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07. August 2012, 16:57 Uhr

Studie zu Fahrzeugkosten

Autos verlieren schneller an Wert

Die meisten Fahrzeugbesitzer werden es geahnt haben, jetzt belegt es eine Studie: Autofahren ist in den vergangen Jahrzehnten teurer geworden. Ursache sind laut der Untersuchung aber keineswegs die gestiegenen Spritpreise.

Hamburg - Die Unternehmensberatung Progenium hat die Gesamtkosten von Neuwagen - also alle Aufwendungen von der Anschaffung über Steuern, Versicherung, Benzin bis zu Reparaturen - über einen Zeitraum von 32 Jahren ermittelt und die Beträge mit den jeweiligen Nettohaushaltseinkommen dieser Jahre verglichen. Ergebnis: Der Kraftstoffanteil an den Gesamtkosten ist über die Jahre gesunken - trotz der stark gestiegenen Spritpreise. Viel schwerer als noch vor 32 Jahren fällt dagegen der Wertverlust der Autos über die Haltedauer ins Gewicht. Er ist im Vergleich dramatisch gestiegen.

Die auf die Autobranche spezialisierten Berater haben dabei den Unterhalt von drei Klassikern der deutschen Fahrzeugindustrie im Detail analysiert: den Kleinwagen VW Polo, den 3er BMW in der Mittelklasse und die Mercedes S-Klasse im Segment der Oberklasse. Die Gesamtkosten eines VW Polo stiegen demnach seit 1980 inflationsbereinigt um 9 Prozent, das Fahren des 3ers wurde 34 Prozent teurer und die Vollkosten einer S-Klasse stiegen sogar um 98 Prozent. Die Berechnungen basieren auf Neuwagen, die vier Jahre mit einer Laufleistung von 15.000 Kilometern pro Jahr gefahren werden.

Beispiel Polo: Der Anteil der Betriebskosten - und das ist vor allem der Sprit - fiel laut Progenium durch effizientere Technik um zwei Prozent. Die Aufwendungen für Reparaturen und Reifen halbierten sich im prozentualen Vergleich sogar. Der Wertverlust stieg in der Zeit von 1980 bis 2012 jedoch um 61 Prozent - von 112 Euro pro Monat auf 181 Euro.

Noch krasser ist der Effekt bei der Mercedes S-Klasse: Hier sank der Anteil der Spritkosten an den Gesamtkosten sogar um 20 Prozent. Kein Wunder: 1980 soff eine S-Klasse noch 15 bis 20 Liter, heute sind es unter zehn Liter. Auch die Wartungskosten sanken fast um ein Viertel. Gleichzeitig stieg der Wertverlust exorbitant um 234 Prozent. Lag der Betrag vor 32 Jahren noch inflationsbereinigt bei 403 Euro pro Monat, sind es laut Progenium nun 1346 Euro.

Versteckte Kosten und bessere Fahrzeuge

Der höhere Wertverlust lasse sich laut Analyse zum einen auf die gestiegenen Grundpreise der Autos zurückführen. Denn den technischen Fortschritt lassen sich die Hersteller bezahlen. "Zudem übernimmt der Hersteller für immer längere Zeiträume Garantie oder Kulanz und trägt somit einen Teil der Werkstattkosten der ersten Jahre", sagt Progenium-Geschäftsführer Kilian Frühauf. Allerdings seien die Kosten dafür ebenfalls zum Teil im Kaufpreis verborgen.

Der starke Anstieg des Wertverlusts hat laut Frühauf zwei weitere Gründe: Zum einen verkürzen sich die Produktzyklen der Autohersteller. "Neue Modelle von Baureihen kommen heute in kürzeren Abständen auf den Markt. Damit gelten die Autos auch schneller als veraltet - vor allem im Hinblick auf die Elektronik wie Navigationsgeräte oder Kompatibilität mit Smartphones."

Zum anderen bekomme man weniger Geld für sein Auto, weil das Angebot an jungen Gebrauchtwagen die Nachfrage übersteige. "Das liegt daran, dass die Haltdauer von Neuwagen kürzer geworden ist. Die Kunden nutzen vermehrt Leasing-Angebote oder Finanzierungsmodelle der Autohersteller und trennen sich dann nach drei bis vier Jahren wieder von dem Auto."

Dass bei den Oberklasse-Modellen der prozentuale Wertverlust noch drastischer ausfällt als in anderen Segmenten erklärt Frühauf so: "Die Oberklasseautos werden fast ausschließlich als Firmenwagen gekauft. Im Gebrauchtwagenmarkt, der weitgehend von Privatkunden geprägt ist, gibt es dazu praktisch keine passende Nachfrage."

Rat an die Autokäufer

Das Fazit von Frühauf: "Entgegen unserem Eindruck an der Zapfsäule sind die Spritkosten pro Kilometer über die letzten Jahrzehnte dank der Einführung sparsamerer Motoren konstant geblieben." Der Rückgang bei den Werkstattkosten erklärt er sich aus der qualitativen Verbesserung der Fahrzeuge. "Bei den untersuchten ersten vier Jahren des Autozyklus werden schlicht weniger Reparaturen fällig."

Für die Privatkunden bedeute die Analyse, dass der Kauf eines jungen Gebrauchtwagens meist der beste Deal sei: In den ersten Jahren fällt der Wertverlust enorm aus, wegen der deutlich höheren Qualität seien die Autos aber deutlich besser in Schuss als Gebrauchtwagen es früher waren.

rom/dapd

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