Auf dem Highway 7a durch Vermont: Hügel ohne Hektik

Von

New York ist faszinierend - doch nach ein paar Tagen zehrt die Hektik der Metropole an den Nerven des Besuchers. Um den Puls zu beruhigen, gibt es kaum etwas Besseres als einen Ausflug nach Norden – zum Beispiel nach Vermont.

So faszinierend der Big Apple auch ist, nach einer Weile wird bei vielen Besuchern die Sehnsucht nach Ruhe und Entspannung so groß, dass eine kurze Auszeit im Central Park nicht mehr genügt. Einheimische flüchten dann nach Long Island oder auf die Hamptons. Touristen hingegen sollten sich einen Leihwagen mieten und entlang des Hudson Rivers nach Norden fahren. Denn die Neu-England-Staaten locken nicht nur im Herbst mit der Farbenpracht des Indian Summer, sondern ganzjährig mit Ruhe und Natur.

Besonders spürt man das in Vermont: Kaum so groß wie Belgien, ist Vermont einer der kleinsten US-Bundesstaaten und nach Wyoming auch jener mit den wenigsten Einwohnern. Die Beschaulichkeit ist allgegenwärtig, schon nach wenigen Kilometern fällt alle Hektik ab, bald weitet sich der Blick und irgendwann ist alles ringsum grün. Es passt, dass auf den Auto-Kennzeichen Vermont als "The Green Mountain State" genannt wird.

Als hätte die Schöpfung in der Neuen Welt den Schwarzwald kopiert, fährt man stundenlang durch eine sanfte Hügellandschaft, die in Hunderten von Grüntönen schimmert. Und wie Marienkäfer auf einem Blatt grüßen als Farbkleckse immer wieder rostrote Bauernhäuser, Ställe und mit Holz überschlagene Brücken den Reisenden.

Besonders gut lernt man Vermont auf dem historischen Highway 7a kennen, der sich von Bennington aus durch ein weites Tal eine gute Stunde lang nach Manchester schlängelt und alles bietet, was den 1609 besiedelten und 1777 gegründeten Staat ausmacht: Verschlafene Dörfer, romantische Flüsse und Seen, dichte Wälder, charmante Antiquitätenläden und immer wieder Straßenstände und Scheunen, in denen vor allem Ahornsirup verkauft wird.

Auto-Klassiker säumen den Straßenrand

Auch Autofans kommen bei dieser Tour auf ihre Kosten: In vielen Vorgärten stehen Young- und Oldtimer zum Verkauf, die Tankstellen strahlen den Charme der fünfziger Jahre aus, und manche Werkstatt lockt mit Klassikern zur Pause. Hier ein paar alte Porsche, dort ein rüstiger Saab oder Volvo, drei Meilen weiter ein Hof voller Muscle-Cars – so wird die Tour auf dem Highway 7a auch zu einer Reise durch die jüngere Automobilgeschichte. In konzentrierter Form gib es die in Bennington bei "Hemmings". Der Zeitschriftenverlag hat an seinem Stammsitz nicht nur eine kleine Autosammlung eingerichtet, sondern auch eine eigene Tankstelle, die eine Mischung aus PS-Basar und Benzin-Bar ist.

Von dort aus führt der Weg erst durch die Stadt und dann hinaus ins weite Grün. Während von links oben am Berg ein riesiger Obelisk an die Schlachten des Bürgerkriegs erinnert, rollt man durch sanfte Kurven auf einer schmalen Straße, die vor 250 Jahren nur ein Trampelpfad war. Zwar ist sie längst asphaltiert, und Schlaglöcher gibt es kaum. Aber dennoch ist hier ein großes, komfortables Auto ideal – etwa die in den USA gebaute Mercedes R-Klasse oder ein Chevrolet Suburban.

Die Rennpiste auf den Mount Equinox

Es gibt auf dem Highway 7a aber auch Passagen, die nach einem wendigen Roadster verlangen. Doch weil hinter jedem Baum der Sheriff lauern könnte, das Tempolimit streng und das Bußgelder hoch sind, fährt man auch hier mit einem lässigen Auto auf der sicheren Seite. Selbst den Weg hinauf zum Mount Equinox schafft ein Dickschiff problemlos. Die kurvenreiche Strecke gilt als längste mautpflichtige und asphaltierte Privatstraße in den USA und führt als knapp zehn Kilometer lange Panoramaroute zu einem 1175 Meter hohen Gipfel, von dem aus der grüne Waldteppich meilenweit überblickt werden kann.

Einmal im Jahr spielt auf der Strecke allerdings nicht die grandiose Natur die Hauptrolle. Dann machen die brüllenden Motoren von mehreren Dutzend Oldtimern der Stille ein brutales Ende, und die insgesamt 41 Kurven werden zum Parcours für den "Mount Equinox Hill Climb", dem nach "Pikes Peak" berühmtesten Bergrennen in den USA.

Geruhsam durchs Anglerparadies

Vom Mount Equinox sind es dann nur noch wenige romantische Meilen bis zum Ende des Highways nach Manchester. Die Strecke führt durch eine vornehme Parklandschaft mit luxuriösen weißen Villen und vorbei an zahllosen Seen und Teichen, die Vermont zum Lieblingsrevier der Angler machen. Mit der Industriemetropole in England hat das Städtchen bis auf den Namen jedoch nichts gemein.

Im Gegenteil: Als wäre es ein Freilichtmuseum, liegt Manchester beschaulich und auf Hochglanz poliert an der Kreuzung zweier Highways. Allerdings zeigen die schönsten Häuser keine Schätze vergangener Tage. Sondern in jedem zweiten Prachtbau lockt ein Factory-Outlet, die Stadt gilt als das Shopping-Paradies im Nordosten der USA. Hier zu bummeln und gelegentlich die Kreditkarte zu zücken, ist die beste Vorbereitung auf den Rückweg. Denn es wird Zeit, den Puls allmählich wieder auf Touren zu bringen und den Blick zu fokussieren: Bis New York sind es nur gut drei Stunden .

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Auto
Twitter | RSS
alles zum Thema Schöne Autorouten
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
Fotostrecke
Auf dem Highway 7a durch Vermont: Raus aus New York


Aktuelles zu