Konkurrenz durch Internethandel Das Autohaus stirbt aus

Klassische Autohäuser stehen einer Studie zufolge vor drastischen Einschnitten. Das Internet und die Macht der Autokonzerne bedrohten vor allem die Existenz unabhängiger Händler.

Autohaus in Ismaning bei München
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Autohaus in Ismaning bei München


Der Siegeszug des Onlinehandels wird in den kommenden Jahren auch die Autoindustrie tief greifend verändern. Davon geht die Unternehmensberatung PwC in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie aus. Unabhängigen Autohändlern drohe langfristig sogar das Aus.

Nur noch für gut die Hälfte (56 Prozent) der Kunden ist nach einer Umfrage von PwC unter 1000 deutschen Verbrauchern der Autohändler heute der wichtigste Ansprechpartner beim Autokauf. Fast zwei Drittel der Konsumenten können sich demnach inzwischen gut vorstellen, ihr Auto direkt beim Hersteller zu erwerben. Und immerhin jeder zweite zeigte sich offen für den Kauf über eine Onlineplattform.

Dieselskandal belastet Autohäuser

Momentan leiden viele Händler unter dem Abgasskandal, durch den Dieselautos drastisch an Wert verloren haben. Das wirkt sich vor allem für Autohäuser negativ aus, die solche Fahrzeuge in großen Mengen verleast haben und nach Ablauf des Vertrags von den Kunden zurückbekommen.

Die Mehrzahl der Händler geht davon aus, dass sich ihre Lage mittel- bis langfristig weiter verschlechtert. "Drei von fünf deutschen Autohändlern glauben nicht mehr an das eigene Geschäftsmodell", fasst PwC das Ergebnis einer Befragung von 1800 Händlern zusammen.

Autoindustrie setzt Händler unter Druck

Vier von fünf Händlern fühlten sich durch den Direktvertrieb der Hersteller bedroht, fast drei Viertel durch unabhängige Verkaufsplattformen im Internet. Außerdem klagte jeder zweite Händler, dass die Loyalität der Kunden abnehme.

Es sei fraglich, ob sich das Geschäftsmodell der selbstständigen Autohäuser "angesichts der im Internetzeitalter fast völligen Preistransparenz noch lange aufrechterhalten lässt", urteilte PwC-Experte Simon Ström. Hersteller und Autohäuser müssten sich in Zukunft deutlich enger verzahnen. "Die Autokonzerne werden in dieser Konstellation eindeutig den Ton angeben", prognostizierte der PwC-Autoexperte Felix Kuhnert.

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nis/dpa



insgesamt 49 Beiträge
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sametime 07.11.2018
1. Kommt darauf an.
Ein Autohändler, der nur sehr wenige Modelle oder nur einfache Ausstattungsvarianten zeigen kann, der hat sicher ein Problem. Ein Händler mit einer guten Auswahl und guten Verkäufern braucht die Online-Konkurrenz nicht so zu fürchten. Ich kaufe lieber zu einem ähnlichen Preis (lässt sich ja verhandeln) vor Ort beim Händler als bei einer anonymen Online-Plattform.
ctwalt 07.11.2018
2. Wundersam
bekomme ich doch eine T6 Bus mit Wunschausstattung 30% unter deutscher UVP als Italien Reimport. Zu welchen Kinditionen kauft der ein ?
bert_baller 07.11.2018
3. Welch Überraschung!
Da kündigen die Hersteller erst vor Jahren die Bindungsverträge vieler Autohäuser an ihre Marke und bringen diese schon dadurch ins Rotieren. EU-Re-Importe und Online-Plattformen mögen ja beliebter geworden sein, aber vor allem die Hersteller sollten sich dringend überlegen, ob die von ihnen mitverschuldete Krise und der Direktvertrieb auch beinhaltet, künftig die Reparaturen älterer Wagen zu übernehmen. So große Kartons zum Zurückschicken sind bisher unüblich. Aber wahrscheinlich hofft man, dass Autos in der Zukunft gar nicht mehr repariert, sondern nach einem nächsten selbstverschuldeten Skandal mit Steuermitteln eingestampft werden. Dafür spart man ja andererseits am umweltschädlichen Katalogpapier...
dr.eldontyrell 07.11.2018
4. Haha, der ist gut!
"Außerdem klagte jeder zweite Händler, dass die Loyalität der Kunden abnehme." Die Loyalität der Kunden passt sich eben an die Loyalität der Automobilindutrie gegenüber ihrer Kunden an. War lange Jahre BMW-Fahrer. Aber einen Turbo-Vierzylinder-Fronttriebler können alle anderen auch, und das für wesentlich weniger Geld mit besserer Austattung. An deutschen "Premiumfabrikaten" ist nur noch der Preis und der Wertverlust "Premium". Sorry, und die Marge für die Konzerne.
gehirnflausch 07.11.2018
5. Selbst Schuld
In meinen Augen sind das viele Händler selbst Schuld. Nicht wenige glänzen hauptsächlich mit purer Arroganz und auch nicht gerade wenige, zumindest bei uns in der Ecke, sind durchaus bekannt dafür, dem Kunden auch gerne faule Eier ins Nest zu legen. Ich kenne mehr als nur einen Fall, wo der unfallfreie Wagen es definitiv doch nicht war, oder wo Mängel ganz klar und offensichtlich verschwiegen wurden, und so weiter. Trifft natürlich auf Gebrauchtwagen zu, aber ehrlich, möchte ich da meinen nächsten Neuwagen kaufen? Nein, danke. Von den astronomischen Werkstattpreisen mal ganz abgesehen. Das ist doch nicht zu rechtfertigen, dass die freie Werkstatt die selben Teile für einen Bruchteil des Preises verbaut, statt der Händler, wo das passende Markenzeichen am Haus prangert. Ich habe persönlich 0 Interesse daran, mein nächstes KFZ beim Händler vor Ort zu erwerben.
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