Billigwagen auf dem Auto-Salon Die Sparbüchse von Genf

VW kommt bei der Entwicklung eines Billigautos nur schwer voran. Der Konzern präsentiert auf dem Auto-Salon in Genf lieber einen zwei Millionen Euro teuren Luxusschlitten. Suzuki dagegen macht vor, wie man ein Weltauto baut.

Suzuki

Aus Genf berichtet


Ein paar hundert Menschen sind gekommen, mehr nicht. Aus Lautsprecherboxen tönt dröhnende Musik. Noch wenige Sekunden, dann schwebt das weiße Tuch Richtung Decke, es wird enthüllen, was die Konturen bereits erahnen lassen: einen nagelneuen Kleinwagen von Suzuki, den Celerio.

Auf dem Auto-Salon in Genf tritt der japanische Hersteller vor bescheidener Kulisse auf. Dabei präsentiert er ein Modell, das den vielversprechenden Titel "Weltauto" trägt.

Es bedient ein Segment, in dem Größen wie VW bisher scheiterten: das der günstigen Wagen, auch Budget-Car genannt. Autos, mit denen Familien in Indien, Afrika oder Malaysia erstmals den Umstieg vom Zweirad in den sichereren Pkw schaffen.

Toshihiro Suzuki, Vizechef von Suzuki, tritt bei der Europapremiere des Celerio in Genf auf die Bühne, ein schmaler Japaner mit angegrauten Haaren, randloser Brille und dunkelblauem Anzug. Suzuki spricht Englisch, seine Rede folgt der Melodie einer Fahrzeugproduktion: Er stanzt, hämmert, presst die Wörter aus dem Mund. Der Auftritt klingt nach Qual. Viel Platz habe der Celerio, 254 Liter Kofferraum und niedrige CO2-Emissionen, sagt Suzuki zu Beginn. Dann fallen Begrifflichkeiten wie "preiswert" und "einfach zu fahren". Der in autovernarrten Nationen wie Deutschland immer wieder beschworene "Fahrspaß"? Erwähnt Suzuki ganz zum Schluss.

Jedes fünfte Auto wird ein Budget-Auto sein

Bei einem Budget-Auto zählen andere Werte. Es muss schlechte Straßen meistern, Rempler wegstecken, weit unter 10.000 Dollar kosten, und es darf dabei die Umwelt nicht verpesten. Der Autozulieferer Continental geht davon aus, dass bis 2015 rund 20 Prozent der weltweit produzierten Autos Fahrzeuge wie der Celerio sind. Damit gehört der 3,60-Meter lange Suzuki - global betrachtet - zu den wichtigsten Autos des Genfer Salons.

Auch VW will an dem Boom partizipieren. Doch der Hersteller fällt in Genf vor allem mit einem mehr als zwei Millionen Euro teuren Auto der Konzerntochter Bugatti auf.

Die Entwicklung des Budget-Autos kommt dagegen nur schleppend voran. Volkswagen plant einen Kleinwagen zum Preis von 6000 bis 8000 Euro, er soll in China vom Band laufen. Es werde aber immer schwieriger, die internen Kostenvorgaben für das Fahrzeug einzuhalten, sagte der Entwicklungsvorstand der Marke, Heinz-Jakob Neußer, der Nachrichtenagentur Reuters. "Es macht keinen Sinn, ein Fahrzeug scharf zu schalten, das nicht unseren Zielen entspricht." Seit mehr als einem Jahr versuchen die Ingenieure, die dazu notwendigen Kostenziele zu erfüllen, erklärte Neußer.

Suzuki gehört dagegen zu den Spezialisten,wenn es darum geht, mit billigen Autos Geld zu verdienen. Die Japaner bauen zwei Drittel ihrer Fahrzeuge in Übersee, meist in preiswerten Schwellenländern wie Indien oder Thailand. Mit ihrer Marke Maruti führen sie in Indien die Hitliste der Neuwagenverkäufe unangefochten an, auch die Versuche des dort beheimateten Großindustriellen Tata, mit dem Kleinwagen Nano anzugreifen, konnten Suzuki nichts anhaben.

Renault machte mit Dacia einen Glücksgriff

Kein Wunder, dass Suzukis Kostendisziplin der Konkurrenz nicht verborgen blieb. Vor fast fünf Jahren erwarb Volkswagen knapp 20 Prozent an dem japanischen Autobauer. Mit Hilfe des Kleinwagenspezialisten wollten die Wolfsburger das Billigsegment aufrollen. Doch die Zusammenarbeit scheiterte, die Kooperation liegt auf Eis.

Auch Renault ging für die Suche nach einem Billigableger auf Einkaufstour und übernahm 1999 den rumänischen Autobauer Dacia komplett. Ein Glücksfall, wie sich herausstellte. Von zuletzt gut 2,6 Millionen verkauften Fahrzeugen steuert die Dacia-Baureihe über eine Million Autos bei.

Wie hoch die Marge bei den Modellen der Tochter liegt, gibt der französische Autobauer nicht preis. Doch, so wird in der Branche kolportiert, fällt der Gewinn pro Fahrzeug höher aus als bei so manchem Premium-Modell. Hohe Synergien zwischen den einzelnen Modellen garantieren geringe Entwicklungs- und Herstellungskosten. So besitzen der Familienvan Lodgy und der Kastenwagen Dokker dieselbe Front. Navigationssystem, Radio, Klimaanlage, Lenkrad, Schalthebel sind für alle Dacia-Modelle gleich.

Während die Besucher in Genf am Suzuki-Stand noch die Kleinwagen betrachten, liefert das Unternehmen in Indien die ersten Celerio aus. Ab 376.400 Rupien kostet der Wagen dort, umgerechnet etwa 4500 Euro. Wenn er Ende des Jahres nach Europa kommt, dürfte er mit sechs Airbags, elektronischem Stabilitätsprogramm und Berganfahrhilfe zumindest unter 10.000 Euro liegen.



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insgesamt 56 Beiträge
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Seite 1
raber 05.03.2014
1. Budget-Autos als Massenware
Deutsche Autohersteller scheinen sich darauf zu konzentrieren immer mehr PS in ihre Autos zu packen und es mit sonstigen Spielereien zu ergänzen. Amerikaner sind nicht gerade innovationshungrig auf diesem Sektor und die Asiaten machen es vor wo die Zukunft der Massenautos liegen wird. AUfgepasst, sonst wird hier in 10 Jahren auch die Musik nicht mehr in Deutschland gespielt.
curti 05.03.2014
2. VW handelt......
Zitat von sysopSuzuki VW kommt bei der Entwicklung eines Billigautos nicht voran. Der Konzern präsentiert auf dem Auto-Salon in Genf lieber einen zwei Millionen Euro teuren Luxusschlitten. Suzuki dagegen macht vor, wie man ein Weltauto baut. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/auto-salon-genf-suzukis-billigauto-celerio-zeigt-es-vw-a-956991.html
.......zwar ökologisch verwerflich, systemisch aber folgerichtig. Insoweit entspricht es der Verlagerung der Kaufkraft auf wenige die viel haben und viele die kaum noch was haben, für die also auch der Autokauf zunehmend flach fällt. Und die wenigen die viel haben kaufen sich nicht ein "mickriges" Auto für viele, die dieses nicht bezahlen können. Und da VW vom Verkauf lebt, richtet man seine Produktpalette entsprechend aus, zjmal sich an den dicken Kisten besonders gut verdienen läßt.
vitalik 05.03.2014
3. Wegwerf
Zitat von raberDeutsche Autohersteller scheinen sich darauf zu konzentrieren immer mehr PS in ihre Autos zu packen und es mit sonstigen Spielereien zu ergänzen. Amerikaner sind nicht gerade innovationshungrig auf diesem Sektor und die Asiaten machen es vor wo die Zukunft der Massenautos liegen wird. AUfgepasst, sonst wird hier in 10 Jahren auch die Musik nicht mehr in Deutschland gespielt.
Ach, so sieht für Sie die Zukunft der Autos aus? Nachdem man nun alle 2 Jahre eine neues Smartphone bekommt, will man das Gleiche bei den Fahrzeugen durchsetzen. Klar, warum sollte man so ein Auto länger als 5 Jahre behalten? Man kauft sich einfach ein Neues und das Alte landet in der Presse. Was soll man auch mit Nachhaltigkeit? Übrigens, die kleine Gurke kostet unter 10.000 Euro? Da nehme ich doch lieber ein Dacia und habe mehr Platz für das gleiche Geld oder gar billiger.
thomasschöffel 05.03.2014
4. Theorie und Praxis
Hatten wir vor vielen Jahren nicht mal einen gewissen VW Lupo oder so ? Das sog. 3-Liter-Auto. Alle inklusive der Medien haben es gelobt. Nur gekauft hat es keiner. In der Theorie ist ein sparsamer Kleinwagen ewas tolles. In der Praxis fahren wir aber alle lieber unsere SUVs, Porsches oder wenigstens etwas Sportliches.
tapier 05.03.2014
5. Lasst doch etwas weg
" sechs Airbags, elektronischem Stabilitätsprogramm und Berganfahrhilfe" Braucht kein Mensch, und schon wird es noch billiger. Eher noch ein parr gescheite Sitze rein
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