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Ausgebrannt und fahrtüchtig: Der Rolls, der durch die Hölle ging

Von Norman Gocke

Michael Fröhlich ist der Punk unter den Rolls-Royce-Fahrern. Seit sein Silver Shadow einem Feuer zum Opfer fiel, ist vom britischem Understatement nichts mehr übrig. Der Autofan fährt nun mit einem verkohlten Brandopfer durch Düsseldorf - und schockiert das Establishment.

Michael Fröhlich trägt Rückschläge mit Fassung. Bereits kurz nach dem kapitalen Brand seines Geschäftes "Fantastische Fahrzeuge" im Februar 2006 schmiedete der Mann, der einen Hotchkiss-Kampfpanzer für den Straßenverkehr zugelassen bekam und im Neandertal 50 Oldtimer der Natur überließ, neue Pläne, um Oldtimer-Originalos und Nietenzähler an den Rand des Nervenzusammenbruchs zu bringen. Die verkohlte Karosserie eines 1973er Rolls-Royce Silver Shadow I war noch nicht ganz abgekühlt, als der Hobby-Panzerfahrer dem britischen Brandopfer neue Reifen, Achsgummis und Scheiben verpasste. Der Lack platzte zwar unter der enormen Hitze im brennenden Showroom auf wie Akne conglobata, der Chrom war hinüber, und Emily ging auf dem Kühlergrill in die Knie, wie sie es sonst nur auf Fahrzeugen des königlichen Fuhrparks macht, aber ansonsten hatte das Qualitätsprodukt mit V8 den Düsseldorfer Backofen ganz gut überstanden.

Die Picknick-Fraktion vom Rolls-Royce Owners Club wittert Verrat am nationalen Heiligtum des Empires, wenn der Automobil-Konstrukteur und Oldtimer-Händler mit seiner entstellten Luxuslimousine über die Königsallee flaniert und der 6,7 Liter große Alu-V8 lautstark durch den abgerosteten Endpott ausatmet. Fröhlich, der nie im Leben einen Golf fahren würde, ist das egal.

Für den Rolls-Liebhaber mit dem Hang zum Morbiden zählen die inneren Werte. Das in Fetzen hängende Äußere des Oberklasse-Schlittens steht für die lockere Lebensart, sich nicht an Lackschäden und optischen Mängeln zu stören, solange der Wagen weiterhin die Annehmlichkeiten bietet, für die er einst konstruiert und gebaut wurde.

Hat man erst einmal die stabile Fahrertür hinter sich geschlossen und in den ledernen Salonsesseln Platz genommen, erscheinen Dinge wie Flugrost und Prestige-Verlust mehr als profan und unwichtig. Ein echter Genießer fährt das beste Auto der Welt aus Überzeugung täglich, ungeachtet des äußeren Zustandes oder des Wetters.

Dies bleibt den Sonntagsfahrern unter den Rolls-Royce-Eignern vorbehalten, die bei Sonnenschein mit dem Picknick-Korb zum Oldtimer-Treffen fahren, nach dem Einparken den Staub von der Spirit of Ecstasy wedeln und neidische Blicke des Fußvolks genießen, ehe sie sich montags wieder im Alltags-Golf zum Büro quälen.

Erst kürzlich bestand der Silver Shadow die erste TÜV-Prüfung nach dem verheerenden Feuer. Emily und der abgebrannte Brite werden also noch etwas länger über den Prachtboulevard der Modestadt promenieren, ganz ohne Show & Shine.

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Rolls-Royce: Burn, Emily burn


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