Autodesign-Bildband "Cars": Blättern, schwelgen, träumen

Von Jürgen Pander

Rund drei Kilo wiegt das blechfarbene Buch, in dem der Autojournalist Stephen Bayley 86 Autos aus den Jahren 1908 bis 2003 versammelt hat. Die Wagen sind vor allem stilistisch herausragend - der gewichtige Band ist eine Fundgrube für Ästheten.

Autodesign-Bildband "Cars": Schönheit aus vergangener Zeit Fotos
Tif Hunter Photography

"Dies ist kein Buch über Autos." So lautet der erste Satz des Essays von Stephen Bayley, mit dem das Buch "Cars. Freiheit, Stil, Sex, Power, Bewegung, Farbe" beginnt. Die Begriffsreihe des Untertitels stammt aus Tom Wolfes Text "Das bonbonfarbene tangerinrot-gespritzte Stromlinienbaby", und genau so unorthodox nähert sich das Buch dem Automobil. Denn, so schreibt Bayley: "Mein Thema ist ein weit weniger greifbares - die Kunst."

Die Begründung klingt ein wenig verschroben und vielleicht auch etwas zu schwärmerisch, doch sie ist der Schlüssel zu den folgenden mehr als 350 Seiten. Bayley: "Sogar in einer so hierarchisch und klar strukturierten Branche wie der Automobilindustrie sind die wirklich großen Automobile Produkte des kreativen Geistes - anders, respektlos, verflucht - und keineswegs Erzeugnisse eines wissenschaftlich geprägten Managementstrebens." Diese bestimmte Art von Autos, fährt der Autor fort, sei neben der Popmusik und den modernen Medien "der einzige Beitrag unserer Zeit zur Kulturgeschichte".

Es folgt ein kenntnis- und pointenreicher Streifzug durch die Geschichte des Automobildesigns, der in einen Abgesang mündet. Das große Zeitalter des Automobildesigns sei vorüber, resümiert Bayley. "Cadillac ist so gut wie hinüber, Citroën importiert japanische Autos und versieht sie mit André Citroëns idiosynkratischem Doppelwinkel, Ferrari ist eine vulgäre Parodie seiner selbst geworden." Der Unterschied zwischen Produktdesign und Automobildesign existiere nicht mehr, postuliert Bayley. Es gab diesen Unterschied jedoch einmal.

Zum Beweis folgt auf die furiose Einführung ein grandioser Bilderbogen wirklich einzigartiger Automobile der vergangenen rund hundert Jahre. Mit kurzen Texten zu jedem Auto - sämtliche Modelle wurden von Tif Hunter speziell für das Buch fotografiert -, einer großen Seitenansicht und mehreren Detailfotos werden die Modelle auf je vier Seiten präsentiert. Es macht Spaß, einfach zu gucken, zu vergleichen und ein paar neue Dinge über scheinbar vertraute Fahrzeuge zu lernen. Gentlemen, open your books!

Stephen Bayley: "Cars", Delius Klasing Verlag, 384 Seiten, im Schuber, 75 Euro.

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insgesamt 4 Beiträge
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1. voll daneben
harry hagedorn 13.12.2009
Die Häßlichkeit der Autos auf den 14 Photos wird nur noch von der Ignoranz der Kommentare übertroffen. Was haben diese Autos mit Kunst und gelungenem Design zu tun? Fiat Multipla, mein Gott! Lancia Flavia Zagato, 1961, würg! Und der Chevrolet Bel Air,Baujahr 1957, trägt auch noch moderne 5-Speichen-Felgen! Voll daneben, Leute! Für mich ist der VW-Käfer, Baujahr 1964, einer der besten Beweise dafür, daß es gelungene Design-Entwürfe auch für wenig Geld in der Großserie gibt. Man kann ihn sich von allen Seiten und aus allen Perspektiven ansehen, er ist rundum gelungen. Natürlich ist der Käfer kein Glamourauto wie z. B. ein Auburn Boattail Speedster, aber die in dieser Photoserie gezeigten Wagen deklassiert er um Längen. Ich wünsche allen einen schönen 3. Advent!
2. naja
DJ Doena 13.12.2009
Also viele der Autos finde ich nicht sehr schön (euphemistisch ausgedrückt), sie sind halt ein Kind ihrer Zeit. Der Multipla sticht hingegen noch mal heraus: Der ist ja mal absolut hässlich. Gefallen tun mir lediglich der 57er Chevi wegen seiner Flossen und der 61er BMW wegen seiner Schlichtheit.
3. spart euch den Kauf!
scientist-on-hartz4 13.12.2009
Zitat von sysopRund drei Kilo wiegt das blechfarbene Buch, in dem der Autojournalist Stephen Bayley 86 Autos aus den Jahren 1908 bis 2003 versammelt hat. Die Wagen sind vor allem stilistisch herausragend - der gewichtige Band ist eine Fundgrube für Ästheten. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,666516,00.html
Das Buch ist sein teures Geld nicht wert. Lieblose Schwarz-Weiss Fotografien von historischen Autos, die teilweise nicht mal mehr auf Originalfelgen daherkommen. Es gibt deutlich bessere Werke, sowohl was die technische Entwicklung angeht (z.B. das im VDI Verlag erschinenene Buch 100 Jahre Automobil v. 1989) als auch bezüglich des Karrosseriedesigns. Wer z.B. eine Übersicht über die zwischen 1945 und 1975 erschienenen Autos aller Welt haben möchte, dem empfehle ich das zweibändige Werk "Nachkriegswagen" von Roger Gloor (sicher noch im Antiquariat zu haben). Aber was SPON hier von Stephen Bailey vorstellt ist nur überflüssig bedrucktes Papier.
4. na super...
Sphynx 13.12.2009
Zitat von scientist-on-hartz4Das Buch ist sein teures Geld nicht wert. Lieblose Schwarz-Weiss Fotografien von historischen Autos, die teilweise nicht mal mehr auf Originalfelgen daherkommen. Es gibt deutlich bessere Werke, sowohl was die technische Entwicklung angeht (z.B. das im VDI Verlag erschinenene Buch 100 Jahre Automobil v. 1989) als auch bezüglich des Karrosseriedesigns. Wer z.B. eine Übersicht über die zwischen 1945 und 1975 erschienenen Autos aller Welt haben möchte, dem empfehle ich das zweibändige Werk "Nachkriegswagen" von Roger Gloor (sicher noch im Antiquariat zu haben). Aber was SPON hier von Stephen Bailey vorstellt ist nur überflüssig bedrucktes Papier.
Evtl. sollte sich der Autor des Buchs auch mal Gedanken machen, ob es gut aussieht, die Autos auf einen komplett weißen Hintergrund zu setzen und einen Schatten drunter zu "shoppen", wenn die Reflektion im Lack einen Straßenzug oder einen Acker zeigt... Wirkt irgendwie wenig professionell.
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