Autokartell Hersteller stimmten zweifelhafte AdBlue-Dosierung ab

Die großen deutschen Autohersteller haben sich nach SPIEGEL-Informationen abgestimmt, wie die US-Behörden bei der Dosierung von AdBlue getäuscht werden könnten. Bosch lieferte die umstrittene Software.

DPA


Die großen deutschen Autobauer haben sich ab dem Jahr 2006 mit Bosch detailliert über die Einführung einer neuen Softwarefunktion zur AdBlue-Dosierung abgestimmt. Wie der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, geht das aus dem Zusatz zu der Selbstanzeige des VW-Konzerns hervor, den das Unternehmen vor gut zwei Wochen beim Bundeskartellamt in Bonn und bei den Wettbewerbsbehörden in Brüssel eingereicht hat. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

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Heft 32/2017
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Danach sollte die von Bosch gelieferte Basissoftware für die Motorsteuerung um zwei Modi ergänzt werden:

  • Einen Füllstandsbetrieb mit maximaler AdBlue-Versorgung und höchster Effizienz. Er konnte offenbar gewährleisten, dass Zulassungstests gemeistert wurden.
  • Daneben sollte eine sogenannte Online-Dosierung programmiert werden. Sie hatte einen geringeren Wirkungsgrad bei der Abgasreinigung.
  • In einer illegalen Variante konnte sie offenbar auch dazu genutzt werden, hohe Reichweiten zu erzielen und damit das Manko zu kleiner AdBlue-Tanks ausgleichen.

In der Mail eines VW-Mitarbeiters heißt es: Die Dosierfunktion bewege sich in "rechtlichen Grauzonen". Welcher Hersteller die Funktion in den Folgejahren wie genau nutze geht aus den Kartellamtsunterlagen nicht hervor.

Wie der SPIEGEL weiter berichtet, richteten sich die Bemühungen der Manager darauf, die US-Umweltbehörden CARB und EPA über den wahren Hintergrund der Einführung der Softwarefunktion zu täuschen. "Keiner will die wahre Motivation den Behörden (CARB, EPA) berichten", heißt es in einer VW-Mail.

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BMW teilte auf Anfrage mit, dass der Begriff Online-Funktion nicht mit einer unzulässigen Reduzierung oder gesetzeswidrigem Verhalten gleichzusetzen sei. Eine unzulässige Umschaltung zwischen Test- und Realbetrieb habe es bei BMW nicht gegeben. Daimler, VW und Bosch wollten sich wegen laufender Verfahren nicht zu den Papieren äußern.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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insgesamt 389 Beiträge
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Seite 1
susuki 05.08.2017
1.
Hat jemand eine vernünftige Erklärung warum keine grösseren AddBlue Tanks verbaut wurden und ein Netz von AddBlue Verkaufsstellen erichtet wurde? Bei den Lastwagen klappt das doch gut?
Mertrager 05.08.2017
2. alles bewiesen
Tja damit ist wohl alles bewiesen. Oder ?
herbert 05.08.2017
3. Japanische, Französische und US Autos......
sind NICHT in den Schlagzeilen ! Haben die die Abgasgeschichte im Griff? Habe ein Interview mit dem Ford Deutschland Boss gesehen. Der sagte sinngemäss, dass bei Ford diese Probleme bei Ford nicht vorhanden sind. Aber auch von den anderen Autobauern die ich aufgezählt habe ist alles ruhig und still. Ist denn Daimler, Volkswagen, Audi, Porsche , BMW nicht in der Lage so etwas zu entwickeln, anstatt mit Betrug den Markt zu beliefern? Haben die anderen die besseren Ingeneure? Sind die anderen besser ? Ist Deutschland eine Bananenrepublik? Gehen die Betrüger ohne Strafen aus der Sache ? Unser Dobrindt ist mit der Sache total überfordert.
carinanavis 05.08.2017
4. die laufende masche
des SPIEGELS ist die Verdrehung er Wahrheit. Die sinnvolle und gesetzlich erlaubte Abstimmung von Industriestandards wird als Kartell bezeichnet. Die legale online-Funktion wird in den Ruch des Illegalen gebracht, "weil es irgendwo eine illegale Variante gab", die natürlich gar nicht eingesetzt wurde. Der SPIEGEL wird immer mehr zum Vorreiter der Lügenpresse und muss sich die Frage gefallen lassen, ob er von ausländischen Fahrzeugherstellern bestochen wurde. Feige wie immer in solchen Fragen, wird der Forumsadmin dieses Posting nicht zulassen dürfen, weil eine Meinungsbildmanipulation vorgegeben wurde.
thequickeningishappening 05.08.2017
5. Ein gesunder Motor liebt einen gesunden Modus
sonst läuft Er nicht mehr rund! Jetzt noch die UpDate und man ruckelt sicher zum Großeinsatz bei der Vertragswerkstatt!
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