Autosalon Genf Ich bin ein Star, holt mich hier raus

Auto-Shows sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Immer öfter zeigen Hersteller neue Modelle nicht zuerst auf einer Messe, sondern im Rahmen eigener Events.

Jürgen Pander

Von Jürgen Pander


Falls Sie den Autosalon in Genf besuchen, erwarten Sie lieber keine großen Überraschungen. "Auf Automessen gibt es höchstens noch kleine Knallbonbönchen. Die großen Knaller werden woanders präsentiert", sagt Stefan Bratzel. Der Professor für Automobilwirtschaft an der Hochschule Bergisch Gladbach macht dafür "den immer schärferen Kampf um die Aufmerksamkeit des Publikums" verantwortlich.

Der jetzt anstehende Autosalon in Genf (5. bis 15. März) zeigt einmal mehr, wozu das stete Streben nach Alleinstellung führt: zu weitgehender Routine auf den etablierten Automessen. Fast alles, was dort im Scheinwerferlicht funkelt, wurde schon zuvor irgendwo enthüllt, präsentiert, gezeigt.

Drei aktuelle Beispiel: Der Renault Kadjar? Feierte Anfang Februar in den Filmstudios Saint Denis in Paris Weltpremiere. Der neue Skoda Superb? Wurde Mitte Februar im Forum Karlin in Prag erstmals gezeigt. Und der VW Touran? War wenige Tage vor dem Autosalon der Mittelpunkt einer Veranstaltung im VW-Pavillon der Autostadt in Wolfsburg.

Bloß keine Ablenkung durch Konkurrenzprodukte

Längst holen die Autohersteller ihre Stars heraus aus dem Messetrubel und stellen sie gesondert vor - ohne störende Nebengeräusche oder ablenkende Novitäten der Konkurrenz.

Derartige Premieren-Extrawürste sind keine neue Erfindung. Schon im Juli 2007 ließ Fiat halb Turin sperren, um das Debüt des damals neuen Fiat 500 vor rund 7000 Gästen zu zelebrieren. Mercedes stellte die neue S-Klasse im Mai 2013 mit großem Feuerwerk und einem Auftritt von Alicia Keys bei Airbus in Finkenwerder vor, und Jaguar enthüllte den neuen XE im vergangenen Herbst im Earls Court in London - alles Veranstaltungen weit abseits großer Branchentreffs.

Auch innerhalb des Gefüges der Automessen geriet zuletzt einiges in Bewegung. Bratzel sagt: "Sie funktionieren nicht mehr angebotsorientiert, sondern nachfrageorientiert." Das heißt, die Autohersteller zeigen ihre Fahrzeuge und Innovationen immer öfter dort, wo auch ihre Kunden sind; Audi beispielsweise auf der Art Basel in Miami.

Elektronik- und Computermessen auf dem Vormarsch

Auch werden neben den klassischen Automessen in Frankfurt, Detroit, Paris, Genf und Tokio (die sogenannten "big five") fachfremde Veranstaltungen wie die Computermessen Cebit in Hannover oder Consumer Electronic Show (CES) in Las Vegas immer wichtiger.

In Las Vegas präsentierte Mercedes Anfang des Jahres das Forschungsauto F015 - ein voll vernetztes, autonom fahrendes, futuristisch gestaltetes Zukunftsmobil. Auf der klassischen Autoshow in Detroit eine Woche später stand lediglich die klassische Massenware der Schwaben.

Doch auch bei den klassischen Automessen findet eine Verschiebung statt - eben weil die Autohersteller Novitäten am liebsten dort präsentieren, wo das Gros ihrer Kunden lebt.

Deshalb werden die Messen in Peking und Shanghai, die im jährlichen Wechsel im April abgehalten werden, immer wichtiger. In Wolfsburg heißt es dazu: "Ihre große Bedeutung für Volkswagen zeigt sich vor allem in der gestiegenen Zahl an Fahrzeugen, die in den letzten Jahren hier ihre Weltpremiere feierten." Zudem werde die Messe in Guangzhou immer bedeutender. "Sie könnte bald zur dritten Leitmesse in China werden."

Umgekehrt versuchen die Messen in Europa, auch chinesische Hersteller als Aussteller zu gewinnen. Das gilt vor allem für den Autosalon in Genf, wo die chinesische Marke Qoros schon fast ein Stammgast ist und ab dem nächsten Jahr wohl auch die Marke Dongfeng präsent sein wird. "Wir haben gute Kontakte", sagt Autosalon-Direktor André Hefti, "und außerdem haben wir den Vorteil, eine kompakte und übersichtliche Messe zu sein. Auf den Messen in Paris oder Frankfurt gehen kleinere Hersteller ja beinahe unter."

Luxusautohersteller bevorzugen den Autosalon in Genf

Diese Gefahr ist in Genf geringer. Die Messefläche hat mit 106.000 Quadratmetern ihr Maximum erreicht, die großen Hallen gehen ineinander über und die Größe der Standflächen sowie die Art der Aufbauten ist reglementiert.

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Autosalon Genf: Diese Modelle feiern Premiere

"Bei uns gibt es daher keine schlechte Platzierung, und das macht Genf auch für Nischenhersteller oder Designunternehmen interessant. McLaren beispielsweise war nicht in Paris, aber sie sind hier bei uns." Angelockt werden Supersportwagen- und Luxusfahrzeughersteller überdies von der zahlungskräftigen Kundschaft aus aller Welt, die hier am Südwestzipfel des Genfer Sees residiert.

"Früher mussten wir uns quasi um nichts kümmern, die Messe war eh immer voll", sagt Hefti. Das habe sich geändert. "Wir spüren schon eine gewisse Konkurrenz und wissen, dass wir uns erneuern müssen."

Im nächsten Jahr wird es den neuen Schwerpunkt "Connected Car" geben. Richtig innovativ klingt das nicht. Vielleicht ist der Handlungsdruck auch noch nicht groß genug. Hefti jedenfalls ist - obwohl Überraschungen nicht zu erwarten sind - optimistisch. "Wir sind ausgebucht, wir sind zufrieden."

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insgesamt 10 Beiträge
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timteuchov 02.03.2015
1. Beklopptes Auto, aber die Frau ist hübsch
Völlig an der Zeit vorbei produzieren alte Männer mit Burt Reynolds Oberlippenbart nach wie vor Autos, mit welchen man in den 60ern die Mädchen am Strassenrand beeindrucken wollte. Was damals schon nicht funktioniert hat, wirkt heute nur noch um so blöder, wenn so ein Opa auf allen Vieren aus seinem Auto kriecht.
stroma666 02.03.2015
2. Quant F
Und was ist nun mit dem Quant F? 1.000 km Reichweite?
trader_07 02.03.2015
3. Kennen Sie...
Zitat von stroma666Und was ist nun mit dem Quant F? 1.000 km Reichweite?
Kennen Sie zufällig Google? Aber ich nehme Sie auch gerne ans Händchen, voila: http://www.elektroniknet.de/automotive/elektromobilitaet/artikel/116916/
berlinchild25 02.03.2015
4. Zenvi ist dänisch
Steht in der Photogallerie, dass Zenvo aus der Schweiz kommt? Kommt naemlich aus Daenemark
amalgam 02.03.2015
5. Zenvo...
...kommt aus Dänemark, nicht aus der Schweiz...
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