Verdacht auf Defekt: Australische Regierung untersucht tödlichen Unfall mit VW Golf

VW Golf in einer Produktionshalle in Wolfsburg: Australien prüft Sicherheitsbedenken Zur Großansicht
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VW Golf in einer Produktionshalle in Wolfsburg: Australien prüft Sicherheitsbedenken

In Australien untersuchen die Behörden einen tödlichen Autounfall mit einem VW Golf. Das Verkehrsministerium will feststellen, ob bei Fahrzeugen des deutschen Herstellers Sicherheitsmängel auftreten.

Sydney - Ein tödlicher Autounfall aus dem Jahr 2011 beschäftigt das australische Verkehrsministerium. Damals rammte auf einer Autobahn in Melbourne ein Lastwagen den VW Golf einer Frau, woraufhin sie die Kontrolle über ihr Fahrzeug verlor und in einen Begrenzungszaun krachte. Die 32-Jährige erlag später ihren Verletzungen. Laut Zeugenaussagen war das Auto der Frau vor dem Aufprall plötzlich langsamer geworden. Das Verkehrsministerium wolle nun herausfinden, ob es grundsätzliche Sicherheitsbedenken gegen Fahrzeuge von Volkswagen gebe, hieß es am Freitag in einer Mitteilung.

Die Ergebnisse der Untersuchung sollen an die Verbraucherschutzbehörde weitergeleitet werden, die Rückrufe von Autos anordnen kann. Ein VW-Sprecher sagte, die genaue Ursache für den Unfall sei noch nicht bekannt. Es sei aber bereits klar, dass der Wagen kein Doppelkupplungsgetriebe (DSG) hatte.

"Der Unfall hat nichts mit der DSG-Problematik zu tun", sagte der Sprecher. Bei dem Modell der tödlich verunglückten Frau handelte es sich nach Angaben australischer Medien um einen VW Golf GTI mit manuellem Getriebe und Benzinmotor.

Keine Rückrufaktion geplant

VW hatte Anfang Mai in Japan 91.000 Autos wegen möglicher Probleme mit dem Direktschaltgetriebe in die Werkstätten gerufen. Dabei war als Grund das tropisch-feuchte Klima in Verbindung mit dem extremen Stop-and-go-Verkehr in den dortigen Metropolen genannt worden. In China hatte Volkswagen vor kurzem sogar fast 400.000 Fahrzeuge in Werkstätten beordert. Auch dort war das Getriebeproblem der Grund.

Ein Volkswagen-Sprecher sagte SPIEGEL ONLINE, derzeit sei keine Rückrufaktion in Australien vorgesehen. "Wir werden den Unfall analysieren. Sollten wir einen Defekt feststellen, werden wir daraus Konsequenzen ziehen", sagte der Sprecher. Momentan gebe es jedoch keinen Hinweis darauf, dass ein technischer Mangel zu dem Unfall geführt habe.

Mehrere Beschwerden australischer VW-Kunden

Nachdem bekannt geworden war, dass ein Gerichtsmediziner den Unfall von 2011 untersucht, hatten sich mehrere Autofahrer an lokale Radiostationen und Zeitungen in Australien gewandt und über einen plötzlichen Leistungsabfall bei ihren Wagen von Volkswagen berichtet. Ein VW-Sprecher sagte australischen Medien, es gebe keine Anzeichen dafür, dass dieses Problem häufig vorkomme. Er forderte Kunden jedoch auf, ihre Autos zu VW-Händlern zu bringen, falls sie einen Mangel feststellen.

Volkswagen Australien bestätigte dem Medienhaus "News Limited", dass einige Exemplare älterer Dieselfahrzeuge nun in Werkstätten untersucht und repariert wurden. Bei den Autos sei die Einspritzanlage ausgetauscht worden, um zu verhindern, dass sich bei den Wagen plötzlich der Notlauf-Betrieb einschaltet. Dabei macht ein System das Fahrzeug automatisch langsamer, wenn es einen Motorfehler feststellt. Bevor dem Wagen Leistung entzogen wird, wird der Fahrer durch Kontrolllampen gewarnt.

cst/Reuters

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insgesamt 112 Beiträge
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1. Merkwürdig
Sotho 31.05.2013
Warum geschieht so ein Unfall gerade einer Frau? Ich habe noch nie davon gehört, dass es beim Golf einen Konstruktionsfehler gibt, der zu diesem Unfallbild passt. Ich habe aber schon öfters, sehr oft, Frauen erlebt, die genau diese Fahrweise an den Tag legen. Ohne jede Grund langsamer werden. Teilweise bis fast zum Stillstand. Die angebliche Multitaskingfähigkeit der Frauen ist ein Märchen. Wie es zu dem Unfall kam, weiß ich nicht. Aber an einen technischen Defekt glaube ich nicht.
2. Nach Toyota nun VW
rehabilitant 31.05.2013
Nachdem sich die 'Probleme' mit Toyota-Fahrzeugen als fahrerisches Unvermögen der Fahrzeuglenker herausgestellt hatten, wird nun eine neuer Anlauf unternommen, den Hersteller, diesmal halt VW, für Unfälle verantwortlich zu machen. Wer hat daran wohl Interesse?
3.
üpoiu 31.05.2013
Zitat von SothoWarum geschieht so ein Unfall gerade einer Frau? Ich habe noch nie davon gehört, dass es beim Golf einen Konstruktionsfehler gibt, der zu diesem Unfallbild passt. Ich habe aber schon öfters, sehr oft, Frauen erlebt, die genau diese Fahrweise an den Tag legen. Ohne jede Grund langsamer werden. Teilweise bis fast zum Stillstand. Die angebliche Multitaskingfähigkeit der Frauen ist ein Märchen. Wie es zu dem Unfall kam, weiß ich nicht. Aber an einen technischen Defekt glaube ich nicht.
1. Sie wissen nichts aber glauben NICHT an einen technischen Defekt. 2. Sie haben noch nie von einem Konstruktionsfehler gehört, also kann es das nicht gewesen sein. 3. Sie haben schon öfter erlebt, dass eine Frau einfach langsamer geworden ist, also muss es an der Frau liegen. Ich kann Ihnen dazu nur sagen, dass ich bei der Qualität der Autos aus dem Hause VW alles für möglich halte und nichts ausschließen kann. Ich habe erlebt, dass sich beim Golf II beim Auffahren auf die Autobahn der Gaszug einfach ausgehängt hat. So sehr ich mich auch manches mal über unsere weiblichen Verkehrsteilnehmer aufrege, verallgemeinerungen mag ich nicht und das was Sie schreiben ist gerade in Hinblick auf den Ausgang dieses Unfalls unter aller Sau.
4. Bedienung
Sabi 31.05.2013
Statt Bedienungsfehler zu gestehen, ist es einfacher auf den Hersteller zu zeigen, wenn dazu noch war rausspringen kann! Wie auch damals bei Toyota.
5. Sicherheitsabstand
Zorpheus 31.05.2013
Eigentlich muss ja jeder genug Sicherheitsabstand haben, sodass er bremsen kann wenn der Vordermann vom Gas geht. In Deutschland ist vorgschrieben, dass man den Abstand so groß lassen muss, dass man bei einer plötzlichen Vollbremsung des Vordermanns noch rechtzeitig zum stehen kommt. "Halber Tacho" sollte dafür reichen. Schuldig am Unfall war also auf jeden Fall der LKW-Fahrer. Wieso also überhaupt die Diskussion über VWs?
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