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Autos der Zukunft: Ruhe da drinnen

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Auto-Innenräume der Zukunft: Zuflucht-Fahrzeug Fotos
Rinspeed

Das Auto der Zukunft wird eine Mischung aus Büro und Relaxzone. So malen es sich die Hersteller aus. Der Wagen steuert sich selbst, der Mensch hat Zeit für anderes. Ein bisschen Traditionspflege muss dennoch sein.

Gas geben, bremsen, blinken, lenken - in Zukunft sollen Autos das ganz allein erledigen. Autonomes Fahren lautet das Stichwort. Aber was macht der Mensch, während der Wagen durch den Verkehr steuert?

"Bis heute hat kaum jemand das Thema aus Sicht des Fahrers konsequent zu Ende gedacht", sagt Frank M. Rinderknecht, Chef der Schweizer Entwicklungsfirma Rinspeed. "Schließlich muss ich während der autonomen Fahrt nicht weiter wie gebannt auf die Straße schauen, sondern kann mich sinnvolleren Dingen zuwenden."

Allerdings müssten dann die Autoinnenräume anders aussehen. Heute hockt man eingepfercht auf seinem Sitz - in Zukunft, wenn das Auto automatisch fährt, kann man lümmeln, liegen oder sich den Mitfahrern zuwenden.

Eine Brille erlaubt den Blick in die Zukunft

Wie das aussehen könnte, demonstrierte die Rinspeed-Studie Xchange im Frühjahr auf dem Autosalon in Genf. Im März 2015 wird Rinspeed abermals eine Studie zeigen, bei der sich das Lenkrad wegklappen lässt, um Platz zu schaffen für Zeitung, Laptop oder Kartenspiel. Budii heißt das Gefährt, ein Kumpel ("Buddy") auf Rädern sozusagen.

Beim Autohersteller Mercedes laufen ähnliche Experimente. Wer sich im Entwicklungszentrum Sunnyvale im kalifornischen Silicon Valley eine "Virtual-Reality-Brille" aufsetzt und in eine futuristisch gestaltete Sitzgruppe fläzt, verlässt Raum und Zeit - und sitzt plötzlich in einem Mercedes ohne Fahrer.

"2030 fahren unsere Autos auf weiten Strecken autonom", ist sich Harmut Sinkwitz sicher. "Aber wie diese Autos innen aussehen, darüber gibt es noch sehr unterschiedliche Vorstellungen", sagt der Leiter des Interieur-Designs bei Mercedes. Wenn es nach ihm geht, ähnelt der Mercedes einem Wohnzimmer.

Beim Blick durch die Brille bietet sich folgende Szene: Beim Losfahren noch nach vorn gerichtet, wird der Fahrersitz - der eher ein Lounge-Sessel ist - nach hinten gedreht. Man befindet sich in einer luftigen Kabine mit großen Panoramafenstern. Darin befindet sich ein Konferenztisch, der sich auf Knopfdruck über dem ebenen, mit Parkett ausgelegten Fußraum entfaltet. Auf der digitalen Arbeitsplatte kann man im Internet surfen, spielen oder arbeiten.

"Der wahre Luxus"

Überhaupt scheint das Interieur vor allem aus Bildschirmen zu bestehen. Die Türen sind damit verkleidet, und statt der Heckscheibe ist ein Display installiert. Mal steigen darauf Luftblasen auf, mal laufen E-Mails ein oder Video-Downloads werden empfangen. Sobald man die Hand ausstreckt, erscheinen dank einer sogenannten Eyetracking-Funktion und Sensoren an der jeweils passenden Stelle virtuelle Bedienelemente. "Beim autonomen Fahren gibt es keinen Fahrer mehr und keinen dezidierten Fahrersitz", sagt Sinkwitz. "Man kann das Auto von jedem Platz aus steuern."

Mehr noch als heute soll diese schöne neue Innenwelt des Autos dazu dienen, sich von der Außenwelt abzukapseln. "Privat- und Intimsphäre, Ruhe und Entspannung werden dann der wahre Luxus sein", glaubt Daimler-Zukunftsforscher Alexander Mankowsky. Der Mercedes als Zufluchtsort.

Ein Lenkrad als Abgrenzung zu Google

Vieles ist neu in dieser Vision für das Jahr 2030. Doch spätestens wenn der Fahrer den Sitz nach vorn dreht, wird die Umgebung wieder vertraut. Aus dem Boden surren dann zwei Pedale hervor und aus dem Armaturenbrett schiebt sich ein Lenkrad in Position.

"Technisch erforderlich sind solche Bedienelemente künftig nicht mehr", sagt Designer Sinkwitz. "Deshalb haben wir lange überlegt, ob wir sie nicht einfach weglassen sollen." Dass sie immer noch da sind, hat laut Sinkwitz mit Vertrauen zu tun, mit dem Gefühl, im Fall der Fälle selbst eingreifen zu können. Und auch mit der Abgrenzung zum völlig autonomen Google-Auto, das schon heute gar kein Lenkrad mehr hat. Sinkwitz: "Wir zeigen so , dass wir keine Computerfirma sind, sondern noch immer ein Automobilhersteller."

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insgesamt 90 Beiträge
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1. Zukunftsforscher ...
bissig 20.12.2014
mal abgesehen, dass ich nicht glaube, dass wir in 16 Jahren so weit sind - Pedale und Lenkrad werden auf dem Weg zum selbstfahrenden Auto wahrscheinlich zunächst durch Joysticks ersetzt.
2. Tja, das ist doch zum Kotzen...
yogibimbi 20.12.2014
...bei mir, seitdem ich Kind bin. Wenn ich auch nur 1 Minute nach unten auf irgendwas lesbares schaue, kann ich schon die Kotztüte klar machen. Wenn ich am Steuer sitze, passiert das nicht, aber ansonsten, auf allen anderen Sitzen, kann ich nur stur geradeaus blicken. In Bussen ist das auch so. Schlafen geht auch nicht, höchstens vor Erschöpfung, und das ist ja auch nicht so im Sinne des Erfinders. Es gibt ja schon ein Fortbewegungsmittel, in dem auch ich mich meinen Mitfahrern zuwenden kann, wo ich lesen kann, wann ich will, Filme schauen, solange die Batterie hält. Das einzige, was da fehlt, ist dass die Züge pünktlich sind (oder die Umsteigepuffer auf die Unpünktlichkeit der Bahn angepasst werden, wie man das in Holland macht), aber solange die Bahn-Manager ihr Produkt nicht selber benutzen, wird das nix.
3. Zu viel Zukunftsmusik
j.vantast 20.12.2014
Jeder, der sich mit moderner Technik befasst, wird ganz stark daran zweifeln das wir bereits im Jahr 2030 autonom fahren werden. Nicht zuletzt muss diese Technik zunächst erst einmal bezahlbar und vor allem zuverlässig werden. Gegen das automatische Blinken habe ich jedoch nichts, denn der Autofahrer von heute hat es offenbar gänzlich verlernt eines der wenigen zur Verfügung stehenden Kommunikationsmittel unter den Verkehrsteilnehmern zu benutzen. Auch gegen grosszügige Panoramafenster hätte ich nichts, denn sie würden die Autos, die heute bestenfalls über Schießscharten verfügen, deutlich übersichtlicher machen. Allerdings gab es grosszügige Panoramascheiben bereits in den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Neu ist das also bei weitem nicht. Dieser Beitrag hier erinnert mich stark an die Prophezeiungen aus den "Hobby" Heften der 60er Jahre. Letztlich ist aber doch alles ganz anders gekommen.
4. erstmal Solarzellen als Straßenbelag
kinngrimm 20.12.2014
Neue Autokonzepte sind schön und zu begrüßen. Eines der Googlevermessung Autos ist in den USA 100000 km(Meilen?) ohne Fahrer und ohne Unfall gefahren. Wir könnten also schpn vor 2030 bie dieser Zukunftsversion angelangen. Ich sehe aber aber eine andere Lösung für ein anderes Problem als viel wichtiger an. Bei Solarzellen sind wir bereits bei 40% Effiziens angelangt. Ein neues Patent für Solar Roadways macht sich dies zunütze und es werden Straßenbeläge mit integrierten Solarzellen bereits hergestellt. Sowohl Kommunen in den USA wie auch Norwegen setzten dies Pflasterstein-artigen Straßenbelag ein. Je mehr sich dieser durchsetzt, desto wahrscheinlciher werden auch Kombinationen die ein betanken von Elektroautos zulassen, sei dies auf Parkplätzen die aus Solar Straßenbelag bestehen oder an Ampeln. Statt Milliarden für neue Kernkraftwerke zu verschleudern wie dies von der Energie Lobby gefordert wird in Europa, welche dann von Steuergeldern gebaut und an die Energy Konzern verschenkt werden, wo wir dann für den Strom Gebühren zahlen dürfen und am Ende auch für die Entsorgung aufkommen werden, sollten die Kommunen Ihre Parkplätze und Straßen Schritt für Schritt ersetzen und so langfristig auch eine kommunale Einnahmequelle schaffen.
5. Ausfahrbares Schreibtischchen. Muss das sein?
diana211 20.12.2014
Eigentlich wären Liegesitze oder Massagebänke mit einer netten Begleitperson doch viel praktischer. Mit dem Smartphone wähle ich mir dann morgens die gewünschte Massage aus und kurze Zeit später fährt der passende autonom fahrende Wagen vor. ;-)
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