Autobranche Die größten Profiteure der Abwrackprämie

Massenhersteller profitieren derzeit am stärksten von der Abwrackprämie: VW sicherte sich bislang den größten Teil der Neuwagenverkäufe, der krisengeschüttelte Autobauer Opel erreichte im ersten Quartal ein Absatzplus von 60 Prozent. Aber auch die ausländische Konkurrenz meldet Rekordabsätze.


Leipzig - Europas größter Autohersteller Volkswagen ist der größte Profiteur der deutschen Abwrackprämie, wie das zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) am Freitag in Eschborn bestätigte. Knapp 27 Prozent der Anträge auf den Bonus für die Verschrottung eines Altautos beim Kauf eines Neuwagens entfallen auf die VW-Marken Volkswagen, Skoda, Seat oder Audi.

2500 Euro Prämie: Etwa jeder vierte Nutzer der Abwrackprämie hat sich bislang für den Kauf eines VW-Modells entschieden
DPA

2500 Euro Prämie: Etwa jeder vierte Nutzer der Abwrackprämie hat sich bislang für den Kauf eines VW-Modells entschieden

Den zweitgrößten Anteil der Anträgen nehme der angeschlagene Autobauer Opel mit rund zehn Prozent ein. Platz drei belegt demnach die französische Renault-Gruppe auch mit den Marken Nissan und Dacia mit einem Anteil von knapp 9,6 Prozent.

Auf den Plätzen vier und fünf landeten der südkoreanische Hersteller Hyundai mit 7,79 Prozent, gefolgt von Ford mit 7,75 Prozent.

Weniger stark von der Prämie profitieren konnten demnach die beiden Luxuswagen-Hersteller BMW und Daimler, wie aus der Statistik des Bafa hervorgeht.

So entfielen knapp 2,4 Prozent der Anträge auf Daimler und 1,2 Prozent auf BMW. Knapp zwei Monate nach seiner Einführung wurde der Verschrottungsbonus von 2500 Euro bislang knapp 360.000 Mal beantragt.

Opel meldet Absatzplus von 60 Prozent

Vor allem für den um seine Zukunft bangenden Autohersteller Opel ist die Abwrackprämie hochwillkommen. Bundesweit habe Opel im ersten Quartal auch dank der Abwrackprämie 120.000 Fahrzeuge abgesetzt, sagte der neue Opel-Vertriebschef Michael Klaus am Freitag auf der Leipziger Automesse AMI. Dies sei das stärkste erste Quartal seit zehn Jahren.

Auch die Pkw-Importeure rechnen für die ersten drei Monate mit einem zweistelligen Zulassungsplus. Die seit Februar wirkende staatliche Verschrottungsprämie werde das 14-prozentige Verkaufsminus zu Jahresbeginn wettmachen, teilte der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) am Freitag zu Beginn der Automesse AMI in Leipzig mit.

Rekord bei Toyota, Sonderschichten bei Ford

Toyota hat zum Beispiel mit einem Plus von 64 Prozent in Deutschland nach eigener Darstellung im Februar das beste Verkaufsergebnis seit zehn Jahre eingefahren. "Auch der März verspricht ein Rekordmonat zu werden: Wir rechnen mit rund 17.000 Neuzulassungen für diesen Zeitraum", sagte Toyota-Deutschlandchef Alain Uyttenhoven.

Ford fährt im Kölner Fiesta-Werk im März und April Sonderschichten. 3360 Wagen sollen in diesem Zeitraum zusätzlich vom Band laufen. Mitte März habe Ford bereits 87.000 Auftragseingänge für Pkw verbucht, sagte Deutschlandchef Bernhard Mattes. Das entspreche einem Anstieg um mehr als 84 Prozent oder 39.500 Einheiten zum Vorjahr.

Premiumhersteller zu Rabatten gezwungen

Während sich die Massenhersteller die Hände reiben, sind Hersteller von Premiumautos wie Daimler und BMW nach einer Untersuchung des Automobilexperten Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg zu immer höheren Preisabschlägen gezwungen, um ihre Luxusautos loszuwerden.

"Die Abwrackprämie hat damit im Monat März den Rabattwettbewerb nochmals verstärkt", schrieb Dudenhöffer in einer Kurzstudie.

Das Bundesamt machte unterdessen erneut darauf aufmerksam, dass ab Montag ein neues Antragsverfahren gilt. Die Prämie gibt es künftig nur noch nach einer Vorreservierung im Internet.

Neues Antragsverfahren: Vorreservierung im Internet nötig

Für die Vorreservierung muss der Bürger lediglich eine Kopie des rechtsgültigen Kaufvertrags vorlegen, um sich eine Prämie zu sichern. Die übrigen Unterlagen können dann innerhalb von sechs Monaten nachgereicht werden. Direkt zum Reservierungsformular geht es unter der Internet-Adresse www.ump.bafa.de. Die Funktion soll am Montag um 8.00 Uhr freigeschaltet werden.

Der Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) muss unterdessen wegen der weiter steilen Talfahrt am amerikanischen Automarkt seinen Sanierungsplan einem Medienbericht zufolge nochmals überarbeiten. GM werde die dritte Version des Rettungskonzepts Anfang nächster Woche veröffentlichen, berichtete die "Financial Times".

Am Dienstag läuft die von der US-Regierung gesetzte Frist für GM und den Rivalen Chrysler ab, bis zu der beide Autobauer für neue Milliardenhilfen ihre Überlebensfähigkeit beweisen müssen. GM erhielt schon 13,4 Milliarden Dollar und verlangt weitere rund 16,6 Milliarden Dollar (12,3 Milliarden Euro). Sonst drohe rasch die Pleite. Auch Opel will von der Bundesregierung finanzielle Unterstützung. Bundeskanzlerin Merkel (CDU) hat eine Entscheidung auch vom Sanierungskonzept des GM-Konzerns abhängig gemacht.

mm/dpa/AP/Reuters



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