Von Jürgen Pander
"Dies ist kein Buch über Autos." So lautet der erste Satz des Essays von Stephen Bayley, mit dem das Buch "Cars. Freiheit, Stil, Sex, Power, Bewegung, Farbe" beginnt. Die Begriffsreihe des Untertitels stammt aus Tom Wolfes Text "Das bonbonfarbene tangerinrot-gespritzte Stromlinienbaby", und genau so unorthodox nähert sich das Buch dem Automobil. Denn, so schreibt Bayley: "Mein Thema ist ein weit weniger greifbares - die Kunst."
Die Begründung klingt ein wenig verschroben und vielleicht auch etwas zu schwärmerisch, doch sie ist der Schlüssel zu den folgenden mehr als 350 Seiten. Bayley: "Sogar in einer so hierarchisch und klar strukturierten Branche wie der Automobilindustrie sind die wirklich großen Automobile Produkte des kreativen Geistes - anders, respektlos, verflucht - und keineswegs Erzeugnisse eines wissenschaftlich geprägten Managementstrebens." Diese bestimmte Art von Autos, fährt der Autor fort, sei neben der Popmusik und den modernen Medien "der einzige Beitrag unserer Zeit zur Kulturgeschichte".
Es folgt ein kenntnis- und pointenreicher Streifzug durch die Geschichte des Automobildesigns, der in einen Abgesang mündet. Das große Zeitalter des Automobildesigns sei vorüber, resümiert Bayley. "Cadillac ist so gut wie hinüber, Citroën importiert japanische Autos und versieht sie mit André Citroëns idiosynkratischem Doppelwinkel, Ferrari ist eine vulgäre Parodie seiner selbst geworden." Der Unterschied zwischen Produktdesign und Automobildesign existiere nicht mehr, postuliert Bayley. Es gab diesen Unterschied jedoch einmal.
Zum Beweis folgt auf die furiose Einführung ein grandioser Bilderbogen wirklich einzigartiger Automobile der vergangenen rund hundert Jahre. Mit kurzen Texten zu jedem Auto - sämtliche Modelle wurden von Tif Hunter speziell für das Buch fotografiert -, einer großen Seitenansicht und mehreren Detailfotos werden die Modelle auf je vier Seiten präsentiert. Es macht Spaß, einfach zu gucken, zu vergleichen und ein paar neue Dinge über scheinbar vertraute Fahrzeuge zu lernen. Gentlemen, open your books!
Stephen Bayley: "Cars", Delius Klasing Verlag, 384 Seiten, im Schuber, 75 Euro.
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