"Autoposer" Verkehrsministerium verbietet Soundgeneratoren

Die Nachbarn mit Autolärm aus dem Bett bollern? Damit soll jetzt Schluss sein. Das Verkehrsministerium hat die Nachrüstung von Soundgeneratoren verboten.

Lamborghini von Ex-Fußballer Tim Wiese auf einer Verwahrstelle (Archivfoto)
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Lamborghini von Ex-Fußballer Tim Wiese auf einer Verwahrstelle (Archivfoto)

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Ein Auto, lauter als ein startender Düsenjet oder sattes Achtzylindergrummeln statt magerem Dieselsound - alles kein Problem dank Soundgeneratoren. Solche Geräte sorgen für jede Menge Lärm - ohne, dass sich Verbrauch oder Abgasverhalten der Fahrzeuge ändern. Was den Besitzern gefällt, wird für Mithörer schnell unerträglich.

Damit soll nun Schluss sein: Das Bundesverkehrsministerium untersagte die Nachrüstung von Soundgeneratoren. Eine Zulassung dieser Bauteile ist nun unmöglich, ausgenommen sind nur akustische Warnsysteme von E-Autos.

In der Vergangenheit gab es immer wieder Ärger mit lärmenden Fahrzeugen. So hatte beispielsweise die Mannheimer Polizei bei einem sichergestellten Auto 138 Dezibel gemessen - ein startendes Flugzeug schafft dagegen "nur" 115 Dezibel.

Der Lärm entsteht in einem sogenannten Soundaktor. Dieses Bauteil sitzt am Endrohr, ein integrierter Lautsprecher erzeugt die gewünschte Klangkulisse. Dafür berechnet ein spezielles Steuergerät, welche Frequenzbereiche überdeckt oder verstärkt werden sollen. Komplette Bausätze mit Geräuscherzeuger und den nötigen Zubehörteilen kosten rund 1000 Euro.

Auch Einschränkungen für Klappenauspuffe

Es gibt jedoch auch Autos, die serienmäßig über Soundgeneratoren oder einen Klappenauspuff verfügen. Bisher konnte bei solchen Systemen noch eine andere Steuerung nachgerüstet werden, um das Auto in bestimmten Fahrmodi, beispielsweise "Sport" oder "Race" deutlich lauter zu machen.

Eine Lautstärkemessung bei einem mutmaßlichen Autoposer
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Eine Lautstärkemessung bei einem mutmaßlichen Autoposer

Bei solchen Auspuffanlagen öffnet sich ab einer gewissen Drehzahl, Last oder in bestimmten Fahrmodi eine Klappe im Auspuff. Die Abgase werden dann am schallgedämpften Teil des Auspuffes vorbei oder durch ein voluminöseres Rohr geleitet, diese Umleitung sorgt für mehr Lärm und einen volleren Klang.

Doch auch diese Möglichkeit der akustischen Angeberei wurde nun stark eingeschränkt. Umbauten an der Steuerung ab Werk verbauter Systeme sind nur noch erlaubt, wenn der Wagen danach in allen vorhandenen Fahrmodi, Gängen und Drehzahlbereichen nicht lauter ist als in dem Fahrmodus, der für die Typgenehmigung verwendet wurde, erklärte ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums. Die Grenzwerte bei Pkw gibt die EU vor, erlaubt sind derzeit maximal 75 Dezibel bei einer Leistung von 200 Kilowatt (272 PS) pro Tonne Fahrzeugmasse. Bei höherer Leistung und einem höheren Fahrzeuggewicht sind auch mehr Dezibel erlaubt, bei weniger Leistung gelten natürlich strengere Grenzwerte. Gemessen wird einmal, während das Auto mit konstanter Geschwindigkeit vorbeifährt, aber auch eine Beschleunigungsfahrt, bei der die Pkw auf einer 20 Meter langen Teststrecke aus Tempo 50 voll beschleunigen.

Polizei erwischte auch prominente "Autoposer"

Der Hamburger Sonderkommission "Autoposer" ging im Dezember 2017 auch ein prominenter Täter ins Netz: Ex-Nationaltorhüter Tim Wiese. Sein weißer Lamborghini Aventador war deutlich zu laut, eine Messung ergab 139 Dezibel statt der erlaubten 88. Möglich war das den Ermittlungen zufolge durch den Klappenauspuff des Lamborghini, der mit einer nachgerüsteten Fernbedienung steuerbar war.

Mehrere deutsche Großstädte haben mittlerweile spezielle Strategien im Kampf gegen zu laute Autos. Ihren Ursprung haben diese Einheiten in Mannheim, dort wuchs der Ärger der Anwohner über die getunten Autos, weshalb Stadt und Polizei seit 2016 mit gezielten Kontrollen gegen die sogenannten "Autoposer" vorgehen. Auf die Halter zu lauter Autos kommen durch das Abschleppen, nötige Gutachten und den Rückbau Kosten von mindestens 1000 Euro zu. Fahrer, die an mindestens zwei Tagen lärmend auffielen, bekamen als Warnung eine Gelbe Karte mit der Aufschrift "Stop Posing" zugeschickt.

Der Lärm solcher Autos kann vor allem Anwohner krank machen: So sind Schätzungen zufolge allein in Deutschland jährlich 4000 Herzinfarkte nur auf den Straßenverkehrslärm zurückzuführen. Berechnungen der WHO ergaben, dass lärmbedingte Gesundheitsschäden die Europäer jedes Jahr mehr als eine Million gesunde Lebensjahre kosten. Das Gehör ist bereits ab 80 Dezibel gefährdet, ab einem Lärmpegel von 85 Dezibel muss am Arbeitsplatz Gehörschutz getragen werden.

Video: Kölner Fahrrad-Cops vs. getunte Autos mit lautstark pöbelnden Fahrern

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Anm. d. Red.: Ursprünglich hieß es im Text, ab einem Lärmpegel von 85 Dezibel müsse am Arbeitsplatz Gehörschutz vorhanden sein, tatsächlich muss er jedoch ab einer Belastung von 85 Dezibel getragen werden. Dieser Fehler wurde korrigiert.



insgesamt 69 Beiträge
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Seite 1
MartinHa 29.05.2018
1. War das tatsächlich bisher erlaubt?
War das tatsächlich bisher erlaubt? Kann ich mir kaum vorstellen.
pulverkurt 29.05.2018
2. Wie bescheuert muss man eigentlich sein...
... seine Karre mit solch einem überflüssigen Mist auszustatten?
zweibeiner 29.05.2018
3. Richtig so !
Gute Entscheidung !
Trollfrühstücker 29.05.2018
4. Lächerlich
Ich wußte gar nicht, dass es so etwas gibt. Bislang wußte ich nur, dass es Leute gibt, die sich nicht zu schade sind, so etwas zu kaufen. Übrigens, wieso dürfen manche Leute ab Werk schon viel lauter sein als andere? Einer unserer Nachbarn hat so einen – ebenfalls lächerlichen – Mercedes SUV mit Monstermotor, das Ding sieht aus wie ein Panzer und klingt auch so. Wenn er abends nach hause kommt weiß die Nachbarschaft bescheid, wenn er morgens zur Arbeit fährt auch. Wieso ist das erlaubt?
monolithos 29.05.2018
5. Ein guter Anfang!
Ja! Richtig so! Aber schade, dass die Autoposer nicht gleich alle verpflichtend zur MPU müssen.
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