Gerichtsurteil zu Dieselauto VW-Fahrer erhält erstmals vollen Kaufpreis zurück

Vor dem Landgericht Augsburg siegte ein Dieselfahrer gegen Volkswagen. Der Konzern muss seinen manipulierten Diesel zurücknehmen - und erstmals den vollen Kaufpreis zurückzahlen.

Die VW-Zentrale in Wolfsburg (Symbolbild)
DPA

Die VW-Zentrale in Wolfsburg (Symbolbild)


29.907,66 Euro bekommt ein Dieselfahrer bei der Rückgabe seines manipulierten VW Golf TDI von Volkswagen - exakt den Betrag, den er vor sechs Jahren bezahlt hat, plus Zinsen. Das entschied das Landgericht Augsburg in einem Urteil. Der zuständige Richter ging von einem sittenwidrigen Verhalten des Herstellers aus, denn der Konzern habe mit der Täuschung der Kunden durch die manipulierten Abgasgrenzwerte Umsatz und Gewinn erzielen wollen.

Bisher hatten Gerichte, die im Sinne der Kläger entschieden, immer einen sogenannten Nutzungsausgleich vom Kaufpreis abgezogen. Diese Summe richtet sich nach der Zahl der gefahrenen Kilometer. Volkswagen kann gegen das Urteil allerdings Berufung einlegen.

Vor wenigen Wochen war erstmals Porsche von einem Gericht zur Rücknahme eines manipulierten Dieselautos verpflichtet worden. Die Klägerin soll nun von Porsche 59.000 Euro und Zinsen erhalten; diese Summe entspricht dem Kaufpreis abzüglich des Nutzungsausgleichs für den Gebrauch des Autos.

ene

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insgesamt 150 Beiträge
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syracusa 23.11.2018
1. Allgemeinheit wurde geschädigt
Das LG ignoriert bei seinem Urteil, dass die Autokäuferin selbst gar nicht geschädigt wurde, sondern die Allgemeinheit. Wenn sie nun keinen Nutzungsausgleich bezahlen muss, dann wird sie dadurch unberechtigt bereichert. Diese Bereicherung findet auf Kosten der geschädigten Allgemeinheit statt. Die Autokäuferin sollte also diesen Nutzungsausgleich an die Allgemeinheit, also den Staat auszahlen.
MisterD 23.11.2018
2. Ein Urteil, welches ohnehin wieder kassiert wird...
denn es ist schlicht nicht rechtens ein Fahrzeug 6 Jahre zu nutzen, Betrug hin oder her, und anschliessend den Kaufpreis komplett zurück zu fordern, ohne einen Nutzungsabschlag zu akzeptieren. Der Kunde kann das Fahrzeug bis zum heutigen Tag uneingeschränkt nutzen, Fahrverbote drohen bisher nirgendwo für die manipulierten EURO6 VW-Diesel. Dieser Aktionismus der Augsburger Richter schießt deutlich zu weit... der Kunde darf keinen Nachteil aus dem Betrug haben, aber eben auch keinen erheblichen Vorteil...
ptb29 23.11.2018
3. Da kennen sich wohl Richter und Kläger
In Bayern ja nichts Ungewöhnliches. Der Kontern wollte Umsatz und Gewinn erzielen, der Kunde billig tanken. Mit Umwelt hat dieses Urteil nichts zu tun.
gerhard_walter_kell 23.11.2018
4. Ein Hoffnungsschimmer
ist dieses Urteil. Und ein Beweis dafür, dass unsere Gerichte nicht einknicken vor der allmächtigen Auto - Industrie wie grosse Teile der Verantwortlichen in der Regierung.
chrismuc2011 23.11.2018
5.
#1: Sie wollen also Dobrind und seine CSU Konsorten dafür auch noch indirekt belohnen, dass sie der Autolobby sonstwohin kriechen? Ich finde, den vollen Kaufpreis plus Zinsen ohne Nutzungsausgleich etwas überzogen. Besser wäre es, wenn das Gericht den vollen Kaufpreis fordern würde plus eine Strafe, die der Hersteller an eine wohltätige Organisation bezahlen muss, die sich mit Lungenkranken befasst. Die DUH ist aber ganz sicher dabei von mir nicht gemeint. Alternativ könnten Firmen gefördert werden, die Automobilhersteller unabhängig sind und sich um Abgasreinigung für die Nachrüstung bemühen.
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