins und zwei vor ihrem Teamkollegen mit dem Audi R18 Ultra. Wenn man sich die Performance der beiden Hybrid-Audi anschaut und mit den Rundenzeiten der bis auf den Hybridantrieb technisch weitgehend identischen Audi Ultra vergleicht, muss man sich um den Einsatz der Hybridtechnologie im Langstreckenrennsport keine Sorgen machen.

"Dies war erst der Anfang"

Sicher sei der Einsatz des Hybridantriebs anfangs auch marketingstrategisch motiviert gewesen, verriet Jürgen Pippig, Sprecher von Audi Motorsport, im Gespräch. Aber letztlich sei der Vorteil im Rennen durch die Hybridtechnologie so groß, dass man deren Einsatz auf jeden Fall weiterverfolgen werde. Zumal es mit diesem Teil der Technik während des Rennens keinerlei Probleme gab. Pippig sieht darin auf jeden Fall die Zukunft des Rennsports: "Dies war erst der Anfang."

Auch Toyota wird den bei Le Mans 2012 eingeschlagenen Weg weitergehen. Die Japaner hatten das diesjährige Rennen wiederholt als Test vor großem Publikum deklariert. Doch die beiden Hybridfahrzeuge haben bewiesen, dass die Technik funktioniert - und Toyota bei der Rundenzeit durchaus in Schlagdistanz zu Audi war. Umso ärgerlicher, dass beide Autos durch Fahrfehler so früh ausschieden.

Und was wird aus dem Deltawing? Das eigentümliche Geschoss war der Publikumsliebling in Le Mans. Als es seine ersten Runden im Rennen drehte, wurde es von den Fans bejubelt. Und wohl jeder an der Strecke bangte und hoffte, dass der Deltawing es zurück in das Rennen schaffen würde.

Was wird aus dem Deltawing?

Trotz des überwältigenden Medienechos gibt man sich bei Nissan bedeckt, was die Zukunft des Deltawing angeht. "Der Geist ist aus der Flasche", sagte Darren Cox, Chef von Nissan Europa etwas nebulös. Ben Bowlby, geistiger Vater des Deltawing-Projekts, wurde da schon konkreter. "Wir haben die von uns angestrebten Ziele erreicht", gab sich Bowlby trotz des frühen Ausscheidens stolz.

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Hybridautos in Le Mans: Das härteste Testlabor der Welt

Der Deltawing konnte doppelt so lange wie die Konkurrenz mit einem Satz Reifen fahren, bevor dieser getauscht werden musste. Auch verbrauchte er nur rund die Hälfte des Sprits, den die Konkurrenz bei gleicher Geschwindigkeit schluckte. "Außerdem haben wir bewiesen, dass das Fahrzeugkonzept mit der extrem schmalen Front funktioniert. Ob wir jetzt die Offiziellen überzeugen können, ein Fahrzeug wie den Deltawing ins Reglement einzugliedern, wird sich zeigen", so Bowlby.

Die Fahrer waren ebenfalls begeistert vom Deltawing. Michael Krumm, einer der drei Piloten, pries im Gespräch das extrem gute Einlenkverhalten des Fahrzeugs: "Anfangs sind wir vorsichtig ins Rennen gestartet. Aber dann haben wir die Zurückhaltung fahrenlassen." Man könne es sich nicht vorstellen, wenn man den Wagen sieht, aber er ziehe sauber durch die Kurven. "Außerdem hat der Wagen durch den weit nach hinten gesetzten Schwerpunkt extrem viel Grip auf der Hinterachse - man kann ihn wunderbar mit dem Gaspedal lenken", so Krumm.

Auch das Bremsverhalten sei trotz der extrem dünnen Vorderreifen kein Problem, bestätigte der Deutsche. "Wir haben die Bremsbalance nach hinten austariert. Und bei Tests haben wir mit dem Deltawing Verzögerungswerte fast wie in der Formel 1 erzielt." Krumm glaubt, dass es an den Fahrern nicht scheitern würde, stünde der Deltawing als Konzept für eine Rennserie der Zukunft zur Diskussion: "Es macht wirklich großen Spaß, ihn zu fahren."

Ob der Deltawing eine Zukunft im Rennsport hat, wird sich zeigen. Auf jeden Fall hat Le Mans 2012 gezeigt: Der Mobilitätswandel, die Frage nach der Nachhaltigkeit, ist auch im Rennsport angekommen. Aber das führt nicht zu Verzicht. Sondern, das haben der Deltawing und die Hybridfahrzeuge eindrucksvoll bewiesen, zu mehr Speed und Spannung auf der Rennstrecke.



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dziwoki 17.06.2012
1. Super....
Schnell ein Kommentar bevor die "Veganer" kommen... Super-Rennen von Audi und auch Toyota Danke an Eurosport........
felisconcolor 17.06.2012
2. Glückwunsch
Zitat von sysopGetty ImagesBeim 24-Stunden-Rennen von Le Mans zeigte sich die Stärke neuer Antriebstechnik. Audi dominierte das Rennen mit seinen Hybridboliden. Zwei andere Teams, die mit neuen Fahrzeugkonzepten antraten, wurden zwar schon früh von der Strecke gekegelt. Doch das Thema Nachhaltigkeit ist im Rennsport angekommen. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,839349,00.html
den Gewinnern. Schade das Nissan so unglücklich ausscheiden musste. Hoffe sie bleiben auch in Zukunft dabei. Die Zeit ist reif für was richtig Neues. Und für alle anderen. DAS ist Sport. ok und nun zurück an eure Müslitöpfe ;-)
luzifer59 17.06.2012
3. eurosport
ein super le mans wochenende dank eurosport endlich mal ne tolle berichtersattung
KnoKo 17.06.2012
4.
Zitat von luzifer59ein super le mans wochenende dank eurosport endlich mal ne tolle berichtersattung
Yep, sehe ich genauso. War rund 18 Stunden live dabei und es hat richtig Spaß gemacht. Hätte RTL bei der F1 auch nur halb so kompetente Moderatoren, dann würde ich mir das Spektakel evtl. immer noch anschauen. Glückwunsch an Audi. Tolle Leistung (insbesondere von den Boxencrews). Schade, dass die Toyotas so früh raus waren und Porsche bei den GTs kein Land gesehen hat.
TS_Alien 17.06.2012
5. .
Da sind doch Mogelpackungen. Solche Autos haben mit einer Hybridtechnologie, wie sie im Alltag nützlich wären, nichts zu tun. Es gibt keinen rein elektrischen Antrieb, die Generatoren laden die Batterien nur beim Abbremsen, und die Batterien haben nur Saft für wenige Sekunden. Da könnte man auch Solarzellen aufs Dach packen, um damit irgendeine Birne im Cockpit anzutreiben, und dies dann Solarauto nennen. Audi wird diesen "Hybrid"-Auftritt werbetechnisch ausschlachten, um damit Laien weiterhin Autos für Mondpreise anbieten zu können.
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