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Infiniti-Strategie: Innen Daimler, außen Geschmackssache

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Nissan-Luxustochter Infiniti: Alles A-Klasse oder was? Fotos
Infiniti

Infiniti ist in Europa eine Nischenmarke. Das Selbstbewusstsein des neuen Markenchefs schmälert das kaum. Er sieht den noblen Nissan-Ableger bald auf Augenhöhe mit Mercedes und Co. - und tatsächlich nutzt er Daimler-Technik.

Infiniti, was war das noch mal? Eine Lautsprechermarke, stimmt. Aber die wird mit einem y am Ende des Namens geschrieben, nicht mit einem i. Also, was nun? Eine Automarke? Gibt's doch gar nicht. Doch, gibt's, kennt nur in Deutschland kaum jemand. Manch einer wird sich vielleicht mal über einen SUV gewundert haben, der aussieht wie eine aufgedunsene Version von Nissans Juke. Aber mit dem darauf prangendem Markenlogo kann wohl kaum jemand etwas anfangen.

Dabei klingen die Zahlen des edlen Nissan-Ablegers bombastisch. Welche selbst ernannte Premiummarke in Deutschland kann sonst ein Wachstum von 95,8 Prozent in einem Jahr für sich beanspruchen? Der neue Infiniti-Präsident Roland Krüger müsste auf das Geschäft in Westeuropa mächtig stolz sein. Doch leider, leider sind da ja noch die absoluten Zahlen: Gerade einmal 4800 Autos hat Infiniti in Europe im vergangenen Jahr verkauft, in Deutschland waren es sogar nur 1015. In Amerika, China oder Russland erscheinen Autos wie die Mittelklasse-Limousine Q50 oder der SUV QX70 bei weltweit immerhin knapp 190.000 Zulassungen im vergangenen Jahr zumindest regelmäßig im Straßenbild. Bei uns sind sie gefühlt so selten wie ein Ferrari oder ein Lamborghini - und die fallen wenigstens auf.

Krüger war mal Deutschland-Chef von BMW. Da hat er in einer Woche mehr Autos verkauft als Infiniti in einem Jahr. Er sieht sein neues Baby trotzdem auf Augenhöhe mit den sogenannten Premiumanbietern aus dem deutschen Süden. Und er glaubt fest daran, dass das Europa-Geschäft irgendwann einmal profitabel sein wird. "Wir wollen hier nicht nur Flagge zeigen, sondern tatsächlich Geld verdienen."

Eine A-Klasse im neuen Kleid

Auf konkrete Zahlen will sich Krüger im Interview trotzdem lieber nicht festnageln lassen. Stattdessen rattert er routiniert die gängigen Glaubenssätze des Business herunter: "Wir weiten unser Modellprogramm jetzt sukzessive aus und besetzen neue Segmente." Damit meint er vor allem die Kompaktklasse, von der er sich gerade in Europa größeren Zuspruch erhofft: Denn nachdem Infiniti bereits vergangenen Herbst in Paris den flachen Q30 präsentiert haben, hat Krüger jetzt in Genf als QX30 das offenbar unvermeidbare Crossover-Modell dazu enthüllt.

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Die Autos haben die Japaner nicht alleine entwickelt. Schützenhilfe leistet ausgerechnet einer der größten Konkurrenten: Mercedes. Im Q30 steckt eine A-Klasse, der QX30 basiert auf dem Mercedes GLA. Möglich wird das durch die Allianz von Daimler und Renault-Nissan, von der Infiniti schon heute profitiert. Schließlich ist auch der Dieselmotor in Q50 und Q70 ein Daimler-Triebwerk.

Dabei legt der Infiniti-Chef - natürlich - Wert darauf, dass seine Ingenieure nicht einfach Mercedes-Technik übernehmen. Er deklariert das energisch als "gemeinsame Entwicklungen", die für jede Marke entsprechend ausgeprägt seien.

Dass sich Daimler mit der Schützenhilfe einen ernsthaften Konkurrenten heranzüchtet, steht kaum zu befürchten. Selbst wenn die 30er-Familie laut Krüger das Zeug zum meistverkauften Infiniti hat und irgendwann den Q50 mit seinen weltweit rund 50.000 Zulassungen überflügelt. Der Abstand zu Mercedes bleibt schier unüberwindbar - die Kompaktklasse findet dort einen Absatz von fast 500.000 Autos im Jahr.

Als Designermarke gegen die Platzhirsche

Bis Infiniti diese Dimensionen erreicht, drängt sich erst einmal der Vergleich mit Lexus auf. Schließlich ist dieser Toyota-Ableger zehn Jahre vor Infiniti mit einer ganz ähnlichen Zielsetzung gegründet worden - und tut sich zumindest in Europa gegen die Platzhirsche ebenso schwer. In Deutschland haben sich die steigenden Zulassungszahlen von Infiniti und die fallenden Absatzzahlen von Lexus so weit angenähert, dass zwischen den beiden Marken Ende vergangenen Jahres nur noch 300 Zulassungen lagen.

Was Infiniti neben dem breiteren Portfolio noch fehlt, ist das Profil. Mit Audi, Mercedes und BMW verbinden die Kunden traditionell gewisse Werte, und mit dem konsequenten Einsatz der Hybrid-Technologie hat sich auch Lexus ein Image geschaffen. Mit Infiniti verbinden die meisten Deutschen - nichts. Krüger sieht das natürlich anders und nennt Infiniti eine Designermarke, die sich allein schon durch ihren Auftritt abhebt.

Dass sich die Marke technischer Errungenschaften wie zum Beispiel des sportlichsten Hybridantriebs in der Oberliga oder fortschrittlicher Assistenzsysteme rühmen kann, hat sich bislang noch nicht herumgesprochen. Das räumt sogar der Markenchef ein. "In der Kommunikation haben wir da noch Nachholbedarf."

Das Portfolio schmal und das Profil blass - Firmenchef Roland Krüger weiß, dass es noch ein weiter und harter Weg ist, bis er Infiniti in Europa tatsächlich etabliert hat. Aber mit weiten und harten Wegen kennt er sich aus. Nicht umsonst ist er vor zwei Jahren als erster Deutscher allein zum Südpol marschiert.

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1. Allein zum Südpol...?
fiftysomething 05.03.2015
Reicht der materielle Erfolg nicht mehr, um im Boysclub einen auf dicke Hose zu machen? Allein zum Südpol? Mann Mann Mann....
2. Daimler-Texhnik?
Jobuch 05.03.2015
Das sollte man lieber verheimlichen, denn rausposaunen. In Japan lebt offenbar immer noch die Erinnerung an die legendäre Zuverlässigkeit der Baureihen der 60er bis zum Baby-Benz. Die Vorstellung, daß heutige Benze auch nur annähernd zuverlässig seien, verdanken sie eben dem Glanz eben dieser Baureihen, ist aber ein Mythos. Da sind andere heute zuverlässiger.
3. Das Design!
jrzz 05.03.2015
Hm, Schönheit liegt im Auge des Betrachters... Irgendwie komisches Design - zumindest für mich und offensichtlich auch für viele andere. Aber das ist Geschmackssache - und da ist der deutsche Blickwinkel eher unwichtig. Lexus verkauft sich in den Staaten wie geschnitten Brot, in den angeblich wichtigsten Märkten China, Russland usw. gehören Lexus und Ininiti schon viel eher zum Straßenbild. In Deutschland werden deutsche Autos gekauft bzw. als Firmenwagen geleast. So what? Deutschlnd ist für die meisten Firmen nicht der Nabel der Welt, sondern netter Beifang.
4. Und doch gefällt mir Infinit besser
anders_denker 05.03.2015
als Lexus. Bei letzteren hat man immer den eindruck das es sich um Chinesische Kopien bekannter Modelle handelt. Die eigene Linie hat Nissan da deutlich besser herausgearbeitet ohne auf abklatsch zu setzen.
5. Aha.
ratxi 05.03.2015
Na, die "Augenhöhe" möchte ich ja mal erleben.
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