Autoindustrie: Rückrufaktionen erreichen Rekord

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Toyota-Produktion: Probleme mit Spurstangen und Fensterhebern

Rückrufaktionen sind die Geißel der Autohersteller: Sie kosten Unsummen und sind verheerend für das Image. Trotzdem bekommen die Branchenriesen das Problem nicht in den Griff. Einer Studie zufolge wurden 2012 so viele Autos in die Werkstatt zurückbeordert wie noch nie.

Bergisch Gladbach - Die Verwalter der Ersatzteilversorgung sind eine Art Seismograf der Automobilhersteller. Wenn sie verstärkte Nachfrage nach einzelnen Bauteilen feststellen, werden sie hellhörig. Denn es könnte Hinweis auf ein Problem sein, das schwerwiegender ist - und womöglich einen großangelegten Rückruf erfordert.

Die Boten der schlechten Nachricht sind nicht die beliebtesten in den Konzernen, doch ihre Bedeutung wächst rapide. Einer Studie des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach zufolge haben die Rückrufe auch 2012 wieder ein Rekordniveau erreicht. Allein auf dem US-Markt wurden 15,6 Millionen Pkw und leichte Lastwagen in die Werkstätten gerufen, 1,1 Millionen mehr als im Jahr zuvor.

Noch dramatischer wirkt die Zahl, wenn man die Werte seit 2009 mit in die Rechnung einbezieht. In dieser Vier-Jahres-Periode mussten die Hersteller in den USA 63 Millionen Autobesitzer bitten, ihren Wagen durchsehen zu lassen, weil einzelne Bauteile überdurchschnittlich häufig den Geist aufgaben. Und die Zahl beschränkt sich allein auf Bauteile, deren Ausfall die Sicherheit des jeweiligen Fahrzeugs beeinträchtigen könnte.

Besonders schlecht schnitten japanische Hersteller ab: Mit Toyota, Suzuki, Subaru und Honda weisen gleich vier japanische Automobilhersteller im Vergleich der Weltkonzerne mit Abstand die höchsten Rückrufquoten auf. Toyota musste im Jahr 2012 allein auf dem US-Markt über 5,3 Millionen Fahrzeuge aus dem Fahrzeugbestand in die Werkstätten beordern, vor allem wegen Problemen mit den Spurstangen und der Brandgefahr von elektrischen Fensterhebern. Das waren mehr als 2,5 mal so viele Fahrzeuge wie der größte Hersteller der Welt in diesem Jahr in den USA verkaufen konnte.

Der einstige Branchenprimus in Sachen Qualität bekommt seine Probleme nicht in den Griff. So musste Toyota in diesem Jahr bereits eine weitere Million Fahrzeuge allein im US-Markt vor allem wegen möglicher Defekte an der Steuerungselektronik zurückrufen. Allerdings gehen die Japaner nach aufsehenerregenden Ereignissen um klemmende Gaspedale sehr viel sensibler mit dem Thema um als die Konkurrenz und starten Rückrufe wegen Mängeln, die andere Hersteller beim nächsten Werkstattbesuch ihrer Kunden diskret ausbessern.

US-Markt als Indikator für Produktqualität

Die deutschen Hersteller schnitten im beobachteten Zeitraum recht gut ab. Lediglich BMW und Porsche hatten mit Problemen zu kämpfen. Bestwerte erzielten dagegen Volkswagen, Audi und Daimler.

Bei der Erhebung der Daten für ihre Statistik beschränken sich die Wissenschaftler des CAM auf den US-Markt. Dieser sei aufgrund seiner Absatzgröße, der scharfen Sicherheitsrichtlinien und des hohen Klagerisikos ein aussagekräftiger Indikator für die Produktqualität, erklärt Institutsleiter Stefan Bratzel. "Die Rückruf-Trends geben Hinweise darauf, dass die Produktqualität - gerade auch im Hinblick auf sicherheitsrelevante Merkmale im Fahrzeug - ein kritisches Thema bleibt", erklärt der Experte. "Hohe Rückrufquoten führen nicht nur zu einer enormen direkten Kostenbelastung, sie haben auch erhebliche Rückwirkungen auf das Image von Fahrzeugherstellern."

Als Ursachen für die Rückrufe hat Bratzel vier Faktoren ausgemacht:

  • Die Fahrzeuge werden technisch immer komplexer: Bremsassistenten, Anti-Schleuder-Systeme und Airbags gehörten heute ebenso zur Standardausrüstung, wie Start-Stopp-Systeme und aufwendige Fahrwerkselektronik.
  • Die Entwicklungszyklen werden immer kürzer: Grund dafür sei der gestiegene Wettbewerbsdruck, der die Hersteller dazu zwinge, in immer kürzeren Abständen neue Modelle oder zusätzliche Varianten auf den Markt zu bringen.
  • Die Zulieferer übernehmen einen immer größeren Teil der Wertschöpfung: Bosch, VDO, Magna und Co liefern in immer größerem Umfang vormontierte Module ans Band. Sie bauen inzwischen rund 75 Prozent eines Autos. Die Hersteller selbst führen praktisch nur noch Regie. Damit aber wüchsen die Anforderungen an das Qualitätsmanagement dramatisch.
  • Gestiegener Kostendruck: Der Wettbewerb zwingt die Hersteller nicht nur zu höchstem Entwicklungstempo, er drückt auch auf die Preise. Davon betroffen sind praktisch alle Bereiche der Produktion und der Entwicklung, vom Hersteller selbst, über die Zulieferer bis hin zu den Lieferanten der Rohstoffe.

Dass sich an den beschriebenen Ursachen für die Fehleranfälligkeit der Produktion so schnell etwas ändert, glaubt Bratzel nicht. "Im Gegenteil - das Risiko stiegt sogar noch an." Grund dafür sei die zunehmende Gleichteile- und Plattformstrategie der Hersteller. "Damit aber kann ein fehlerhaftes Teil das in verschiedene Modelle eingebaut ist und mehrere Jahre verbaut wurde, millionenfache Rückrufe zur Folge haben", erklärt Bratzel. Bereits die direkten Kosten von Rückrufaktionen könnten sich dadurch schnell zu Milliarden summieren.

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insgesamt 76 Beiträge
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1. Ja...
geistestreu 15.02.2013
In Japan wird zurueckgerufen. Hier wird einfach so getan als waere man nicht schuld
2. Konsequenzen?
Spiegelleserin57 15.02.2013
Wann sehen die Hersteller endlich ein dass es GRENZEN gibt. Wenn ich ein Auto habe lege ich auf Qualität wert. Diese Rückrufaktionen zeigen doch nur dass so nicht weiter produziert werden kann. Billig ist nicht immer gut und das Tempo der Produktion zu forcieren ist auch nicht sinnvoll weil dadurch die Qualität leidet. Nur Zulieferer zu beschäftigen und nur noch die Koordination zu führen fördert nicht unbedingt die Qualität außerdem stellt sich die Frage wer für was verantwortlich ist. Will der Autohersteller für die Mängel seiner Zulieferer haften und seinen guten Ruf auf das Spiel setzen wenn der Zulieferer schlechte Qualität liefert? Außerdem stellt sich auch die Frage wieso soll ich in eine Vertragswerkstatt gehen wenn ich weiß dass sowieso die Produktion woanders läuft. Ich selbst habe nur negative Erfahrungen mit Vertragswerkstätten gemacht und das leider leider von VW. Meine kleine nicht zertifizierte Werkstatt arbeitet wesentlich ordentlicher und der Kundenkontakt ist persönlicher.
3. einfach..
Pommespanzer 15.02.2013
mal generell die Qualität der Bauteile erhöhen, statt dauernd nachzubessern, ein 17 Jahre alter Opel Astra fährt iwie ohne größere Probleme, während bei den neueren Fahrzeugen nichts mehr geht, wenn man nicht pünktlich zur Werkstatt fährt...
4. Beim Mercedes C Klasse ab Baujahr 2000
webmann 15.02.2013
und später (wie lange weiß ich nicht) konnte an der Nockenwelle Öl austreten, das im schlimmsten Falle über sehr lange Zeit bis ins Steuergerät kriechen konnte. Dann war der Schaden um die 2000 Euro. Benachrichtigt wurde ich nie, sondern erfuhre das nur aus Zufall in einem Forum, dass es hierfür ein Ölstoppkabel gibt für rund 20 Euro, das mindestens eine wichtige Teilhilfe ist. Auch die Werkstatt hat einen nie darauf aufmerksam gemacht. Sie hätte das leck nur abdichten müssen, was kein grosser Aufwand ist. So gehen manche Konzerne mit den Kunden um.
5. Modellzyklus
jouvancourt 15.02.2013
Vor Jahren hatten sich deutsche und japanische Hersteller darauf geeinigt, einen Modellzyklus von 7 Jahren für Geländewägen nicht zu unterschreiten. Kann es für andere Modelle nicht ähnlich Übereinkünfte geben? Müssen die Autos jedes Jahr fetter und elektronischer werden? Ich finde, dass die Automobilindustrie mittlerweile einen extrem hohen Qualitätsstandard erreicht hat, es wäre schade, ihn wegen dem Neuheitswahn zu beeinträchtigen.
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