A40-Experiment Erfolg für die Vollsperrung

Es war ein Wagnis: Nordrhein-Westfalen machte eine der wichtigsten Autobahnen für drei Monate komplett dicht, um die Wartungsarbeiten zu verkürzen. Experten befürchteten den totalen Verkehrsinfarkt. Doch das Experiment gelang - und könnte Schule machen.

Fahrbahnmarkierung an der A40: Ab Montag soll der Verkehr wieder rollen
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Fahrbahnmarkierung an der A40: Ab Montag soll der Verkehr wieder rollen

Von , Düsseldorf


Es gibt diesen Aufkleber, in Nordrhein-Westfalen sieht man ihn häufig an den Heckpartien älterer Autos. "A40", ist dann dort zu lesen, "woanders is auch Scheiße." Die Autobahn 40, auch Ruhrschnellweg genannt, die mitten durchs Revier führt, ist eine der Hauptverkehrsadern im Westen. Bis zu 100.000 Autofahrer sind hier täglich unterwegs. Eine Vollsperrung dieser Strecke führe zum Verkehrsinfarkt, fürchteten viele.

Trotzdem hat der Landesbetrieb Straßenbau (Straßen.NRW) die Route zwischen dem Autobahndreieck Essen-Ost und der Anschlussstelle Essen-Zentrum drei Monate lang wegen Wartungsarbeiten geschlossen. "Das ist besser als eine ewige Baustelle", sagte NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) zum Start des Modellprojekts. Er behielt Recht. Auf den Umleitungsstrecken blieben die vorhergesagten Mega-Staus aus.

Das nordrhein-westfälische Verkehrsministerium führt den Erfolg der 20-Millionen-Euro-Aktion darauf zurück, genügend Alternativrouten angeboten zu haben. Der Verkehr wurde zum einen weiträumig über die Autobahnen 3, 42, 43 und 52, zum anderen im Nahbereich über eine Strecke durch das Essener Stadtgebiet geleitet. Dort stellte man 260 zusätzliche Schilder auf und schaltete die Ampeln so, dass sie die Karawane nur möglichst selten aufhielten.

Auch der Wissenschaftler Michael Schreckenberg, der an der Universität Duisburg-Essen die Physik von Transport und Verkehr lehrt, hält es für entscheidend, "dass es entsprechende Ausweichmöglichkeiten" gegeben habe. "Sie brauchen Parallelstrecken, über die sie die Autos führen können", sagt er. Das sei nicht überall gegeben, weshalb man von Fall zu Fall entscheiden müsse, ob eine Vollsperrung sinnvoll sei. Hinzu komme bei der A40-Schließung, dass die Menschen stark auf die Berichterstattung in den Medien reagiert hätten. "Man bekam fast den Eindruck, da fuhr gar keiner mehr entlang."

Das Modell könnte Schule machen

Mit dem Vorgehen hatte sich Nordrhein-Westfalen auf infrastrukturelles Neuland gewagt. "So ein Projekt hat es bundesweit noch nicht gegeben", so Bernhard Löchter vom Landesbetrieb Straßenbau. Bisher wurden bei Bauarbeiten viel befahrene Abschnitte nur teilgesperrt, um wenigstens ein Nadelöhr offen zu lassen. In Essen aber machte man ganze Sachen. Das Kalkül: Die Arbeiten sollten dadurch keine zwei Jahre, sondern nur drei Monate dauern. Das spare 5,5 Millionen Euro, hieß es.

Es sei besser, "die Baustelle ins Büro zu verlagern, dann werden die Bauarbeiten später günstiger", sagte NRW-Verkehrsminister Groschek. Gleichzeitig warnte er davor, das Essener Projekt 1:1 auf andere Vorhaben zu übertragen. "Alle Voraussetzungen müssen stimmen. Hier hat es gepasst." Die Erfahrungen mit dem Pilotprojekt will Groschek Anfang Oktober seinen Amtskollegen aus Bund und Ländern vorstellen.

"Die Verkehrsqualität hat kaum gelitten", teilte der Geschäftsführer von Straßen.NRW, Ralf Pagenkopf, mit. Zwar sei der Betrieb auf der Autobahn 52 um 50 Prozent und auf der Autobahn 42 um elf Prozent gestiegen, die Geschwindigkeit habe sich jedoch auf der A52 nur um 20 Prozent und auf der A42 um drei Prozent verringert. Auch der Professor für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen, Ferdinand Dudenhöffer, der die Planung zuvor "stümperhaft und verantwortungslos" genannt hatte, räumte nun ein, dass es "perfekt gelaufen" sei. "Das hat so niemand erwartet", sagte er.

Ab Sonntagnachmittag soll der Verkehr auf der A40 in Richtung Bochum wieder fließen. Bis spätestens Montagmorgen um 5 Uhr werden dann beide Fahrspuren des Ruhrschnellwegs wieder freigegeben. Stauforscher Schreckenberg rechnet allerdings damit, dass die A40 relativ schnell wieder so verstopft sein wird wie vor der Sperrung. "Die Menschen sind bequem", sagte er. Sie wollten nicht länger als unbedingt nötig Umwege in Kauf nehmen. Demnächst ist auf dem Ruhrschnellweg wieder Schritttempo angesagt.



insgesamt 45 Beiträge
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Seite 1
frubi 28.09.2012
1. .
Zitat von sysopDPAEs war ein Wagnis: Nordrhein-Westfalen machte eine der wichtigsten Autobahnen für drei Monate komplett dicht, um die Wartungsarbeiten zu verkürzen. Experten befürchteten den totalen Verkehrsinfarkt. Doch das Experiment gelang - und könnte Schule machen. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/autobahn-a40-vollsperrung-wird-aufgehoben-a-858583.html
Das werden die Politiker aber wieder schnell verwerfen. Es kann doch nicht sein, dass auf deutschen Autobahnen schnell, effizient und gut gearbeitet wird. Sowas kann ein Politiker in Deutschland nicht unterstützen. Damit generiert man doch kein Wachstum.
unglaublichaberwahr 28.09.2012
2. Dudenhöfer
Auch der Professor für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen, Ferdinand Dudenhöffer, der die Planung zuvor "stümperhaft und verantwortungslos" genannt hatte, räumte nun ein, dass es "perfekt gelaufen" sei. "Das hat so niemand erwartet", sagte er. Was hat der schon je richtig kommentiert ? Der Mann geht mir schon seit Jahren gewaltig auf den Senkel.
markster 28.09.2012
3.
Darin zeigt sich doch, dass wir viele die angeblich so unglaublich wichtigen Autobahnkilometer in Wirklichkeit gar nicht brauchen. Was passiert, wenn sie nicht da sind? Gar nix. Schönes Argumentationsmaterial GEGEN immer neue Betonschneisen durch die Landschaft.
Mertrager 28.09.2012
4. Lautsprecher
Ja, Dudenhöffer ist ein nerviger Lautsprecher und meist sind seine Botschaften an das Volk nicht erkennbar substantiiert. Aber er hat eine gute Resonanz bei der Presse, die ihm gerne eine breite Bühne gibt.
Übungsleiter 28.09.2012
5.
Außer Herrn Dudenhöffer hat wohl jeder damit gerechnet, dass es klappt. Das sollten die Verantwortlichen öfter wagen. Und vielleicht auch Zuschläge für Nachtarbeit genehmigen, dann geht es noch schneller. In Holland, wo Ausweichstrecken nicht vorhanden sind und wo die Autobahnen regelmäßig dicht sind, wird nachts gearbeitet und meistens nur auf einem Teilstück, das dann am Wochenende vollgesperrt wird. In Sachen Baustellenabwicklung kann sich Deutschland eine dicke Scheibe abschneiden.
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