Autos der Präsidentschaftskandidaten Japanischer Pkw erzürnt McCain-Gegner

Ein Toyota Prius macht John McCain Probleme: US-Gewerkschafter sind erbost, weil der republikanische Präsidentschaftskandidat ein Auto dieses Typs gekauft haben soll. Auch Barack Obama hatte bereits Ärger - sein Spritschlucker irritierte die Ökofraktion.


Hamburg - Ron Gettelfinger, der mächtige Chef der US-Autobauer-Gewerkschaft UAW, bezeichnete McCain diese Woche als "Flip-Flopper" (Wendehals). Der Hintergrund des etwas bizarren Anwurfs: Meghan McCain, die Tochter des republikanischen Senators, fährt einen Toyota Prius. "Ich habe ihn gekauft", hatte McCain kürzlich laut "New York Times" erklärt. Später behauptete er, seine Tochter habe den Wagen selbst bezahlt.

John McCain vor seinem Wahlkampfbus: Vorsicht vor japanischen Autos
AP

John McCain vor seinem Wahlkampfbus: Vorsicht vor japanischen Autos

Unter ökologischen Gesichtspunkten mag der Prius eine vorbildliche Wahl sein - aber er ist eben nicht "Made in USA". Weil die US-Autoindustrie am Boden liegt und ein Präsidentschaftskandidat superpatriotisch zu sein hat, kreiden Gewerkschafter McCain den mutmaßlichen Prius-Kauf nun als unamerikanisch an. "Die amerikanischen Arbeiter brauchen einen Präsidenten, der sie stets unterstützt", donnerte Gettelfinger, dessen Organisation die Wahl Obamas empfiehlt.

Was sein eigenes Auto angeht, ist McCain hingegen unangreifbar. Wenn er nicht gerade mit seinem Wahlkampf-Bus, dem "Straight Talk Express", unterwegs ist, fährt er das Oberklassemodell Cadillac CTS.

In Deutschland bekommen Politiker mitunter wegen ihrer durstigen Dienstwagen Ärger - die privaten Vorlieben von Regierungsvertretern sind hingegen nicht von Interesse. In den USA ist das völlig anders: Dortige Medien recherchierten bereits zu Beginn des Wahlkampfs, welcher Kandidat welches Auto in der Garage stehen hat.

Al Gore musterte seinen Toyota-Fuhrpark aus

Die Amerikaner haben sich bis heute nicht von der traumatischen Erfahrung erholt, dass die einst heimischen Big Three (General Motors, Ford und Chrysler) inzwischen nur noch ein Schatten ihrer selbst sind - woran vor allem die aggressive Konkurrenz aus Japan schuld ist.

Entsprechend groß ist der öffentliche Druck auf Politiker. So tauschte der ökobewegte Demokrat Al Gore laut "Business Week" seinen Hybrid-Fuhrpark (zwei Prius und ein Lexus) gegen einen Mercury Mariner ein, nachdem ihn UAW-Boss Gettelfinger zuvor öffentlich gerügt hatte.

Auch Barack Obama hatte mit seinem Auto Scherereien: Der Demokrat gibt sich gerne grün und fordert einen Aktionsplan, der die Entwicklung von Autos mit einem Verbrauch von 1,6 Litern auf 100 Kilometer forcieren soll. Gleichzeitig kritisiert er, Detroit habe zu lange auf große Spritschlucker besetzt. Bis Mitte 2007 fuhr er jedoch privat einen Chrysler 300C Hemi, dessen 5,7-Liter-V8-Maschine mehr als zwölf Liter auf 100 Kilometer süffelt. Erst nachdem Blogger das Thema aufgriffen, kaufte sich Obama einen Ford Escape Hybrid.

Das Presidential State Car wartet

Zumindest einer der beiden Politiker muss sich ab kommendem Jahr mit solchen Problemchen nicht mehr herumschlagen. Er darf sich dann im so genannten Cadillac One durch die Gegend kutschieren lassen. Das von Geheimdienstleuten wegen seiner massiven Fünf-Zoll-Panzerung auch "Die Bestie" genannte Fahrzeug wiegt mehrere Tonnen und hat einen superstarken Spezialmotor. Sein Spritverbrauch ist ein Staatsgeheimnis.

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