Auto-Design für Hollywood: Prinzessin, Eure Laserkutsche wartet

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Science Fiction für die Straße: Für einen Wettbewerb der Los Angeles Autoshow halfen Top-Designer der Branche in Hollywood aus und entwarfen Filmkarossen der Zukunft: einen Hightech-Gaul, einen Luxusschlitten für Prinzessinnen und einen kletternden Kleinwagen.

Los Angeles Design Challenge: Einfach mal herumspinnen Fotos

George Barris kennt sie noch, die guten alten Zeiten des Filmbusiness. "Wenn die Hollywood-Bosse früher ein Filmauto brauchten, hatten wir freie Hand", sagt der Karosseriebauer. Barris gilt seit dem Bau des ersten Batmobils als Wagenmeister der Traumfabrik und sieht sich selbst gern als King of Kustomizers. "Die Studioleiter wollten einfach nur ein bisschen Bumm und Bang!"

Im Zeitalter von Bluebox und Animationsfilm hat sich das drastisch verändert. "Heute kommen die Filmautos aus dem Computer", klagt die Hollywood-Legende. Jetzt liefert sogar die Autoindustrie selbst frischen Input aus dem Rechner: Für den Designwettbewerb zur Los Angeles Autoshow haben eine Handvoll Kreativstudios in Kalifornien ein halbes Dutzend Filmautos von Übermorgen eingereicht, von denen eines abgedrehter aussieht als das andere. Und damit man überhaupt kapiert, was es mit dem Honda Intelligent Horse, der futuristischen Luxuskutsche von Maybach oder dem Stratus Sprinter von Hyundai auf sich hat, liefern sie die Filmdrehbücher gleich mit.

Das intelligente Pferd von Honda beispielsweise spielt die wichtigste Nebenrolle in einer Neu-Auflage des Western-Klassikers "High Noon". Darin geht es um den letzten Tropfen Sprit auf Erden. Damit der so lange wie möglich Energie liefert, ist der rollende Hightech-Gaul in Leichtbauweise konstruiert und mit einem auf maximale Effizienz programmierten Computerhirn ausgestattet. Außerdem verfügt das Vieh über einen elektrischen Antrieb, damit das Benzin möglichst lange hält.

Vampir-Jägerin mit Lichtwaffen

In der Welt des Subaru Horizon hingegen ist der letzte Tropfen Sprit längst verbrannt. Daher ist ein spezielles Fahr- und Fluggerät nötig, um geheimnisvolle, energiegeladene Kristalle zu besorgen. Auch die Designer von Hyundai haben in ihrer Kindheit offenbar viele Science-Fiction-Romane gelesen. Nur so jedenfalls lässt sich die Geschichte der Gräfin von Siberia erklären, die in den Raumschiffen Stratus Sprinter und Atlant Airship um die Welt jettet, um sie von den Nachwehen des Kommunismus zu befreien - wobei sie mit Lichtwaffen kämpft. Weil Fräulein Siberia von Vampiren abstammt, sind ihre Filmfahrzeuge bei Tage unsichtbar und materialisieren sich nur in der Dunkelheit.

Fast bodenständig wirken dagegen die Visionen der Mercedes-Designer, die sich gleich mit drei Entwürfen am Wettbewerb beteiligen. Im kalifornischen Studio in Carlsbad entstanden nach Vorbildern aus den fünfziger Jahren zwei Silberpfeil-Updates, mit dem zwei zum Leben erwachte und ziemlich frustrierte Crashtest-Dummies ihren Kampf gegen den bösen Dr. Barriere und seine fiesen Unfallsimulationen aufnehmen. Natürlich gelingt es den gewitzten Crashfiguren Hans05 und Franz02, die Autos mit den elektromagnetischen Antriebsrädern und der multidirektionalen Allradsteuerung zu retten, bevor sie bei einem Test zerschellen.

Smart entwarf ein Auto für die Reporterin Anni Angle. Das fahrende, fliegende und auch mal an Hauswänden hinaufkletternde Modell namens "Parkours" verhilft der Filmjournalistin zur Story ihres Lebens. Und die Interieurspezialisten der schwäbischen Autobauer haben die Märchen der Gebrüder Grimm neu gelesen: Sie haben einem futuristischen Aschenputtel eine Luxuskutsche von Maybach gebaut, mit der sie sich auch im neuen Jahrtausend sehen lassen kann.

Hinter den verdunkelten Glasscheiben kann sich die Bald-Prinzessin mit modernster Infotainment-Technologie vergnügen, in Fahrt kommt die Luxuskutsche per Elektroantrieb oder Brennstoffzelle. Einen Chauffeur hat das Ding auch - der ist allerdings virtuell und sitzt im Maybach Virtual Chauffeur Center, in dem Satellitensignale einlaufen und den Wagen dirigieren. So kann sich Cinderella ganz ihrem Prinzen widmen, der sich mit ihr in den Loungesesseln lümmelt und 3-D-Laserprojektionen alter Märchenfilme anschaut. Oder so ähnlich.

Gegen die Studien des Designwettbewerbs wirken die Autos von Hollywood-Haudegen George Barris jedenfalls so spektakulär wie die erste Folge der "Raumpatrouille Orion" im Vergleich zur "Transformers"-Reihe. Doch Barris' Filmfahrzeuge haben einen entscheidenden Vorteil: Während die Entwürfe der Autodesigner auf wandhohe Plakate gedruckt sind, hat es sein Batmobil 1966 für die erste Batman-TV-Serie nicht nur ins Fernsehen geschafft, sondern auch auf die Straße. Denn fast alle verrückten Filmfahrzeuge aus seiner Werkstatt können tatsächlich fahren.

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