Automobile Fotokunst: Schöner Schrott

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Rost und Verfall haben für Troy Paiva eine besondere Ästhetik: Er fotografiert das Gegenteil von Hochglanz-Karossen, inszeniert Amerikas Schrott-Schönheiten in der Wüste und am Wegesrand - bei Nacht.

Troy Paiva ist ein sogenannter Urban Explorer. Für ihn haben Abflusskanäle oder Industrieruinen einen künstlerischen Wert. Lange bevor dieses Genre populär wurde, war der Amerikaner bereits in den Hinterhöfen der Vereinigen Staaten unterwegs.

Während die meisten Urban Explorer ihre Eindrücke für sich behalten, hat der Mann aus San Francisco mittlerweile so viele Fotos von seinen Streifzügen durch Geisterstädte, Wüstensiedlungen und Industriebrachen mitgebracht, dass es für Dutzende Galerien auf seiner Website Lost America und ein Buch gleichen Titels gereicht hat. Der nächste Bildband mit dem Titel "Night Vision: The Art of Urban Exploration" ist bereits in Arbeit.

Ein Schwerpunkt von Paivas Arbeit sind Autos. Gespenstische Drive-Thru-Restaurants, die Ruinen von Tankstellen und jede Menge Schrottplätze sind die immer wieder kehrenden Motive seiner Abenteuer.

Die ganz spezielle Stimmung des Mondlichts

Paiva fotografiert nach einigen Nachtexkursionen inzwischen nur noch bei Dunkelheit.. "Damals ist mir das gespenstische Licht aufgefallen, mit dem man Atmosphäre und Mystik dieser modernen Geisterstädte so perfekt einfangen kann", sagt er. "Mit den langen Belichtungszeiten zeichnen die Sterne ihre Spuren in den Himmel und die Wolken wischen ätherisch durchs Bild." Dass er arbeitet, wenn andere schlafen, stört ihn nicht. Schließlich ist er ja nicht jede Nacht unterwegs - auch wenn sein prall gefülltes Internetarchiv einen andern Schluss nahe legt.

Als Lichtquelle für seine Fotos nutzt er den Mond, und der muss dafür möglichst voll sein, berichtet der Künstler. "Für mehr als sechs bis acht Nächte im Monat reicht das Mondlicht nicht zum Fotografieren", sagt Paiva, so dass ihm an den restlichen Abenden genügend Zeit für andere Dinge bleibt. Die Bilder werden nicht aufgehellt. Doch mit farbigen Blitzlichtern und bunten Scheinwerfern verdichtet er die Atmosphäre des Motivs und zaubert neue Reize in die Ruinen.

Farbige Blitzlichter und bunte Scheinwerfer

Gemessen an professionellen Fotoproduktionen allerdings ist seine Ausrüstung bescheiden, lässt er durchblicken. Schließlich muss er den Plunder oft ziemlich weit schleppen, und Strom für große Scheinwerferanlagen gibt es in den Ruinen oft schon seit Jahrzehnten nicht mehr.

Warum es ihn dabei immer wieder zu den Friedhöfen der Mobilitätsgesellschaft zieht? "Weil ich Schrottplätze einfach liebe!"

Seinen Spuren durch die USA zu folgen, könnte mittlerweile schwierig werden, ernüchtert Paiva potenziellen Nachahmer. "Viele der Orte und Objekte auf meinen Fotos sind längst verschwunden. Von Bulldozern niedergewalzt, abgebrannt, eingeschmolzen oder einfach nur im Wüstensand ertrunken."

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Automobile Fotokunst: ...und niemals schläft der Rost


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