Neuer Leserpreis-Skandal Manipulation beim "Autoflotte"-Magazin

Nach dem ADAC-Magazin "Motorwelt" ist die nächste Autozeitschrift in einen Manipulationsskandal verstrickt. Der Chefredakteur der einflussreichen "Autoflotte" soll die Stimmenauszählung bei einer Leserwahl verfälscht haben.

Fuhrpark eines Unternehmens: Ungereimtheiten beim Fachblatt "Autoflotte"
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Fuhrpark eines Unternehmens: Ungereimtheiten beim Fachblatt "Autoflotte"


München - Das Monatsmagazin "Autoflotte" hat keine besonders hohe Auflage, aber viel Einfluss. Es ist eine Fachzeitschrift für Manager, die über den Fuhrpark von Unternehmen entscheiden. Doch die Leser des Blattes sind von der Redaktion offenbar getäuscht worden: Bei der Stimmenauszählung für den sogenannten "Flotten-Award" hat es Ungereimtheiten gegeben, sagte Verlagsleiter Ralph M. Meunzel SPIEGEL ONLINE und bestätigte damit einen Bericht des Medienportals newsroom.de.

Beim "Flotten-Award" können die Leser online über die besten Flottenautos und -dienstleister abstimmen. Im Zusammenhang mit dieser Preisvergabe soll "Autoflotte"-Chefredakteur Andreas Dünkelmeyer die Stimmenauszählung manipuliert haben. "Der Verdacht einer fehlerhaften Auswertung bei der Ermittlung der Preisträger konnte nicht vollständig ausgeräumt werden", heißt es in einer Mitteilung des Springer Fachmedienverlages. Von dem Chefredakteur habe sich der Verlag "am 18. März in gegenseitigem Einvernehmen" getrennt.

Ein Hinweis an die sogenannte Compliance-Abteilung des Verlags habe die Überprüfung ins Rollen gebracht. Laut Verlagsleiter Meunzel reagierte der Chefredakteur "betroffen" auf die Manipulationsvorwürfe. Ob der Beschuldigte sie abstritt oder bestätigte, dazu wollte sich Meunzel "aus Gründen des Personalrechts" nicht äußern.

In welchem Ausmaß die Stimmenauswertung manipuliert wurde und ob auch Siegerplätze vertauscht wurden, ist laut Meunzel nicht mehr nachzuvollziehen. Nur für die Abstimmung aus dem Jahr 2013 fanden sich laut seinen Angaben noch Daten auf untersuchten Rechnern, für die Vorjahre waren die entsprechenden Dateien demnach gelöscht worden. Die diesjährige Preisverleihung des "Flotten-Awards", ursprünglich für den 14. März 2014 geplant, wurde abgesagt.

Weitere Aufarbeitung ist nicht geplant

Laut Meunzel hat die "Autoflotte" eine Auflage von rund 20.000 Exemplaren. Im vergangenen Jahr beteiligten sich nach Angaben des Magazins rund 6400 Leser bei der Abstimmung zum "Flotten-Award". Zu den Siegern in den verschiedenen Kategorien zählten unter anderem VW, BMW, Audi, Porsche, Fiat, Renault, Skoda und Volvo.

Meunzel ist laut eigenen Angaben "überzeugt" davon, dass Dünkelmeyer allein für die Manipulationen verantwortlich war. Über die möglichen Hintergründe wollte er sich nicht äußern: Dünkelmeyer genoss bis zu den Vorwürfen sein "vollstes Vertrauen". Eine Aufarbeitung durch externe Prüfer, wie es der ADAC nach dem Skandal um den "Gelben Engel" vornahm, ist laut Meunzel bei der "Autoflotte" nicht geplant. "Dazu fehlt eine ausreichende Datenbasis", sagte er. Meunzel, der seit zwei Jahren Verlagsleiter ist, hatte nach eigenen Angaben weder mit der Auswertung noch der Organisation des "Flotten-Awards" zu tun. Er sei lediglich bei den Preisvergaben zugegen gewesen.

Mit der Trennung von Dünkelmeyer und dem Verweis auf die dürftige Datenlage ist der Fall für Meunzel abgeschlossen. Seit Mitte März führt er kommissarisch die Redaktion der "Autoflotte". Damit Manipulationen ausgeschlossen werden können, wolle der Verlag "künftig ausschließlich unabhängige Dritte zur objektiven Überprüfung der Datenerhebung, Datenauswertung und Dateninterpretation beauftragen".

Anfang des Jahres war bereits der ADAC durch einen Manipulationsskandal seines Mitgliedermagazins "Motorwelt" in die Schlagzeilen geraten. Dort hatte Chefredakteur Michael Ramstetter die Zahl der abgegebenen Stimmen für den Leserpreis "Gelber Engel" verfälscht und die Siegerlisten manipuliert. Im Zuge der Affäre wurden weitere Ungereimtheiten bei dem Automobilclub aufgedeckt, Präsident Peter Meyer musste seinen Hut nehmen.

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insgesamt 32 Beiträge
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Seite 1
geddon 31.03.2014
1. Ich verstehe gar nicht...
... wieso alle so überrascht tuen oder solch ein Verhalten für eine Ausnahme halten? Es geht um Geld, viel Geld... es geht um Macht... das Prestige einzelner Topmanager, Marketinggurus et cetera... Wie kann man auch nur auf die leiseste Idee kommen eine Marketingidee, denn nichts anderes stellen diese und andere Preise dar, würde in irgendeiner Art und Weise nicht von Manipulation und Korruption zersetzt sein? So funktioniert das System, so funktionieren die Menschen... vor 1000 Jahren, vor 50 Jahren, heute und in 50 Jahren wird es ebenfalls so sein.
yshitake 31.03.2014
2. Special-Interest Magazine
Wie solche Zeitschriften ihre Rankings generieren ist imho eine etwas andere Sache, als wenn Versicherungsvereine mit latent hoher politischer Einflußnahme so etwas betreiben. Das Geschäftsmodell eine solche ZEitschrift überhaupt zu vermarkten liegt doch nur darin, gutbetuchte Autobauern als Werbekunden zu gewinnen. Das Feature "Spendable Sponsoren besonders im Heft zu hofieren" wird doch überall gern genommen. Für die Autobauer sind das nur Peanuts, das Werbebudget ist hoch genug für hunterte Jubelblätter. Und am Ende des Tages macht der Arbeiter den Fuhrpark auch noch steuerlich attraktiver für das Unternehmen, je protziger die Fuhrparkwahl ausfällt, desto besser für die Bilanz. Win-Win-Win-Situation für Zeitung, Autobauer und Endkunde (Flottenmanager)- Ein Spiel, wo der 08/15-Kunde der sich sein Auto vom ersparten Geld kauft, sowieso schon längst ausgeschieden ist...und bestenfalls noch als Fanboy oder Pöbel-Patriot der deutschen Autobauer dienlich ist.
frommunichwithlove 31.03.2014
3. Bei der Gelegenheit
erfahre ich auch mal, dass es eine Zeitschrift "Autoflotte" gibt. Gerade noch rechtzeitig, bevor sie eingestellt wird.
yshitake 31.03.2014
4. Special-Interest Magazine
Wie solche Zeitschriften ihre Rankings generieren ist imho eine etwas andere Sache, als wenn Versicherungsvereine mit latent hoher politischer Einflußnahme so etwas betreiben. Das Geschäftsmodell eine solche ZEitschrift überhaupt zu vermarkten liegt doch nur darin, gutbetuchte Autobauern als Werbekunden zu gewinnen. Das Feature "Spendable Sponsoren besonders im Heft zu hofieren" wird doch überall gern genommen. Für die Autobauer sind das nur Peanuts, das Werbebudget ist hoch genug für hunderte solcher Jubelblätter. Und am Ende des Tages macht der Arbeiter den Fuhrpark auch noch steuerlich attraktiver für das Unternehmen, je protziger die Fuhrparkwahl ausfällt, desto besser für die Bilanz. Win-Win-Win-Situation für Zeitung, Autobauer und Endkunde (Flottenmanager)- Ein Spiel, wo der 08/15-Kunde der sich sein Auto vom ersparten Geld kauft, sowieso schon längst ausgeschieden ist...und bestenfalls noch als Fanboy oder Pöbel-Patriot der deutschen Autobauer dienlich ist.
ffmfrankfurt 31.03.2014
5.
Man muss es mal realistisch sehen: in Autozeitschriften sind die Tests, Vergleichtests etc. nie objektiv. Es gewinnt stets der Hersteller den Vergleich, der die nächste doppelseitige Anzeige gekauft hat , denn Anzeigenkunden werden natürlich nicht durch schlechte Testergebnisse vergrault. Alle zwei Wochen gut in einer grossen deutschen Zeitschrift für Auto, Motor und Sport zu sehen.
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