Tief "Xavier" So können sich Autofahrer bei Wind und Sturm schützen

Das Sturmtief "Xavier" hat mehrere Menschen das Leben gekostet - fast alle starben im Auto. Wie man sich unterwegs bei extremer Witterung verhalten sollte.

Regen auf einer Landstraße
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Regen auf einer Landstraße


Im Sturmtief "Xavier" sind in Deutschland mindestens sieben Menschen ums Leben gekommen. Die meisten Opfer starben im Auto, weil sie durch umstürzenden Bäumen oder herabfallenden Ästen getötet wurden. Die Betroffenen waren sowohl in der Stadt als auch außerhalb von Ortschaften unterwegs. Ein Lkw-Fahrer in Mecklenburg-Vorpommern erlitt tödliche Kopfverletzungen, nachdem ein abgeknickter Baum sein Führerhaus völlig zerstört hatte.

Wie kann ich mich als Autofahrer gegen ein solches Unglück schützen?

"Im Prinzip ist das Auto ein sicherer Rückzugsort bei Unwetter, beispielsweise bei Gewitter", sagt ein ADAC-Sprecher dem SPIEGEL. Kommt es zu extremen Wetterlagen wie beim Sturmtief "Xavier", empfiehlt es sich jedoch erst gar nicht in den Pkw zu steigen. Herabstürzende Äste oder umkippende Bäume sind für Autofahrer deshalb so gefährlich, weil sie - anders als beispielsweise bei einem Überschlag - die Fahrzeugkarosserie punktuell extrem belasten. "Je nach Gewicht des Baumstammes haben die Insassen kaum eine Überlebenschance", so der ADAC-Sprecher.

Was sollte man tun, wenn man auf der Fahrt von einem Sturm überrascht wird?

Der ADAC gibt dazu folgende Tipps:

  • Langsam fahren. Wird das Auto durch eine Böe erfasst, kann der Fahrer bei niedrigem Tempo einfacher gegenlenken und das Fahrzeug unter Kontrolle behalten.
  • Auf Brücken und in Waldschneisen auf Windsäcke oder Hinweisschilder achten. Dort ist die Gefahr besonders groß, von Böen erfasst zu werden.
  • Vorsicht beim Überholen von Lkw und Bussen. Bewegt sich das Auto aus dem Windschatten der großen Fahrzeuge heraus, wird das eigene Auto nach dem Überholvorgang voll vom Seitenwind erfasst.
  • Dachboxen oder Träger bei stärkerem Wind abmontieren. Denn diese verstärken nur die Wirkung des Sturms.
  • Bei Wohnmobilen, Gespannen, Bussen und Lkw besonders aufpassen. Diese können im schlimmsten Fall sogar umkippen, weil sie bei Seitenwind mehr Fläche bieten. Für Autofahrer heißt das: Mehr Abstand halten und Vorsicht beim Überholen.
  • Strecken mit vielen Bäumen meiden.

Übernimmt die Versicherung Sturmschäden am Fahrzeug?

Kommt es durch einen Sturm zu einem Schaden, springt in der Regel die Teilkaskoversicherung ein. Versichert ist allerdings nur der Zeitwert des Wagens, nicht der Neuwert. Wichtig: Ohne Rücksprache mit der Versicherung sollten Halter die Schäden nicht vorschnell beseitigen. Die Versicherung muss immer die Möglichkeit haben, den Schaden durch eigene Gutachter bestimmen zu lassen, heißt es beim Bund der Versicherten (BdV).

Eventuell muss die Meldung bei der Versicherung mit Angaben des Wetteramts ergänzt werden, heißt es beim ADAC : "Grund: Zum Zeitpunkt der Beschädigung muss der Wind mindestens Stärke 8 gehabt haben." Bei einem durch Sturm bewirkten Fahrfehler kommt nur die Vollkasko für den Schaden auf - vorausgesetzt, es liegt keine grobe Fahrlässigkeit vor.

Einen Anspruch gegen Hausbesitzer von umgestürzten Bäumen oder Baufirmen haben Autofahrer nur dann, wenn diesen eine Verletzung der Verkehrssicherungspflicht vorgeworfen werden kann.

dpa/mhu

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insgesamt 11 Beiträge
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wo_st 06.10.2017
1. Fahrschule
Eigentlich lernt man das richtige Verhalten schon in der Fahrschule, aber der Mensch braucht eine, seine Erfahrung im richtigen Leben. Meine Lernkurve war mit nur wenigen echten Rückschlägen gesät.
rainerwäscher 06.10.2017
2.
Dank dieses Artikels weiß ich jetzt, wie ich mich als Autofahrer bei Sturm verhalten muss: aufpassen und nochmals aufpassen. Danke für den Tip.
rennflosse 06.10.2017
3. Unterwegs
Das Auto ist gegen einen umstürzenden Baum oder schweren Ast kein sicherer Rückzugsort. Leider ist man außerhalb des Autos dem Baum noch schutzloser ausgeliefert als im Auto, wird außerdem nass und kann sich mangels ausreichendem Fellbewuchses auch erkälten. Einen Königsweg gibt es wohl nicht. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste und es ist immer gut, nicht zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Mit anderen Worten: Glück muss man haben. In diesem Sinne unfallfreie Heimfahrt und schönes Wochenende.
jujo 06.10.2017
4. ...
Was wird den Leuten denn heute beigebracht? Alle angeführten Punkte waren vor 50 Jahren als ich Führerschein machte teil des theoretischen Unterrichts! Das war in einer Kleinstadt (Schleiden) in der Eifel.
noalk 06.10.2017
5. Ein Vorwurf reicht schon?
Zitat: "Einen Anspruch gegen Hausbesitzer von umgestürzten Bäumen oder Baufirmen haben Autofahrer nur dann, wenn diesen eine Verletzung der Verkehrssicherungspflicht vorgeworfen werden kann." --- Ich war bisher der Meinung, die Verletzung der Verkehrssicherungspflicht müsste nachgewiesen werden können, vor Gericht.
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