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Benzinpreis-Studie: Deutsche zahlen für Sprit hundert Millionen Euro zu viel

Sie halten Benzin für zu teuer? Laut einer Studie könnten Sie recht haben. Demnach kostet Sprit 4,7 Cent mehr pro Liter, als bei echtem Wettbewerb zu erwarten wäre. Für ganz Deutschland ergibt sich monatlich ein Millionenbetrag - Kritiker werfen den Konzernen "ungerechtfertigte Gewinnmitnahmen" vor.

Tankstelle (in Dresden): Die Benzinpreise steigen stärker als die Rohölpreise Zur Großansicht
dapd

Tankstelle (in Dresden): Die Benzinpreise steigen stärker als die Rohölpreise

Hamburg - Die deutschen Autofahrer zahlen offenbar viel zu viel für Benzin. Laut "Saarbrücker Zeitung" geben sie pro Monat rund hundert Millionen Euro mehr für Sprit aus als nötig. Das Blatt beruft sich auf eine Studie, die die Grünen-Bundestagsfraktion hat anfertigen lassen. Demnach habe die Mineralölwirtschaft "ihre Margen auf Kosten der Tankstellenkunden ausgeweitet". Als Anlass sollen die Iran-Krise und die dadurch gestiegenen Rohölpreise gedient haben.

So sei der Preis von Superbenzin im Zeitraum von November 2011 bis Anfang März 2012 um 11,3 Cent pro Liter gestiegen. Der Vorwurf: Nur 6,6 Cent pro Liter ließen sich "durch höhere Rohölpreise oder einen veränderten Wechselkurs zwischen Euro und Dollar erklären". Die Konzerne hätten demnach 4,7 Cent zu Unrecht aufgeschlagen.

Bei einem monatlichen Absatz von 2,1 Milliarden Liter Superbenzin in Deutschland "ergibt sich daraus eine finanzielle Mehrbelastung der Tankstellenkunden von 98 Million Euro pro Monat", heißt es in der Studie. Die Berechnung bezieht sich auf den Absatz des Sprits im Dezember 2011, weitere Faktoren wie Transport und Produktionskosten sind in den Berechnungen nicht berücksichtigt.

Kritiker fordern mehr Macht für das Kartellamt

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Bärbel Höhn, sprach angesichts immer neuer Rekordmarken beim Benzinpreis von "ungerechtfertigten Gewinnmitnahmen auf Kosten der Verbraucher". Man wolle mit der Studie den "Mineralölkonzernen auf die Finger klopfen". Der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Stephan Kühn, sagte der Zeitung: "Wir haben keinen funktionierenden Wettbewerb bei den Tankstellen." Das Kartellamt müsse umgehend Möglichkeiten erhalten, "um hier stärker zu kontrollieren und einzugreifen". Die Grünen hatten die Studie beim Hamburger Experten für Energiemärkte und Energierohstoffpreise, Steffen Bukold, in Auftrag gegeben. "In der Tendenz sind die Ergebnisse der Kurzstudie nicht überraschend", sagte Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts.

Bereits im Februar 2012 hatte die Behörde die Mineralölkonzerne scharf kritisiert. "Der Markt wird von fünf großen Mineralölkonzernen gemeinsam beherrscht, die sich gegenseitig wenig Wettbewerb machen", sagte Mundt der "Rheinischen Post". "In diesem Oligopol sind die Konzerne in der Lage, Preissteigerungen im Großhandel an die Benzinverbraucher weiterzugeben."

Die Mineralölbranche sieht das erwartungsgemäß anders. In einem Statement des Mineralölwirtschaftsverbands wirft Hauptgeschäftsführer Klaus Picard der Studie vor, haltlose Vorwürfe zu erheben. Tatsächlich sei der Beschaffungspreis pro Liter Benzin im Beobachtungszeitraum der Studie um 14,7 Cent gestiegen - lediglich 14,5 Cent Preiserhöhung seien davon an die Kunden weitergegeben worden.

rom/AFP

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1.
neibi 21.03.2012
Zitat von sysopdapdSie halten Benzin für zu teuer? Laut einer Studie könnten Sie recht haben. Demnach kostet Sprit 4,7 Cent mehr pro Liter, als bei echtem Wettbewerb zu erwarten wäre. Für ganz Deutschland ergibt sich monatlich ein Millionenbetrag - Kritiker werfen den Konzernen "ungerechtfertigte Gewinnmitnahmen" vor. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,822695,00.html
Solange der Staat daran auch noch zusätzlich Steuern verdient wird sich wohl kaum an dem Oligopol etwas ändern.
2.
gegenrede 21.03.2012
Zitat von sysopdapdSie halten Benzin für zu teuer? Laut einer Studie könnten Sie recht haben. Demnach kostet Sprit 4,7 Cent mehr pro Liter, als bei echtem Wettbewerb zu erwarten wäre. Für ganz Deutschland ergibt sich monatlich ein Millionenbetrag - Kritiker werfen den Konzernen "ungerechtfertigte Gewinnmitnahmen" vor. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,822695,00.html
Vielleicht sollte man eine staatliche Tankstellenkette einführen, gibt es in anderen marktwirtschaftlichen Ländern doch auch. Dies würde mit Sicherheit den Wettbewerb beleben.
3.
TylerD. 21.03.2012
Zitat von sysopdapdSie halten Benzin für zu teuer? Laut einer Studie könnten Sie recht haben. Demnach kostet Sprit 4,7 Cent mehr pro Liter, als bei echtem Wettbewerb zu erwarten wäre. Für ganz Deutschland ergibt sich monatlich ein Millionenbetrag - Kritiker werfen den Konzernen "ungerechtfertigte Gewinnmitnahmen" vor. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,822695,00.html
Jetzt fehlt nur noch das sich Karin Retzlaff vom Mineralölwirtschaftsverband mal wieder vor die Kameras stellt und dies alles als unrealistischen Unfug betitelt und so tut, als würden die Minderalölkonzerne als gute Samariter das Öl zum Schnäppchenpreis raushauen. Natürlich ohne Verdienst, nur zur Kostendeckung. Dann ist das monatliche Ritual vollzogen und alles kann weiter gehen wie bisher.
4. CDU, SPD, Grüne - keiner Macht was wenn er regiert
JohnBlank, 21.03.2012
Zitat von sysopdapdSie halten Benzin für zu teuer? Laut einer Studie könnten Sie recht haben. Demnach kostet Sprit 4,7 Cent mehr pro Liter, als bei echtem Wettbewerb zu erwarten wäre. Für ganz Deutschland ergibt sich monatlich ein Millionenbetrag - Kritiker werfen den Konzernen "ungerechtfertigte Gewinnmitnahmen" vor. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,822695,00.html
Find ich alles ganz toll, aber wenn CDU, SPD oder Grüne an der Macht sind, tun sie in der Beziehungs nichts. Alles doch nur wieder Gerede von der Elite, die nur die Bänker rettet. Die SPD und Grünen erhöhen sogar die Preise durch eine Steuer, nur um die Rentenkassen aufzubessern. Demokratie kann nix mehr in Deutschland.
5.
Trondesson 21.03.2012
Wie soll es auch anders sein? Der Deutsche glaubt doch auch jeden Mist, den ihm die Konzerne für ihre Preiserhöhungen auftischen, wie zum Beispiel Krieg in ..., Embargo von ..., Präsident von ... schmollt usw. Dann schimpft er ganz fürchterlich über die vermeintlich Schuldigen, und die wahren Schuldigen, die Ölkonzerne, reiben sich die Hände und kassieren.
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Brent, WTI, Bonny Light - Die Ölsorten und ihr Preis
Qualität
Die Erdölindustrie klassifiziert ihr Rohöl nach drei Kriterien: Herkunft, Dichte (Gewicht im Verhältnis zu Wasser) und Schwefelgehalt. Rohöl mit einer hohen Dichte wird entsprechend als "schwer" ("heavy"), mit einer geringeren Dichte als leicht ("light") bezeichnet. Rohöl mit einem hohen Schwefelgehalt gilt als "sauer", ein geringer Schwefelgehalt macht das Öl "süß". Je schwerer und saurer das Rohöl ist, desto aufwendiger ist seine Verarbeitung zum Beispiel zu Benzin oder Kerosin. Leichtes und schwefelarmes Rohöl ist gefragter und damit teurer als schweres.
Sorten
Weltweit gibt es mehrere Dutzend Rohölsorten aus unterschiedlichen Regionen, die unterschiedlich in ihrer Qualität sind. Die Herkunft reicht von Algerien bis Venezuela. Wichtigste Sorten sind die amerikanische Marke West Texas Intermediate (WTI) und das aus 15 Nordseeölfeldern stammende Brent. Hinzu kommen die Rohölsorten aus den Erdöl exportierenden Ländern (Opec), zum Beispiel die Sorte "Arab Light" aus Saudi-Arabien und "Bonny Light" aus Nigeria.
Preise
An den Terminbörsen werden mehrere sogenannte Referenzöle gehandelt mit einem standardisierten Leitwert. Abhängig von ihrer Qualität werden die übrigen Sorten mit einer Prämie oder einem Abschlag zur Leitsorte gehandelt.

Referenzsorte ist die vor allem in Amerika gehandelte Marke WTI und das aus der Nordsee stammende und in London gehandelte Brent. WTI ist leichter und schwefelärmer als Brent und somit meist einige Dollar teurer pro Barrel. Die Produktion beider Sorten geht seit einiger Zeit zurück, dennoch sind sie nach wie vor die beiden wichtigsten Referenzöle.

Hinzu kommt etwa der von der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) veröffentlichte Korbpreis für Rohöl. Er wird auf Grundlage der elf von seinen Kartellmitgliedern produzierten Sorten berechnet. Opec-Öl ist meist schwerer und saurer als WTI und Brent und damit billiger.

Preisanstiege und -abschläge verlaufen also meist für alle Sorten parallel. Jedoch schwanken die Preise jeder Sorte, wenn sie mehr oder weniger nachgefragt oder gefördert werden.

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