Konzeptautos von Rinspeed Autopilot, übernehmen Sie!

Der Schweizer Autobauer Rinspeed präsentiert regelmäßig verrückte Showcars auf dem Genfer Autosalon. Dieses Mal hat Firmenchef Frank Rinderknecht einen i3 dabei, der von einem cleveren Assistenten gelenkt wird.

Rinspeed

Es sind die großen Zukunftsthemen der Branche: Mit Carsharing, autonomen Autos und abgefahrenem Fahrzeuginterieur geben sich Hersteller wie BMW, Mercedes, VW oder Toyota einen innovativen Anstrich. Aber all das konnte man schon vor ein paar Jahren auf dem Autosalon in Genf sehen - auf dem Messestand von Frank Rinderknecht.

Seit über 20 Jahren gibt der Schweizer mit seiner Firma Rinspeed den Paradiesvogel der PS-Branche. In Genf überrascht er regelmäßig aufs Neue mit einem spektakulären Showcar. Waren das früher vor allem Spaß- und Spielmobile wie der Splash oder der Squba, hat sich der 59-jährige Querkopf mittlerweile zum Vordenker und Visionär entwickelt.

Seine Studie XchangE von 2014, ein autonomes Auto mit Lounge-Interieur, kann man zum Beispiel als Blaupause für das Mercedes-Showcar F015 verstehen.

Im Rinspeed XchangE wird das Auto zur Lounge
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Im Rinspeed XchangE wird das Auto zur Lounge

Und der Budii, den er derzeit auf dem Salon zeigt, ist so etwas wie der konsequent zu Ende gedachte BMW i3. Denn der Kleinwagen, dessen Karosserie wie eine brennende Wunderkerze leuchtet, nutzt zwar die Carbonkarosse und den elektrischen Antrieb des i3, sieht aber besser aus und hat obendrein die intelligenteren Assistenten: Der Fahrer kann sich bequem zurücklehnen, wenn ein kleiner Roboter das Lenkrad aus dem Weg klappt und die Fuhre allein ans Ziel bringt. Der Autopilot wird zum besten Freund des Menschen. Ein Buddy - zu Deutsch Kumpel - eben, oder halt ein Budii.

Blick durch den Budii
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Blick durch den Budii

Rinderknecht hat lauter renommierte Zulieferer im Boot: den Elektronikspezialisten Harman, den Klimaexperten Eberspächer oder den Anlagenbauer Kuka. Und seine Autos baut er - im Vergleich zu den Großserienherstellern - mit einem Zehntel der Mannschaft und in einem Viertel der Zeit. Doch bisher hat er noch keinen einzigen Franken mit seinen Kreationen verdient. Früher musste er die Showcars sogar verkaufen, um für den Bau des jeweils nächsten Autos wieder genügend Geld zu haben. "Ideen kann man eben nicht patentieren, nur Technologien", sagt der Schweizer. "Und die entwickeln am Ende andere."

Trotzdem legt er großen Wert darauf, dass seine Studien größtenteils tatsächlich funktionieren. Und an Anfragen, ein Serienfahrzeug zu entwickeln, hat es ihm zufolge auch nicht gemangelt. Doch stets habe er abgelehnt. "Wir selbst können mit Kinderkrankheiten bei unseren Autos leben", erklärt Rinderknecht, "aber einem Kunden wollten wir das nicht zumuten. Bei einer Kleinserie könnten wir einem Auftraggeber nie die Qualität bieten, die er bei dem sicherlich hohen Preis erwarten dürfte."

Aber warum baut da einer mit großen Aufwand Autos, wenn sie danach nicht verkauft werden?

"Ganz falsch kann ich ja nicht gelegen haben"

Die Antwort ist einfach: Weil es für sein Geschäftsmodell keine bessere Werbung geben könnte als die verrückten Messefahrzeuge. Rinderknecht startete sein Unternehmen mit dem Import und Einbau amerikanischer Sonnendächer und verlagerte sich dann auf so schräges wie protziges Tuning von Autos. Diese Sparte hat er mittlerweile aber an den Fahrzeugveredler Mansory verkauft. Heute sieht er seine Firma als kreativen Thinktank, der etablierte Autohersteller mit Denkanschüben unterstützt.

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Konzeptautobauer Frank Rinderknecht: Der Studien-Meister

"Weil man ein Bauchgefühl nicht in eine Powerpoint-Präsentation packen kann, grübeln wir nicht lange herum, sondern probieren es einfach aus", beschreibt Rinderknecht seine Philosophie. "Wenn eine Idee bei uns scheitert, dann ist das kein Beinbruch. Und wenn wir sie umsetzen, können die Autohersteller auf den Zug aufspringen."

Dass seine Ideen regelmäßig umgesetzt und von den Großserienherstellern aufgenommen, kopiert oder weiterentwickelt werden, betrachtet Rinderknecht deshalb nicht als Plagiat, sondern als Ritterschlag. "Ganz falsch kann ich ja nicht gelegen haben, wenn Mercedes oder BMW meine Gedanken weiterspinnen", freut sich der Vordenker.

Und wenn es dann doch mal einer ganz genau wissen will mit dem geistigen Eigentum, dann zitiert Rinderknecht den Slogan einer anderen Schweizer Marke, die noch berühmter ist als seine eigene. Aus seinem polyglotten Denglisch fällt er dafür kurz in einen Schweizer Dialekt und stellt nur eine leise Frage: "Wer hat's erfunden?"



insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
chjuma 07.03.2015
1. Es müsste
mehr solche Querdenker geben!!!
noalk 07.03.2015
2. sexistisches Bild
Das 2. Bild mit dem Interieur als Lounge: Vorne die Frau mit kurzem Rock, hinten der Mann mit Hose. Die TV-Affäre Suding lässt grüßen!
gympanse 07.03.2015
3.
Wenn man bedenkt, dass Audi den A2 komplett aus Alu mit einem fahrbarem Gesamtgewicht von unter einer Tonne trotz guter Sicherheitsmerkmale und Komfort bereits 1999 gebaut hat und er eigentlich nur relativ schlecht ging weil "zu hässlich", aufgrund der ökonomischen Form und zu teuer wegen den Werkstoffen, obwohl das er mit dem größten Motor sogar über 200km/h fuhr, kann man sich über den langsamen Fortschritt von BMW und anderen etablierten Marken Weltweit nur wundern. In der IT wären alle schon lange tot.
Bärthold 07.03.2015
4.
Ich glaube, es würde Spaß machen, dort zu arbeiten. Statt hier alle zwei Jahre die gleiche Scheisse mit schärferen Radien und engeren Fugen in immer kürzerer Zeit für immer weniger Geld zu entwickeln...
dennis_89 09.03.2015
5. @noalk
ich hoffe, dass das nicht Ihr Ernst ist....
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