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16. Januar 2013, 11:42 Uhr

Ratgeber

Was Sie über Autohandel à la carte wissen müssen

Sie klemmen unter den Scheibenwischern oder am Autofenster: Visitenkarten von Gebrauchtwagenhändlern schmeißen die meisten Fahrzeugbesitzer schnell wieder weg. Doch mit den Händlern lassen sich durchaus faire Geschäfte machen - man muss dabei nur ein paar Grundregeln beachten.

Manche Autofahrer sind genervt von den sogenannten Autokärtchen, andere amüsieren sich darüber. Wer aber wirklich seinen Wagen loswerden möchte, fragt sich: Kann ich mit den Händlern, die auf diese Weise für sich werben, Geschäfte machen? Eigentlich spricht nichts dagegen - ein paar Dinge gibt es aber zu beachten. Die Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Ist das eigentlich legal?

Weder die Polizei noch die Kriminalämter beschäftigen sich mit den Personen hinter den Autokärtchen. "Strafrechtlich nicht relevant", ist die vorsichtige Formulierung der Behörden. Das heißt: Kriminell sind die meisten Autokärtchen-Händler nicht. Krumme Touren machen oft die Exporteure, die wiederrum den "Kärtchenhändlern" die Autos abkaufen. Ansonsten sind die Geschäfte sauber.

Arbeiten die mit Tricks?

Die Händler kennen sich gut aus, verhandeln hart und steigen mit niedrigen Beträgen ein - das übliche Procedere, wenn um Preise gefeilscht wird.

Was sollte man als Autoverkäufer wissen?

Informieren Sie sich gut über den Wert ihres Wagens, rät der ADAC. Wer eine Einschätzung vom Experten einholt, weiß, wo seine Schmerzgrenzen liegen. Dann lässt man sich nicht so leicht überrumpeln. Ein Test hat gezeigt: Gerade bei Fahrzeugen, die noch über 1000 Euro einbringen, sind den Verkäufern die Angebote der Händler oft zu niedrig. Bei Autos, die weniger wert sind, kommt man dagegen einfacher ins Geschäft.

Kann man dem mitgebrachten Kaufvertrag des Händlers trauen?

Besser ist, Sie bringen einen eigenen Kaufvertrag mit. Diesen können Sie im Internet herunterladen, zum Beispiel auf den Seiten von Automobilclubs oder Auto-Onlineportalen. Der Vertrag sollte einen "Ausschluss der Sachmittelhaftung" enthalten, damit der Käufer nicht nachträglich für Schäden, die nicht im Vertrag stehen, den Verkäufer haftbar machen kann.

Kann man die Abmeldung des Wagens dem Händlers überlassen?

Besser nicht. Wer das Auto nicht selbst abmeldet, muss eventuell für Unfälle geradestehen, die mit dem Wagen gebaut werden. Im schlimmsten Fall könnte das Auto auch bei einem Verbrechen verwendet werden. Dann klingelt die Polizei zuerst beim aktuellen Halter - und das wären dann Sie.

Wie sollte die Bezahlung aussehen?

Nur Bares ist Wahres. Lassen Sie sich nicht zu Anzahlungen, Schecks oder Überweisungen hinreißen. Übrig bleibt das Restrisiko Falschgeld.

Dürfen die Autohändler eigentlich überall Karten verteilen?

Kommt auf die jeweilige Gemeinde an - meist ist es nicht erlaubt. Andererseits wird das Verbot auch selten durchgesetzt. Manche Städte verlangen inzwischen Bußgelder, bewirken damit aber wenig.

Nach einem Urteil des Oberlandesgericht Düsseldorf im August 2010 brauchen Händler für das Werben mit Autokärtchen eine Sondergenehmigung, "weil die Visitenkarten-Verteilung über den Gemeingebrauch hinausgeht". Fast niemand hat diese Sondergenehmigung - im Ruhrgebiet vergeben viele Städte sie auch nicht. Die wenigsten Händler stören sich aber daran. Nur wer auf frischer Tat ertappt wird - die auf der Karte genannte Person kann nicht belangt werden - muss bis zu 200 Euro Bußgeld zahlen.

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