Auto-Legende: Strich-Achter legt 4,6 Millionen Kilometer zurück

115 Erdumrundungen oder sechsmal zum Mond und zurück - diese Rekordstrecke schaffte ein wackerer Mercedes 240 D während seines automobilen Lebens. Seinem griechischen Besitzer diente er als Taxi und über 800-mal als Medikamententransporter nach Belgrad während des Balkan-Konflikts.

Mercedes-Benz 240 D: Ein Taxi dieses Typs erreichte die gigantische Kilometerleistung von 4,6 Millionen

Mercedes-Benz 240 D: Ein Taxi dieses Typs erreichte die gigantische Kilometerleistung von 4,6 Millionen

Stuttgart - Sechsmal zum Mond und zurück - das schafft man normalerweise nicht einmal mit einer anständigen Mondrakete. Wer wissen will, wie das ein Auto schafft, kann sich an den Taxifahrer Gregorios Sachinides wenden. Der Grieche aus der Stadt Thessaloniki erreichte mit seinem fast 30 Jahre alten Mercedes-Benz 240 D einen Kilometerstand von sage und schreibe 4,6 Millionen Kilometer. Das entspricht 115 Erdumrundungen und ist laut DaimlerChrysler die höchste bekannte Kilometerleistung eines Mercedes.

Zum Dank übergibt der Taxifahrer das Gefährt am Freitag dem Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart, wo es künftig gepflegt, gehegt und bewundert werden kann. "Dieses Auto hat alles gesehen, und es hat mir in der Seele wehgetan, den Wagen aufzugeben - kein Wunder, nach all den Jahren", sagt der 45 Jahre alte Sachinides der Nachrichtenagentur AP.

1981 hatte er den Wagen mit Baujahr 1976 in Waiblingen bei Stuttgart ergattert - mit dem Ziel, in der nordgriechischen Stadt Thessaloniki Taxifahrer zu werden. Bereits damals zeigte der Kilometerzähler des Autos, das auch unter der Bezeichnung Strich-Achter bekannt ist, 500.000 Kilometer an.

Ein Peugeot ist einfach günstiger

Abgesehen von den zahllosen Fahrgästen, die Sachinides in und um Thessaloniki herumfuhr, ging es auch mit dem Auto in den Urlaub oder zu Besuch nach Berlin, wo der Bruder des Taxifahrers wohnt. Außerdem gelangte der Mercedes nach Bulgarien, in die Schweiz und wiederholte Male nach Stuttgart.

Besonders stolz aber ist Sachinides auf den Einsatz seines Gefährts während des Balkan-Konflikts. "Über 800-mal sind wir Anfang der neunziger Jahre mit Medikamenten bepackt nach Belgrad gefahren", erinnert er sich. Auf sein blau-weißes Auto in der Lackierung der nordgriechischen Taxis war dabei immer Verlass.

Als er den Wagen im vergangenen Jahr schweren Herzens ausmusterte, wandte sich Sachinides mit einem Brief an Mercedes-Chef Jürgen Hubbert, um sich für die herausragenden Dienste seines Fahrzeugs zu bedanken. Daraufhin besuchten Vertreter des Mercedes-Benz-Museums in Stuttgart-Untertürkheim den Griechen, der sein Fahrzeug schließlich der DaimlerChrysler AG schenkte.

Dreimal wechselte der Grieche den Motor, das Gefährt blieb ihm treu. Dennoch ist er nun auf Peugeot umgestiegen. "Ich habe es auch den Herren vom Mercedes-Benz-Museum erklärt: Ich habe ein Ferienhaus außerhalb Thessalonikis gekauft und deshalb nicht mehr so viel Geld übrig. Da war der Peugeot einfach günstiger", bedauert er.

Von Alexia Angelopoulou, AP

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