Automatische Parkplatzsuche Los, auf die Plätze, fertig

Die zermürbende Parkplatzsuche soll ein Ende haben: Mit Sensoren ausgestattete Stellplätze geben Autofahrern Bescheid, wenn sie frei sind, den Rest erledigt das Navi. Bei Parkhäusern funktioniert das bereits - jetzt wird auch am Bordstein technisch aufgerüstet.

Westminster City Council

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Auf den letzten Metern lauert der Frust. Dank Navigationssystemen findet man im Auto zwar zu jeder Adresse - aber das Ziel ist eben erst dann erreicht, wenn das Fahrzeug geparkt ist. Und genau da liegt das Problem: Fast jeder kennt das Gefühl, wenn man nach der dritten Runde um den Block immer noch keinen Stellplatz gefunden hat, die Zeit davonrennt und man schlussendlich gleich hätte laufen können.

Bald soll diese stressige Suche ein Ende haben: Der Fahrer wird automatisch zu einem freien Parkplatz möglichst nahe am Ziel geführt. Die Technik dazu ist bereits erhältlich, in Parkhäusern kommt sie schon zum Einsatz. Jetzt sollen auch Parkbuchten an den Straßen das Lotsen lernen.

Der Autohersteller Audi hat vor kurzem in San Francisco demonstriert, wie das funktioniert. Die Stadtverwaltung der kalifornischen Metropole hatte in einem Pilotprojekt mehr als 8000 Straßenparkplätze mit Sensoren ausgestattet. Die Technik unter dem Asphalt erkennt, ob der Stellplatz belegt oder verfügbar ist. Über eine App können sich Autofahrer freie Buchten anzeigen lassen. Audi hat diese App in einen A6 integriert: Ist das Smartphone per Wi-Fi oder Bluetooth mit dem Bordcomputer verbunden, wird der Weg zum Parkplatz direkt auf dem Navigationssystem angezeigt.

Maßgeschneidert nach Vorlieben und Fahrzeuggröße

Die Suche lässt sich aber noch verfeinern. Der Fahrer kann zum Beispiel auswählen, ob er vor allem preiswert oder so nah wie möglich am Ziel parken möchte; ob er ein Parkhaus oder einen Straßenparkplatz vorzieht; oder wie lange die maximale Parkdauer sein soll. Je nach Verfügbarkeit werden dann die maßgeschneiderten Parkmöglichkeiten aufgelistet.

Sogar eine Parkplatz-Prognose ist mit der App möglich. Anhand der Belegungszahlen in der Vergangenheit berechnet der Dienst, wo bald etwas frei werden könnte. Laut Angaben von Audi funktioniert diese Vorhersage für eine Zeitspanne von 10 Minuten im Voraus mit 97 prozentiger Sicherheit und bei 20 Minuten mit bis zu 91 Prozent. Trägt man zudem eine bestimmte Uhrzeit ein, zu der ein Parkplatz erreicht sein soll, berechnet die App den richtigen Zeitpunkt zum Losfahren. Weil dabei Verkehrsinfos in Echtzeit berücksichtigt werden, alarmiert das System den Fahrer, wenn er früher als geplant ins Auto steigen muss.

Nach Angaben von Audi funktioniert die App zuverlässig. Die Funktionen gehen über das bestehende Angebot namens Parkplatz-Info hinaus, die im Infotainmentpaket Audi Connect bereits angeboten werden: Dort ist laut einem Unternehmenssprecher von 2500 Parkhäusern in Europa die Belegungsdichte direkt abrufbar. Unter anderem bieten auch Mercedes und BMW eine Park-App, bei der mehr als 1000 Großgaragen in Deutschland eine Selbstauskunft über sich geben.

Parkplatz-Karma für alle

Die Zahl der vernetzten Stellplätze ist damit noch recht überschaubar. Aber das System von San Francisco macht bereits Schule - auch in Los Angeles sind unter mehreren Tausend Straßenparkplätzen Sensoren vergraben, im Londoner Stadtteil Westminster werden derzeit ebenfalls 3000 ausgerüstet. Und in Deutschland? Hier möchte der Unternehmer Thomas Hohenacker eine intelligente Infrastruktur aufbauen - und dafür sorgen, dass alle Autofahrer so einfach einen Parkplatz finden wie seine Frau.

"Sie hat offenbar das Parking-Karma und findet immer einen freien Platz", sagt der 57-Jährige über seine Gattin. Weil es aber auch Lösungen für Menschen geben sollte, denen diese Gabe verwehrt ist, will er die Parkbuchten vernetzen. Allerdings nicht mit Sensoren, die im Boden versenkt sind, sondern mit Sensoren, die zum Beispiel an Laternen über der Straße angebracht werden und ganze Straßenzüge scannen sollen.

Nach Ansicht von Hohenacker hat diese Technik den Vorteil, dass die Parkplätze nicht eingezeichnet werden müssen und der vorhandene Raum effizienter ausgenutzt werden kann - zum Beispiel, wenn dort viele kleine Autos parken. In der dazu passenden App soll der Fahrer dann gesagt bekommen, ob der freie Platz groß genug für seinen Wagen ist. Nach eigenen Angaben verhandelt Hohenacker derzeit mit der Stadt Hamburg sowie mit Autoherstellern mit Carsharing-Flotten über die Erprobung seines Konzepts.

Dürfen sich Deutschlands Autofahrer also darauf freuen, bald von ihren Parkplatzsorgen erlöst zu werden? Nicht ganz. Mal davon abgesehen, dass es wohl noch etwas dauern wird, bis die Infrastruktur zur Kommunikation bereit ist, hat die schöne neue Welt des Parkens auch ihre Tücken. Durch die Sensoren kann nämlich auch in Echtzeit festgestellt werden, ob die Parkuhr abgelaufen ist. Und dann gibt es auch das Knöllchen automatisch.

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