Neuzulassungen Die wahren Lieblingsautos der Deutschen

Die offizielle Statistik der Auto-Neuzulassungen ergibt ein Zerrbild, denn fast zwei Drittel entfallen auf gewerbliche Kunden. Doch welche Modelle sind bei Privatleuten angesagt? Ein alternatives Ranking gibt die Antwort.

Volkswagen

Von Markus Bruhn


Deutschland ist Golf-Land. Seit Jahrzehnten ist der Mittelklasse-Volkswagen das Lieblingsauto der Deutschen. Auf Platz zwei und drei der Skala folgten im vergangenen Jahr der VW Passat und der BMW 3er - das jedenfalls zeigt die Neuzulassungs-Statistik des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA).

Allerdings offenbart dieses Ranking nur die halbe Wahrheit. Denn der Neuwagenmarkt wird von gewerblichen Kunden bestimmt - gut 62 Prozent aller Neuzulassungen entfallen auf Firmenflotten, sind Mietwagen oder Eigenzulassungen der Hersteller.

Eine um den Faktor Firmenwagen bereinigte Rangliste zeigt ein anderes Bild. Das Center Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen hat die gewerblichen Neuwagen aus der Gesamtmenge herausgerechnet und so für die Monate Januar bis September die Auto-Rangfolge unter den Selbstzahlern ermittelt.

Ergebnis: Der VW Golf ist auch in dieser Tabelle der Spitzenreiter - hinter dem Wolfsburger sieht die Neuwagen-Welt der Privatkunden jedoch anders aus. So schaffen es sowohl der VW Passat als auch der BMW 3er in der Privatkäufer-Statistik nicht einmal unter die Top 20.

So gingen nur 7,8 Prozent aller neu zugelassenen Passat an Privatkunden. Volkswagens Top-Modell bestätigt damit seinen Ruf als typischer Dienstwagen: "Der Passat ist das Auto für Vertreter und Außendienstreisende par excellence", sagt Ferdinand Dudenhöffer vom CAR.

Eine Parallele zwischen Selbstzahlern und Fuhrparkkunden gibt es bei der Marken-Präferenz: Es dominiert VW. Gleich drei Modelle teilen sich in der Privatauto-Statistik das Treppchen: Golf, Polo und Tiguan. Unter den Top Ten sind vor allem Klein- und Kompaktautos; einzige Ausreißer nach oben hin sind die Mercedes C-Klasse, der Skoda Octavia und das bereits erwähnte kompakte SUV-Modell Tiguan.

Privatkäufer wählen meist kleinere und billigere Autos

Private Kunden bevorzugen - das ist keine Überraschung - kleinere Autos und damit günstigere Modelle. So gehören beispielsweise auch der Skoda Fabia (Platz 5) oder der Ford Fiesta (Platz 8) zu den gefragtesten Modellen. Und die Beliebtheit bestimmter Marken stellt erst die Privatkunden-Statistik richtig dar.

Der Dacia Sandero etwa taucht im Gesamt-Ranking der Neuzulassungen erst an Stelle 52 auf; in der Statistik der Privatkunden-Typen jedoch rangiert der Wagen auf Platz 14. Generell spricht die Marke Dacia eher eine private Klientel an: Gut 82 Prozent aller Modelle von Dacia wurden im vergangenen Jahr von Privatkäufern geordert.

Bei den Flottenwagen ergibt sich ein anderes Bild. Für den Unternehmens-Fuhrpark darf es nämlich eine Nummer größer sein. So gehören hier etwa der VW Passat, der Audi A6 oder die E-Klasse von Mercedes zu den meistverkauften zehn. "Unsere Kunden achten darauf, für ihre Außendienstmitarbeiter die passenden Modelle freizugeben", sagt Kerstin Blank von der unabhängigen Leasinggesellschaft Athlon Car Lease.

Das Renommee der Marke ist jedoch für Firmenkunden nicht alles. Sonst hätte sich der Skoda Octavia wohl nicht auf Rang fünf der beliebtesten Flottenwagen etabliert. "Der Octavia ist so etwas wie der Passat, nur eben ein paar Tausender preisgünstiger", sagt Dudenhöffer. Und mit der Qualität von Volkswagen scheint die Limousine auf Golf-Basis den Nerv vieler Vertriebler zu treffen.

Nur ein Importeur-Modell in den Firmenwagen-Top-Ten

Was allerdings auffällt: Der Octavia bleibt eine Ausnahme in den Top Ten der Flottenwagen. Denn neun der zehn meistverkauften Autos an Firmen sind deutsche Fabrikate. "Das liegt am Gesamtpaket, das deutsche Hersteller bieten", sagt Blank. Das Preis-Leistungs-Verhältnis, aber auch Aspekte wie der Service und das Werkstattnetz seien ausschlaggebende Argumente. Laut den Berechnungen des CAR kommen rund 61 Prozent aller Fahrzeuge, die an Unternehmen verkauft werden, von VW, Audi, BMW und Mercedes.

Und noch eine Ausnahme zeigt die Statistik der beliebtesten Flottenwagen: Als einziges Modell aus der Kompaktklasse ist der VW Golf unter den zehn meistverkauften Fahrzeugen vertreten; nach den Zahlen des laufenden Jahres (Januar bis September) bleibt der Golf überdies das beliebteste Flotten-Auto. So sehr sich die Präferenzen von Privatkunden und Flottenkäufern also unterscheiden - in diesem Fall herrscht Einigkeit.



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insgesamt 114 Beiträge
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Champagnerschorle 21.12.2014
1. E-Klasse
Wenn ich das Schaubildchen richtig deute, "verkauft" Mercedes mehr E-Klasse Fahrzeuge an Privat als an den gewerblichen Bereich. Das verwundert mich nun schon ein wenig.
chaps 21.12.2014
2. Der Grund für die Dominanz im Firmenwagenbereich
sind die Restwertkalkulationen der deutschen Hersteller beim Firmenwagenleasing und die hohen Rabatte der Hersteller im Flottengeschäft.
reever_de 21.12.2014
3. Finde ich OK ...
Ich wohne hier in der Region Wolfsburg und freue mich für den VW-Konzern: besser einem Autobauer in meiner unmittelbaren Nähe geht es gut als Toyota in Japan oder KIA in Korea ... An VW hängen (wie an jedem Autobauer) derartig viele Zulieferbetriebe und Entwickler, ebenfalls teilweise in direkter Nähe, das man sofort merkt, wenn was nicht läuft ... Also; gut gemacht, VW!
reever_de 21.12.2014
4. Finde ich OK ...
Ich wohne hier in der Region Wolfsburg und freue mich für den VW-Konzern: besser einem Autobauer in meiner unmittelbaren Nähe geht es gut als Toyota in Japan oder KIA in Korea ... An VW hängen (wie an jedem Autobauer) derartig viele Zulieferbetriebe und Entwickler, ebenfalls teilweise in direkter Nähe, das man sofort merkt, wenn was nicht läuft ... Also; gut gemacht, VW!
d-c-r 21.12.2014
5. auch Angestellte sind Menschen
Wenn ich einen Firmenwagen bekomme, kann ich zumindest in einer kleinen Firma auch den Typ aussuchen. Gleiches gilt für Mietwagen.
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