Hanffasern im Autobau: Gib Gras

Von Christian Frahm

Naturfasern im Autobau: Echte Hanfarbeit Fotos
Ford

Naturfasern sind wie geschaffen für die Autokonstruktion: Sie sind leicht und sicher. Trotzdem setzen die Hersteller die Bioware nur spärlich ein. Dabei schwor schon Henry Ford auf Karosserien aus Hanf - bis ihm ein Anti-Kiffer-Gesetz in die Quere kam.

Von der Plantage auf die Plattform: In modernen Autos stecken im Durchschnitt fünf bis sieben Kilogramm Naturfaserwerkstoffe. Ersatzradmulden werden zum Beispiel aus Bananenfasern gebaut, in Sitzlehnen stecken Flachs-, Hanf- und Kokosfasern, verarbeitete Olivenkerne kommen bei der Tankentlüftung zum Einsatz und Baumwolle und Sisal in Dämmplatten. Beim Prototyp Eco Elise von Lotus wurden sogar ganze Karosseriebauteile und der Spoiler aus einem Verbundstoff mit Hanffasern hergestellt.

Die Vorteile dieser Materialien: geringes Gewicht und eine hohe passive Sicherheit, da die Teile stumpf abbrechen und keine scharfen Kanten bilden. Außerdem lassen sich Hanfkomponenten umweltschonend wiederverwerten. Trotzdem hat sich die Verwendung von Naturfasern im Autobau bisher nicht durchgesetzt.

"Bauteile aus natürlichen Verbundwerkstoffen sind noch zu teuer, um sie auf dem Massenmarkt anzubieten", erklärt Hans-Bernhard von Buttlar, Agrarwissenschaftler bei der Ingenieurgemeinschaft für Landwirtschaft und Umwelt in Göttingen. Es gibt in Europa einfach zu wenige Firmen, erklärt er, die Hanffasern und Harz passend verarbeiten und die Autoindustrie beliefern können. Die benötigt vor allem lange Matten aus den Rohmaterialien.

Außerdem erfüllt der Naturfasereinsatz nicht die hohen Anforderungen, die an viele Autobauteile gestellt werden. Die Biokomponenten normgerecht zu optimieren würde sie noch teurer machen, sagt von Buttlar. "Natürlich forschen die Autohersteller in diesem Bereich. Allerdings wird das Potential längst nicht genutzt, weil keine zwingende Notwendigkeit besteht."

Henry Ford und die Marihuana-Steuer

"Naturfasern bleibt vorerst nur die Nischenanwendungen", glaubt auch Klaus Dippon, Geschäftsführer der Firma Biocomposites and More in Ipsheim. Er beschäftigt sich schon seit langem mit der Herstellung von Verbundwerkstoffen. "Vor etwa 15 Jahren noch war das Interesse an Naturfasern für den Automobilbau sehr groß, und die EU vergab Subventionen an forschende Unternehmen", erinnert sich Dippon. Inzwischen sind die Gelder gestrichen, von den ehemals sechs Nutzhanfbetrieben in Deutschland ist nur ein einziger übriggeblieben.

Vielleicht wäre alles anders gekommen, wenn der legendäre Autobauer Henry Ford vor mehr als 70 Jahren einen speziellen Prototyp zur Vollendung gebracht hätte. Ford stellte 1941 in Dearborn das sogenannte Hemp-Car (Hanf-Auto) vor. Auf einen klassischen Stahlrahmen waren bei dem Modell insgesamt 14 Karosseriebauteile konstruiert, die aus einem mit Harz versetzten Gemisch aus Hanf- und Sojafasern bestanden.

Der Wagen wog nur 900 Kilogramm und damit rund ein Drittel weniger als ein damals herkömmliches Auto. Die Karosserie, auf die Ford das US-Patent 2.269.452 erhielt, war außerdem deutlich stoßfester als Modelle aus Stahlblech. Ford tönte gar, das Auto könne sich überschlagen, ohne dabei auseinanderzubrechen.

Das Hemp-Car galt zunächst als revolutionäre Erfindung, doch weiterentwickelt wurde es nie. Ein Grund war der bereits 1937 verabschiedete "Marihuana Tax Act", der Hanf in den USA extrem teuer und den Anbau im industriellen Stil unrentabel machte. Starke Lobbygruppen, unter anderem die Firma Dupont, die damals die aus Erdöl gewonnene Kunstfaser Nylon auf den Markt gebracht hatte, sowie etliche Ölfirmen und Papierhersteller, unterstützten die Hanfbesteuerung.

Womöglich erlebt "das Auto, das auf dem Acker wächst" künftig aber doch noch eine Renaissance. Schließlich lassen sich Biowerkstoffe für den Leichtbau verwenden. Der ist vor allem bei Elektroautos wichtig, damit sie energiesparender fahren können. Wenn Ende 2013 zum Beispiel das E-Mobil BMW i3 auf den Markt kommt, wird es nicht nur ein Alu-Chassis und eine Karbon-Karosserie haben, sondern auch eine Instrumententafel und Türverkleidungen aus Naturfasern.

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insgesamt 59 Beiträge
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1. Hanf-Auto
separatist 14.03.2013
wenn das Auto kaputt geht, wird es geraucht anstatt verschrottet.
2.
statussymbol 14.03.2013
Zitat von sysopNaturfasern sind wie geschaffen für die Autokonstruktion: Sie sind leicht und sicher. Trotzdem setzen die Hersteller die Bioware nur spärlich ein. Dabei schwor schon Henry Ford auf Karosserien aus Hanf - bis ihm ein Anti-Kiffer-Gesetz in die Quere kam.
Man munkelt ja dass die "Anti-Kiffer"-Gesetze in Form einer großen Propagandawelle eigentlich aus genau dem Grunde initiiert wurden - weil es in der Industrie gewünscht war Hanf als Konkurrenzprodut zu vernichten - denn Hanf wächst wie Unkraut, der Anbau ist billig und man kann allerhand Zeugs damit herstellen. Das war der damaligen Polymerindustrie natürlich ein Dorn im Auge... Bevor jetzt jemand "Verschwörungstheorie" schreit - ich bin absoluter Anti-Verschwörungstheoretiker, aber z.T. wurden solche Aussagen von den Beteiligten von damals selbst getroffen.
3. Antikiffergesetz?
DerScheinTrügt 14.03.2013
Zitat von sysopNaturfasern sind wie geschaffen für die Autokonstruktion: Sie sind leicht und sicher. Trotzdem setzen die Hersteller die Bioware nur spärlich ein. Dabei schwor schon Henry Ford auf Karosserien aus Hanf - bis ihm ein Anti-Kiffer-Gesetz in die Quere kam. Autos aus Hanf: Naturfasern werden in der Karosserie verbaut - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/autos-aus-hanf-naturfasern-werden-in-der-karosserie-verbaut-a-878973.html)
Daß der Hanf heute verboten ist, hat nichts mit Kiffen zu tun, sondern damit, daß der Schwiegersohn des Pressezaren William Randolph Hearst Maschinen herstellte, mit denen aus Holz (statt wie vorher aus Hanf) Papier gemacht werden konnte. Um mit diesen Maschinen den Markt zu erobern, mußte der viel umweltverträglichere Hanf verboten werden.
4. Fiberweed
spon_ge_bob 14.03.2013
Ungeschlagen, der grüne YESCA Fiberweed Van von Cheech and Chong in "Up in smoke" (1978): http://www.youtube.com/watch?v=k2pXxHW1DHs
5.
flachmaster 14.03.2013
Nur leider zeigt der Aufmacher das falsche Auto. Zu sehen ist ein normaler 41er Ford Sedan. Also nicht einfach nur Bilder von Flickr zusammenklauben sondern vielleicht doch mal eine Minute mehr Zeit aufwenden.
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