Automessen in New York und Peking Sieg in der Schwergewichtsklasse

Über Ostern gibt es gleich zwei Automessen, in New York und in Peking. Öko-Mobile spielen keine Rolle, stattdessen feiert die Branche die Glaubenssätze von Leistung und Luxus. Die Messe-Premieren im Überblick.

Tom Grünweg

Aus New York berichtet


Es ist Showtime im Big Apple, das Publikum drängt sich auf der New York Motorshow, und die Autobosse strahlen: Allein im März wurden in den USA 1,5 Millionen Neuwagen verkauft; knapp sechs Prozent mehr als im Monat davor. Kein Wunder, dass auf der Messe gefeiert und der Boom mit vielen neuen Modellen befeuert wird.

Ähnliches Bild auch auf der anderen Seite des Globus: Am Ostersonntag eröffnet in Peking die zweite große Frühlings-Autoshow. Auch in China sind die Voraussetzungen bestens. Mit 1,7 Millionen Neuzulassungen im März und einem Plus von beinahe acht Prozent steht das Riesenreich auf Platz eins der Weltrangliste.

Was die Konzernchefs beim Blick auf die beiden Fixsterne am Branchenhimmel - neben den erfreulichen Verkaufszahlen - am meisten freuen dürfte, ist die fast kindliche Begeisterung für das Auto und die unverhohlene Freude an Luxus und Leistung. Hier wie dort sind vor allem große, teure und starke Fahrzeuge gefragt. China ist längst größter Luxuswagen-Markt der Welt, und nirgendwo sonst auf dem Globus verkaufen die Autohersteller mehr Sport- und Geländewagen als in den USA.

Schiere Größe liegt in China und in den USA im Trend

Die Messen in New York und Peking zelebriert die Branche deshalb als gewaltige PS-Partys und freut sich, dass hier noch gefeiert und gedacht wird wie vor dreißig Jahren. Aus ihrer Sicht ökologische Spaßbremsen haben hier nichts zu melden, dieses ganze anstrengende Nachdenken über Nachhaltigkeit ist kein Thema.

Stattdessen kann sich die Branche ganz ohne schlechtes Gewissen auf die richtig dicken Dinger konzentrieren: Neue Geländewagen wie der BMW X4, eine Studie zum nächsten Land Rover Discovery oder der Nissan Murano stehen im Rampenlicht, außerdem Power-Coupés wie der Mercedes S 63 AMG und Sportwagen wie das Corvette Z06 Cabrio. Solche Typen lassen wirtschaftlich viel bedeutsamere Neuheiten geradezu blass aussehen - etwa das Facelift für den VW Jetta, im letzten Jahr immerhin das weltweit meistverkaufte Modell der Wolfsburger Marke.

Auf dem Messeparkett in Peking bietet sich ein ähnliches Bild. Dort wartet die Branche gespannt auf eine neue Oberklasse-Studie von BMW, sie kann bei Mercedes einen ersten Blick auf die kommende Coupé-Version der M-Klasse werfen oder bei Audi auf eine neue SUV-Mischung aus Q3 und TT. Und Bugatti zeigt in Chinas Hauptstadt das nächste Exemplar seiner Legende-Reihe, immerhin Autos, die pro Stück 2,15 Millionen Euro netto kosten.

Jede Kleinigkeit wird zur Groß-Premiere stilisiert

Was noch auffällt bei einem Blick auf die Neuheiten der beiden großen Messen: Nach alternativen Antrieben kräht offenbar kein Hahn mehr, wobei das nur zum Teil etwas mit Ignoranz zu tun hat. In den USA sind Hybrid- und Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge inzwischen ähnlich selbstverständlich wie Diesel-Pkw in Europa. Und beim Elektroauto herrscht derzeit weltweit eine Art Ladehemmung. Immerhin ein paar Stromer stehen in den Messehallen von Peking, was jedoch vor allem an politischen Vorgaben liegt: Wer in China mitspielen will, der muss gemeinsam mit einem lokalen Joint-Venture-Partner auch Fahrzeuge mit alternativen Antrieben anbieten. Deshalb baut Daimler zum Beispiel unter dem Label Denza eine elektrisch angetriebene B-Klasse und Audi einen A6 mit Plug-in-Hybridantrieb.

Zwei bedeutende Messen binnen weniger Tage, das demonstriert die schon fast irrwitzige Beschleunigung der Branche, die in immer kürzeren Abständen nach Neuheiten giert. "Der Wettbewerb ist schärfer als je zuvor," konstatiert Analyst Karl Brauer zum Auftakt der Motorshow in der "New York Times". Statt wie früher alle sieben oder acht Jahre gäbe es jetzt alle drei oder vier Jahre eine tiefgreifende Überarbeitung. Und jede noch so kleine Neuigkeit werde groß gefeiert. Dazu noch die Vielzahl neuer Derivate und Nischenmodelle - schon platze der Premierenkalender aus allen Nähten.

Der Feierlaune tut das keinen Abbruch. Und auf die beiden automobilen Großereignisse folgen dann wenigstens ein paar Wochen Ruhe. Die nächste halbwegs relevante Automesse wird die AMI Leipzig Ende Mai sein. Immerhin die größte Pkw-Show in Deutschland in diesem Jahr, denn die nächste IAA findet erst 2015 statt.



insgesamt 41 Beiträge
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Seite 1
Luna-lucia 17.04.2014
1. ein Mercedes S63 AMG Coupé
wäre unser allerschlimmster Alptraum! Das Ding sieht für uns derart schrecklich aus! Wie kann man nur ... ? Wo's doch soviel schöne Vorbilder gibt. Aber dieser unförmig schreckliche Blechhaufen beleidigt für uns das Wort "Auto"
spon-facebook-10000523851 17.04.2014
2. Nirgendwo
ist Idiotie so sichtbar wie auf Automessen. Autos mit hunderten von PS , die nur fuer Privatautobahnen tauglich waeren......oder g'rad recht zum angeben. So aehnlich wie der Vorgartenrasenmaeher, der einen 100PS 4-zylinder hat und mit GPS kommt. Vernunft scheint komplett abwesend zu sein.
kuschl 17.04.2014
3. Peking
Autoshow Peking: Ist schon erstaunlich, wie man sich vom Fahrrad in Einheitskluft zum Protzauto anhimmelnden Volk entwickeln kann. Kommunismus, wie haste Dir verändert!
Altesocke 17.04.2014
4. Gut, das es noch Markenkuehlergrille gibt!
Nette 'Waegelchen' haben die auf den Ausstellungen. Beim Mercedes S63 AMG Coupé kommt mir Aston Martin in den Sinn. Und das Mercedes Concept Coupé SUV sieht, wie im Artikel schon angemerkt, ziemlich nach X6 aus. Mit anderem Kuehlergrill und Markenemblem. Autos werden echt immer gleicher. Egal in welcher Preisklasse. Das kann nicht alles mit Aerodynamik erklaert weden. Finde ich!
Apfelsaftkonzentrat 17.04.2014
5. Ihr immer mit euren Öko-Mobilen...
außerhalb von Deutschland interessiert sowas keinen ;)
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