Autofinanzierung Leasing unter der Lupe

Schickes neues Auto gegen Monatsmiete. So verlockend die Angebote der Leasingfirmen auch für Privatleute oft scheinen, die Verträge können so manchen Haken enthalten. Zumal in Zeiten, in denen die Hersteller mit Dumpingzinsen für Autokredite werben.


Neuwagen leasen: Privatkunden sollten genau prüfen, bevor sie sich vertraglich binden
GMS

Neuwagen leasen: Privatkunden sollten genau prüfen, bevor sie sich vertraglich binden

Berlin - Warum für ein neues Auto Bargeld ausgeben? Es geht auch anders: zum Beispiel durch Leasen. Da bietet etwa die markenunabhängige Autoleasinggesellschaft ALD im Web einen Golf V Comfortline für 152,16 Euro pro Monat an. Einen BMW 318d gibt es für 138,71 Euro. Als Sonderzahlung werden meist 20 Prozent des Listenpreises fällig. Mit solchen oder ähnlichen Offerten zielen die meisten Leasing- oder Autofirmen auf das Beste ihrer Kunden: deren Geld. "Im vergangenen Jahr näherte sich die Zahl der privaten Leasingverträge der Viertel-Million-Marke", bilanziert Friedhelm Westebbe vom Bundesverband deutscher Leasingunternehmen. Tendenz: steigend.

Verbraucherschützer Michael Nischalke von der Stiftung Warentest nimmt immer wieder solche Angebote unter die Lupe: "Da gibt es durchaus reizvolle Möglichkeiten, die sich für den Privatmann rechnen. Aber es ist nicht alles Klasse", sagt er. Außerdem hat das Leasinggeschäft starke Konkurrenz bekommen: Mit immer neuen Dumpingzinsen und Zusatzleistungen forcieren Autohersteller den Kauf auf Kredit oder gegen Bares. Umso mehr muss der Kunde unter die Lupe nehmen, welche Art von Finanzierung sich für ihn lohnt.

"Der Vorteil beim Privatleasing liegt darin, sozusagen nur die Monatsmiete und den Wertverlust während der Vertragslaufzeit bezahlen zu müssen", sagt Nischalke. Zudem ermögliche Privatleasing es, alle Vorteile eines jungen Fahrzeugs zu nutzen. Das heißt: stets modernen Sicherheitsstandard, geringes Reparaturrisiko und mehr Liquidität für sich selbst.

Gleichwohl kann die vermeintlich süße Frucht bitter schmecken. So wird der Leasingnehmer nicht Eigentümer des Autos. Entsprechend kann die Leasinggesellschaft Auflagen machen, wie der Wagen zu versichern ist oder wo und wann er in die Werkstatt soll. Besonders beliebt ist die Masche, den so genannten Restwert hoch anzusetzen. Das ist der Preis, den der Wagen nach Ablauf der Leasingzeit noch erzielen soll. Damit bleiben die Monatsraten ansehnlich klein. Doch das ist tückisch. Erzielt der Wagen nach Ablauf des Vertrages nicht den vereinbarten Preis - der Gebrauchtwagenmarkt ist im Keller -, dann muss der Leasingnehmer die Differenz aus eigener Tasche bezahlen. Deshalb raten Verbraucherschützer, wenn schon so einen Vertrag - dann auf Kilometerbasis. "Seine Fahrleistung", erläutert Nischalke, "kann man nämlich besser einschätzen als die voraussichtliche Lage am Gebrauchtwagenmarkt in einigen Jahren."

Problematisch gestaltet sich mitunter auch die Rückgabe. Ist kein Anschlussgeschäft in Sicht, kann sich der Händler äußerst pingelig zeigen. Jeder Kratzer, jeder Polsterfleck mindert dann den Restwert. Wieder droht dem einst stolzen Neuwagenfahrer ein tiefer Griff ins eigene Portemonnaie. Nachteilig zudem: Ein per Kredit gekauftes Auto lässt sich in einer finanziellen Notlage wieder zu Bargeld machen - Leasing-Verträge bleiben bestehen und damit auch die Zahlungspflicht, selbst wenn der Kunde vorzeitig aussteigen will.

Kommt es während der Leasing-Dauer zu einem Totalschaden oder wird das Auto gestohlen, erstattet der Kaskoversicherer nur den aktuellen Wiederbeschaffungswert des Wagens unter Berücksichtigung von Alter und Kilometerleistung. Der Haken: Aufgrund des enormen anfänglichen Wertverlustes und der Einrechnung der Vergütungen für die Leasinggesellschaft in die Raten klaffen Zeitwert des Autos und Restforderung der Gesellschaft im Schadenfall meist erheblich auseinander. Diese Finanzunterdeckung geht voll zu Lasten des Leasing-Nehmers. "Diese Lücke kann man allerdings durch den Abschluss einer so genannten GAP-Versicherung in Verbindung mit einer Kasko-Versicherung schließen", sagt Silvia Schattenkirchner vom ADAC. Und sie sieht noch eine Gefahr: "Mancher Autokäufer überschätzt angesichts verlockend niedriger Leasingraten beim Traum vom neuen Gefährt seine finanziellen Möglichkeiten."

"Leasing kann sich lohnen", zieht Nischalke seine Bilanz: "Aber es muss auch mit kalkuliert werden, dass für den nächsten Wagen wieder eine Anzahlung fällig wird. Deshalb darf man sich von der reinen Rate nicht täuschen lassen." Sonst steht man womöglich ohne Auto da.

Von Norbert Michulsky, ddp



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