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15. Februar 2013, 14:45 Uhr

Autoindustrie

Rückrufaktionen erreichen Rekord

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Rückrufaktionen sind die Geißel der Autohersteller: Sie kosten Unsummen und sind verheerend für das Image. Trotzdem bekommen die Branchenriesen das Problem nicht in den Griff. Einer Studie zufolge wurden 2012 so viele Autos in die Werkstatt zurückbeordert wie noch nie.

Bergisch Gladbach - Die Verwalter der Ersatzteilversorgung sind eine Art Seismograf der Automobilhersteller. Wenn sie verstärkte Nachfrage nach einzelnen Bauteilen feststellen, werden sie hellhörig. Denn es könnte Hinweis auf ein Problem sein, das schwerwiegender ist - und womöglich einen großangelegten Rückruf erfordert.

Die Boten der schlechten Nachricht sind nicht die beliebtesten in den Konzernen, doch ihre Bedeutung wächst rapide. Einer Studie des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach zufolge haben die Rückrufe auch 2012 wieder ein Rekordniveau erreicht. Allein auf dem US-Markt wurden 15,6 Millionen Pkw und leichte Lastwagen in die Werkstätten gerufen, 1,1 Millionen mehr als im Jahr zuvor.

Noch dramatischer wirkt die Zahl, wenn man die Werte seit 2009 mit in die Rechnung einbezieht. In dieser Vier-Jahres-Periode mussten die Hersteller in den USA 63 Millionen Autobesitzer bitten, ihren Wagen durchsehen zu lassen, weil einzelne Bauteile überdurchschnittlich häufig den Geist aufgaben. Und die Zahl beschränkt sich allein auf Bauteile, deren Ausfall die Sicherheit des jeweiligen Fahrzeugs beeinträchtigen könnte.

Besonders schlecht schnitten japanische Hersteller ab: Mit Toyota, Suzuki, Subaru und Honda weisen gleich vier japanische Automobilhersteller im Vergleich der Weltkonzerne mit Abstand die höchsten Rückrufquoten auf. Toyota musste im Jahr 2012 allein auf dem US-Markt über 5,3 Millionen Fahrzeuge aus dem Fahrzeugbestand in die Werkstätten beordern, vor allem wegen Problemen mit den Spurstangen und der Brandgefahr von elektrischen Fensterhebern. Das waren mehr als 2,5 mal so viele Fahrzeuge wie der größte Hersteller der Welt in diesem Jahr in den USA verkaufen konnte.

Der einstige Branchenprimus in Sachen Qualität bekommt seine Probleme nicht in den Griff. So musste Toyota in diesem Jahr bereits eine weitere Million Fahrzeuge allein im US-Markt vor allem wegen möglicher Defekte an der Steuerungselektronik zurückrufen. Allerdings gehen die Japaner nach aufsehenerregenden Ereignissen um klemmende Gaspedale sehr viel sensibler mit dem Thema um als die Konkurrenz und starten Rückrufe wegen Mängeln, die andere Hersteller beim nächsten Werkstattbesuch ihrer Kunden diskret ausbessern.

US-Markt als Indikator für Produktqualität

Die deutschen Hersteller schnitten im beobachteten Zeitraum recht gut ab. Lediglich BMW und Porsche hatten mit Problemen zu kämpfen. Bestwerte erzielten dagegen Volkswagen, Audi und Daimler.

Bei der Erhebung der Daten für ihre Statistik beschränken sich die Wissenschaftler des CAM auf den US-Markt. Dieser sei aufgrund seiner Absatzgröße, der scharfen Sicherheitsrichtlinien und des hohen Klagerisikos ein aussagekräftiger Indikator für die Produktqualität, erklärt Institutsleiter Stefan Bratzel. "Die Rückruf-Trends geben Hinweise darauf, dass die Produktqualität - gerade auch im Hinblick auf sicherheitsrelevante Merkmale im Fahrzeug - ein kritisches Thema bleibt", erklärt der Experte. "Hohe Rückrufquoten führen nicht nur zu einer enormen direkten Kostenbelastung, sie haben auch erhebliche Rückwirkungen auf das Image von Fahrzeugherstellern."

Als Ursachen für die Rückrufe hat Bratzel vier Faktoren ausgemacht:

Dass sich an den beschriebenen Ursachen für die Fehleranfälligkeit der Produktion so schnell etwas ändert, glaubt Bratzel nicht. "Im Gegenteil - das Risiko stiegt sogar noch an." Grund dafür sei die zunehmende Gleichteile- und Plattformstrategie der Hersteller. "Damit aber kann ein fehlerhaftes Teil das in verschiedene Modelle eingebaut ist und mehrere Jahre verbaut wurde, millionenfache Rückrufe zur Folge haben", erklärt Bratzel. Bereits die direkten Kosten von Rückrufaktionen könnten sich dadurch schnell zu Milliarden summieren.

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