Ausverkauf im Saab-Museum: Ruhe in Schweden

Saab-Ausverkauf: Alles muss raus Fotos

Trauriges Ende einer Marke: Am Montag werden alle 123 Meilensteine der Saab-Geschichte aus dem Museum und den Depots des insolventen schwedischen Autobauers in Trollhättan verkauft. Echte Fans kennen jetzt nur ein Gebot: Auf zur Bank - und dann nach Schweden.

Saab ist pleite. Und jetzt werden die Überreste der Marke, die 1937 als Flugzeughersteller gegründet wurde, verramscht. Dazu gehören auch 123 Autos, die bislang im Saab-Museum in Trollhättan ausgestellt waren, oder in den dazugehörigen Depots lagerten. Es sind natürlich nicht irgendwelche Saab-Typen, sondern besondere Modelle. Etwa das allererste Auto der Firma, der pausbäckige, 1946 entstandene Ur-Saab, der mangels eines eigenen Motors noch von einem DKW-Zweizylinder-Zweitakter angetrieben wurde. Oder die jeweils ersten und letzten Modelle einer Baureihe. Oder Autos von prominenten Saab-Fahrern und natürlich die Rallye-Modelle.

Saab nämlich reüssierte in den frühen sechziger Jahren auf Europas Rallyepisten. Das lag neben den zuverlässigen Autos vor allem an Erik Carlsson, der als bester Rallyefahrer seiner Zeit galt und zudem als Erfinder des Linksbremsens: der linke Fuß tritt das Bremspedal, der rechte bleibt auf dem Gas stehen. Unter anderem aufgrund dieser Technik gewann er in den Jahren 1962 und 1963 mit einem Saab 96 die legendäre Rallye Monte Carlo.

Auch diese Autos kommen jetzt unter den Hammer. Zwei Formel-Junior-Rennwagen in blau-gelber Lackierung ebenso wie der kantige Elektro-Minibus Elbils von 1976. Mit der Zwangsversteigerung wird die weltweit größte Saab-Sammlung wohl in alle Winde zerstreut. Zwar gibt es eine Gruppierung von Saab-Fans im Internet (www.saabsunited.com), die angeblich für mehrere Fahrzeuge ein Sammelgebot abgeben möchte, doch wer schließlich den Zuschlag für die Fahrzeuge erhält, ist noch offen. Im Zweifel wird sich Insolvenzverwalter Guy Lofalk wohl für die lukrativsten Gebote entscheiden. Doch mit Geld ist der Verlust dieser Marke und vor allem der hinreißenden Autos, die sie prägten, ohnehin nicht auszugleichen.

jüp

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insgesamt 30 Beiträge
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1.
spiegel-hai 20.01.2012
Zitat von sysopTrauriges Ende einer Marke: Am Montag werden alle 123*Meilensteine der Saab-Geschichte aus dem Museum und den Depots des insolventen schwedischen Autobauers in Trollhättan verkauft. Echte Fans kennen jetzt nur ein Gebot: Auf zur Bank - und dann nach Schweden. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,810388,00.html
ein Jammer. Sowohl um die Marke als auch ein wunderschönes Museum.
2. Sind das nicht auch schützenswerte Kulturgüter?
martinherwartz 20.01.2012
Zitat von spiegel-haiein Jammer. Sowohl um die Marke als auch ein wunderschönes Museum.
Wirklich ein Jammer. Aber gibt es nicht auch in Schweden einen Denkmalschutz, der so einen Ausverkauf unterbinden könnte?
3. Ich habe das..
lynx2 20.01.2012
Zitat von spiegel-haiein Jammer. Sowohl um die Marke als auch ein wunderschönes Museum.
.. Museum 1998 besucht und habe es in guter Erinnerung (natürlich Fotos gemacht). Ich bin selbst Saab-Fan und-Fahrer (900 Classic Cabrio und 9-3/1) und finde es jammerschade. Eher machen sie wo eine Fabrik zu, aber das Museum bleibt bestehen. So ist das bei den meisten Industrieprodukten. Hier wird kaltschnäuzig alles verhökert. Wenn es wenigstens ein reicher Sammler und Saab-Fan als Ganzes übernehmen würde, wäre es besser, als wenn Oldtimerspekulanten den schnellen Reibach machen.
4. Bestimmt nicht ...
mitch72 20.01.2012
Zitat von martinherwartzWirklich ein Jammer. Aber gibt es nicht auch in Schweden einen Denkmalschutz, der so einen Ausverkauf unterbinden könnte?
... in diesem Falle, da GM ja ein amerikanisches Unternehmen ist und nun entsprechend seine Gelder reinholen moechte. Wirklich schade.
5. its a shame
beeblebrox_42 20.01.2012
Ich bin zwar kein Saab Fan und finde dass die Firma während ihres Bestehens kein einziges schönes Auto produziert hat - Aber ein Museum dieser Art zu zerpflücken ist so ziemlich das kulturloseste was ich mir vorstellen kann. Als europäisches Kulturgut sollte sowas besonderen Schutz geniessen. So werden die Fahrzeuge künftig in den Privatgaragen von VIPs, Fussballern und Bankern verstauben. Das geht halt in die Richtung wo alles derzeit hinstrebt...
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