Audi-Hybrid-Strategie: Mal Hybrid, mal Hott

Von Jürgen Pander

Audi Dual-Mode-Hybrid: Die drei aus dem Motorraum Fotos
Audi

Drei Hybridautos hat Audi aktuell im Angebot, keins kann so richtig überzeugen. Deswegen werkelt man in Ingolstadt an einem neuen Konzept - mal wieder. An guten Ideen mangelt es den Ingolstädtern nicht. Nur an der Umsetzung.

Den Hybridtrend verschlafen? Diesen Vorwurf lächeln Audi-Leute locker weg. Immerhin bauten die Ingolstädter bereits 1989 einen Hybridprototyp, aus dem 1997 das Serienmodell Audi Duo mit Diesel-Elektro-Antrieb wurde. Das Auto war damals ein Fehlschlag, keine hundert Exemplare wurden gebaut, Hauptgrund des Desinteresses bei den Kunden war wohl der Preis von rund 60.000 Mark.

Bis heute hat sich die Situation nicht grundlegend geändert. Aktuell hat Audi zwar drei Fahrzeugtypen mit Hybridantrieb im Angebot, den Allradler Q5 sowie die beiden frontgetriebenen Limousinen A8 und A6, doch das billigste Modell des Trios, der A6 Hybrid, kostet 53.300 Euro. Das Auto wird garantiert kein Massenphänomen.

Hat Audi das Ein-Liter-Auto in petto?

Immerhin versucht Audi, die Kosten in Grenzen zu halten, indem alle drei Fahrzeuge mit einem identischen Antriebsstrang ausgestattet sind, der aus einem Zwei-Liter-Vierzylinder-Benziner, einem in die Achtgang-Automatik integrierten Elektromotor und einer Lithium-Ionen-Batterie besteht. Die Systemleistung beträgt daher in jedem der Autos 245 PS, der Normverbrauch der drei Fahrzeuge liegt zwischen 6,2 und 6,9 Liter je 100 Kilometer. Zur grünen Vorhut der Industrie gehört Audi damit nicht. Das soll sich ändern.

Einer, der dazu beitragen soll, ist Günter Schiele, Chef der Entwicklungsabteilung Applikationen Powertrain bei Audi. Er arbeitet an einem ganz neuen Hybridkonzept. Und das ermöglicht laut seinen Aussagen ein "Fahrzeug, das etwa einen Liter Benzin auf 100 Kilometer braucht und 23 Gramm CO2 je Kilometer ausstößt". Und das bei einer Systemleistung von 177 PS, womit der Wagen, wie ein Audi-Mitarbeiter betont, "zwar umweltfreundlich ist, aber nicht spaßfrei".

Audis Ein-Liter-Auto ist ein Prototyp in Gestalt des Kleinwagens A1. Der Dreitürer fährt sich tadellos. Während einer knapp 25 Kilometer langen Probefahrt mit einem von insgesamt zehn Prototypen wirkt es so, als könne der Wagen im nächsten Jahr auf die Straße kommen. Doch das wird er nicht. Noch gibt es nicht einmal eine Entscheidung, ob die Technik überhaupt weiterverfolgt wird. Vor 2016, so heißt es bei Audi, werde das neue Dual-Mode-Hybridkonzept keinesfalls auf die Straße kommen.

Dreizylinder-Benziner plus zwei Elektro-Maschinen

Die Technik jedenfalls hätte eine Umsetzung in der Praxis verdient, denn sie vereint das Plug-in-Hybrid- mit dem Range-Extender-Konzept. Der Antriebsstrang besteht aus einem komplett neuen Dreizylinder-Benziner mit 1,5 Liter Hubraum, einer Leistung von 130 PS und, damit die Vibrationen bei geringen Drehzahlen im Rahmen blieben, einer Ausgleichswelle sowie einem Fliehkraftpendel; dazu kommt ein Elektromotor, der direkt mit dem Verbrenner verbunden ist und als Starter sowie als Generator dient. Dieser E-Motor entwickelt 68 PS.

Ausschließlich für den Vortrieb vorgesehen ist die zweite E-Maschine mit einer Leistung von 116 PS. Dann gibt es noch einen Lithium-Ionen-Akku mit einer Speicherkapazität von 17,4 Kilowattstunden, der etwa 90 Kilometer elektrische Reichweite gewährt sowie ein Ein-Gang-Getriebe, über das der Dreizylinder-Benziner samt E-Motor eins mit dem übrigen Antriebsstrang gekoppelt oder entkoppelt werden kann.

Der etwas umständlich titulierte A1 E-Tron Dual-Mode-Hybrid kann auf vielerlei Art vorwärts kommen. Bis Tempo 55 km/h und bei ausreichend Energie im Akku zum Beispiel rein elektrisch. Falls der Stromvorrat zu gering oder gar aufgebraucht ist, springt der Benziner an und produziert mittels des Generators (Elektromotor eins) Strom für die zweite E-Maschine. Zwischen 55 und 130 km/h fährt das Auto entweder mit der Kraft des Benziners oder mit der des E-Motors oder mit Hilfe beider Maschinen, je nachdem, was die Steuerelektronik als effizienteste Möglichkeit erachtet. Und bei mehr als 130 km/h ist der Benziner am Zug und wird bei Bedarf durch den kleineren der beiden E-Motoren unterstützt. Dass beim Bremsen Energie zurückgewonnen wird und bei jedem Stillstand der Verbrenner Pause hat, versteht sich von selbst.

Vom Elektroauto mit Zusatz-Wankelmotor ist keine Rede mehr

Der Antrieb überzeugt in seiner komplexen, auf maximale Effizienz ausgelegten Funktionsweise. Stutzig macht allerdings die Systemleistung von 177 PS. In einem Kleinwagen braucht kein Mensch so viel Wumms, und für ein Sparauto ist diese Leistung erst recht albern. Fragt man Audi nach dieser Diskrepanz, verschanzen sich die Verantwortlichen hinter den Kundenwünschen. Immerhin steige seit Jahren die durchschnittliche PS-Zahl von Neuwagen in Deutschland, wird argumentiert. Ernsthaft Spritsparen lässt sich mit so einer Einstellung - sowohl bei den Herstellern, als auch bei den Kunden - nicht.

Irgendwie drängt sich bei den Hybridanläufen der deutschen Hersteller immer wieder das Gefühl auf, dass sie Opfer ihres eigenen Anspruchs werden. Während Toyota mit einem eher pragmatischen Angang den Hybridvorsprung stetig ausbaut, suchen sie nach der aus Ingenieursperspektive perfekten Lösung - kommen aber oft nicht zum Ziel.

So bedeutet das jetzt präsentierte Dual-Mode-Hybrid nämlich wohl auch den Tod für das bisher von Audi gepriesene Hybridsystem. Das fährt in Form von zwanzig Prototypen namens A1 E-Tron im Rahmen des Regierungsprogramms "Schaufenster Elektromobilität" herum. Dabei handelt es sich um Autos, die von einem Elektromotor angetrieben werden und darüber hinaus einen Wankelmotor als Range-Extender an Bord haben, der auf längeren Strecken als Generator arbeitet und während der Fahrt die Batterien nachlädt.

Die Wahl ausgerechnet eines Wankelmotors als Range-Extender hatte einen gewissen Symbolwert: Das Wankeltriebwerk gilt in der Theorie als nahezu perfekt - aber in der Praxis schwer beherrschbar. Trotzdem klangen die Mitteilungen des Unternehmens zeitweise so verzückt, als wäre der Wankel-Extender das Ei des Kolumbus. Doch davon will jetzt niemand mehr etwas wissen, vor allem aus Wolfsburg soll es ein Veto gegeben haben. Auf einer Veranstaltung namens "Audi future lab mobility" in diesen Tagen in München war davon jedenfalls keine Rede mehr.

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insgesamt 108 Beiträge
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1. guter Artikel
ergoprox 08.10.2012
Guter Beitrag, insbesondere am Ende. Die deutschen Hersteller verzetteln sich total, stochern im Nebel herum und kommen einfach nicht zu akzeptablen Ergebnissen bei dem Thema. Die derzeitigen "Hybride" der sog. Premiumhersteller in D sind Feigenblättchen ohne Marktwirkung und ohne realen Kundennutzen, da die Aufpreise exorbitant sind und die Umsetzung immer noch unausgereift scheint. Wie groß war die Häme, als der letzte GS 450h von Lexus "nur" 380l Kofferaum hatte...der aktuelle hat 482l, der BMW 5er "Active"Hybrid hat jetzt die berühmten 350l Kofferaum...von Häme keine Spur, das ist "Stand der (deutschen) Technik".
2. Leistung
ergoprox 08.10.2012
bzgl. der Leistung muss man anscheinend so aufdrehen, da man sonst den Aufpreis von sicher mehr als 5T€ zu einem vergleichbaren konventionellen A1 nicht begründen könnte. Die sollten man bei Toyota nachschauen...ach nein, da ist ja BMW jetzt schon dran.
3. Das kann doch nicht so schwer sein?
chaps 08.10.2012
Mangels Angebot der deutschen Hersteller habe ich mir einen Honda Jazz Hybrid gekauft. Der kostete bei gleicher Ausstattung bei meinem Händler ca. 700€ mehr als der normale Jazz ohne Hybrid. Ein variables Auto, dass noch im Japan gefertigt wird, mit jeder Menge Platz und einem Verbrauch von 4,5 L Benzin auf 100KM. Das sollte Audi doch technologisch auch hinbekommen. Ich frage mich warum solche Konzepte von deutschen Herstellern nicht schon längst gebaut werden. Oder fehlt es tatsächlich an KnowHow?
4. Da hat aber fein abgeschaut...
JürgenKo 08.10.2012
beim Ampera! Und dann nicht vor 2016. Wie heißt es: Vorsprung durch Technik? Liebe Audi-Techniker: Kauft Euch doch einen Toyota Yaris Hybrid, dann sehr ihr, wie man einen ordentlichen und sparsamen Hybrid baut. Das ist Vorsprung durch (Hybrid-)Technik!
5. ein "Hybrid"
ctrlaltdel 08.10.2012
ist, wie der Name schon suggeriert, nix ganzes und nix halbes. Dann besser eine *richtige* Batterie einbauen und voll-elektrisch fahren. Dazu müsste man allerdings als erstes die bleischwere Karosserie mit all den unnützen Klimbim schrotten und was luftig-leichtes auf die Räder stellen. Aber zu sowas ist Audi wohl nicht (mehr) fähig.
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