An Glanz und Glamour wird es bei der 83. Auflage des Automobilsalons in Genf ab 7. März nicht fehlen. Ferrari wird einen neuen Supersportwagen vorstellen, McLaren ein Hybrid-Geschoss mit mehr als 900 PS, Rolls-Royce hat das Modell Wraith angekündigt, das bislang stärkste Prunkmobil der Marke, und Bentley ist selbstverständlich auch mit von der Partie: Die neue Limousine Flying Spur schafft 322 km/h und ist damit der bislang schnellste Viertürer der Briten. In der obersten Etage des Automarkts brummt das Geschäft.
Der große Rest der Hersteller jedoch ist auf Schlingerkurs - und das wird in Genf deutlich zu spüren sein.
"Die Branche befindet sich in einer Transformationsphase", sagt Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach. "Die Messe in Genf fällt in eine Zeit großer Ratlosigkeit, zumindest was Europa betrifft." Ein Grund dafür sei zum Beispiel die massive Ungleichheit unter den großen Herstellern. "Einige globalisierte Konzerne wie VW, BMW, Toyota, Hyundai-Kia und mit Abstrichen auch noch Daimler fahren Rekordgewinne ein", sagt Bratzel, "andere wie etwa Peugeot-Citroen oder Fiat stecken in tiefgreifenden Krisen". Das liege auch daran, dass der europäische Automarkt nun schon seit sechs Jahren praktisch am Boden liege.
Der Elektro-Hype ist vorbei
Gerade in so einer Phase könnten frische Produktideen belebend wirken - doch es gibt sie nicht. Vor ein paar Jahren noch war ein Bummel über den Autosalon in Genf wie ein Spaziergang durch die Zukunft: Elektroautos, Sparmobile, überraschende Studien. In diesem Jahr wird es kaum derartige Aufbruchsignale geben. Wer Autohersteller auf den Mangel an visionären Fahrzeugen anspricht, wird fast mitleidig darauf hingewiesen, dass "der Elektro-Hype endgültig vorbei" sei. Dabei war es doch die Autoindustrie, die diesen Hype mit immer neuen Elektro-Prototypen eine Zeitlang konsequent befeuerte.
Davon ist in den Palexpo-Hallen nichts mehr zu sehen.
Wenn das alles ist, was Tausende von Ingenieuren in dieser Branche zum Thema Zukunftsmobilität zuletzt auf die Räder gestellt haben, dann scheint die gegenwärtige Krise längst nicht nur ökonomischer Natur zu sein.
Die Autos, die bei dieser Show im Scheinwerferlicht stehen werden, sind im Grunde alte Bekannte in frischem Lack. Ein paar beispielhafte Premieren-Kandidaten:
Es ist einfach alles schon ausprobiert
Warum trotz der zahlreichen Neuheiten kein Trend sichtbar wird? Einerseits, weil nahezu alle Karosserie-Mixturen bereits ausprobiert wurden und deshalb kaum ein Auto wirklich neu und überraschend aussieht. Nach allem, was im Vorfeld bekannt wurde, dürfte auf dem aktuellen Salon lediglich die Studie Minimax der Schweizer Firma Rinspeed wirklich ungewöhnlich wirken. Das Fahrzeug ist eine Art Minibus mit Stehplätzen für die Passagiere.
Ein weiterer Grund für das Fehlen von Trends: Da fast alle Hersteller inzwischen Baukastensysteme etabliert haben, um die Entwicklungskosten zu senken, sind die Plattformen und Komponenten vieler Modelle - ganz unabhängig von der Karosserieform - praktisch identisch. Im Umkehrschluss hat jede technische Veränderung immense Auswirkungen. Innovationen werden dadurch eher behindert als gefördert.
Die Stars der Show? Werden wohl die eingangs erwähnten Luxusschlitten sein. Antworten auf die Herausforderungen der Autobranche geben diese Autos nicht. Aber immerhin werfen Autos wie der voraussichtlich rund eine Million teure neue Ferrari Supersportwagen satte Gewinne ab. Jürgen Pieper, Autoanalyst des Bankhauses Metzler: "Bei solchen Highend-Fahrzeugen sollte die Marge irgendwo bei 20 Prozent liegen." Das ist, gerade in Krisenzeiten, auch was wert.
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