Autowäsche im Oman: Staubverbot im Sultanat

Aus Maskat berichtet Stefan Robert Weißenborn

Oman hat ein Wasserproblem - trotzdem waschen die Bewohner des arabischen Landes ihre Autos, als gäbe es kein Morgen im Morgenland. Grund für den Pkw-Putzfimmel ist ein seltsames Gesetz: Sultan Qabus Ibn Said hat verfügt, dass Fahrzeuge nicht schmutzig sein dürfen.

Autowäsche im Oman: Im Land, wo Benzin und Wasser fließen Fotos
Stefan Robert Weißenborn

Das Sultanat Oman hat ein Wasserproblem - immer schon. Bereits vor Jahrtausenden entwarfen die Bewohner ein ausgeklügeltes System von Kanälen, um Grund- und Quellwasser zu den Menschen zu bringen. Dabei herrschte traditionell strenge Ordnung: Erst wurde Trinkwasser entnommen, dann kamen die rituellen Waschungen und schließlich Vieh und Felder.

Inzwischen verwenden die Omanis einen nicht unerheblichen Teil des Wassers für ihre Autos. Nach Sonnenuntergang bilden sich lange Schlangen vor den Waschstraßen. "Jede Tankstelle hat natürlich eine Autowaschanlage - allein in der Metropolregion Maskat sind es 139. Und es gibt viele, viele andere", sagt Padiyath Abdu Mohamed, der an der Sultan Qaboos Street eine Autowäscherei mit Tankstelle betreibt.

"Mit Benzin mache ich den größeren Umsatz", sagt Mohamed, "aber den Gewinn wirft die Waschstraße ab." Rund 200 Autos muss die Anlage täglich bewältigen. Das entspricht rund drei Stunden Dauerbetrieb - oder einem Wasserverbrauch von etwa 10.000 Litern. Der Waschgang für einen SUV kostet umgerechnet fünf Euro. Für das Doppelte schon wäre ein Kleinwagen vollgetankt, denn der Liter Super ist im Erdölstaat Oman spottbillig: 25 Cent. Ein Liter Mineralwasser im Tankstellenshop kostet 28 Cent.

Aus Liebe zum Automobil

Für die Politur nach der Wäsche beschäftigt Mohamed neun Mitarbeiter. Im Dunkel des Abendhimmels machen sie sich über Toyota Land Cruiser, Range Rover und Porsche Panamera her und eliminieren letzte Tröpfchen.

Abends, wenn das Leben langsam in Gang kommt, zeigt sich, wie ausgeprägt hier die Autokultur ist. Überall wird vorgefahren und im von der Klimaanlage gekühlten Fahrzeuginneren verharrt. Dann surren die Motoren vor der Fastfood-Filiale, bei kleineren Restaurants wird der Kellner hinaus in die Hitze der Nacht gehupt. Und die Waschstraßen schäumen die Blechkleider ein.

Auch privat wird ordentlich gewienert. Da lässt sich der Betreiber eines Fischrestaurants im Vorort Qurum von seiner Bedienung den Pick-up mit Schlauch und Zuber von Staub und Dreck befreien. Der Manager des Al-Bustan-Palace-Hotels, der ersten Bleibe im Land, hat einen Gastarbeiter für die tägliche Pflege seines 740er BMW abgestellt. Das zumindest wird unter den Hotelangestellten gemunkelt.

Der Sultan mag keine staubigen Autos

Dass die Bewohner des Sultanats so penibel sind, wenn es um ihren fahrbaren Untersatz geht, hat noch einen anderen Grund: Autowäsche ist gesetzlich vorgeschrieben. Seine Majestät, der von der Mehrheit der Omanis wegen seiner als fortschrittlich empfundenen Politik verehrte Sultan Qabus Ibn Said, hat es verfügt: Seit 1973 müssen alle Pkw mit tadelloser Außenhaut durch den staubigen Staat gondeln. Bei Verstößen droht Strafe.

Aber man ist großzügig. Die Polizei schreitet erst ein, wenn sich "kumulierter Staub" auf dem Wagen festgesetzt hat. Diese Feinheit sei "äußerst wichtig", betont Moh'd Awadh al-Rawas, Chef der polizeilichen Verkehrssicherheitsbehörde. Halter verdreckter Fahrzeuge können die Ordnungskräfte laut Gesetzestext zur Zahlung von 5 bis 10 Rial (rund 10 bis 20 Euro) verdonnern. Laut al-Rawas müssen Wiederholungstäter sogar damit rechnen, dass ihr Wagen konfisziert wird.

Dreck am Blech "war eines der Delikte, die gestoppt werden mussten", sagt al-Rawas mit ernster Mine, "zur Verschönerung der Straßen." Verunreinigte Exemplare spielten nun keine große Rolle mehr im Sultanat, was man angesichts des blitzsauberen Bestands auf Straßen und in Parkhäusern sofort glaubt. "Unser Volk liebt Autos", sagt der Polizist. So stört das Gesetz nach Lesart des Polizeifunktionärs keinen Untertan in dem Land, wo das Auto nach der Revolution von 1970 überhaupt erst zum Massenfortbewegungsmittel wurde.

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Reiseziel Oman
Beste Reisezeit
Die beste Zeit für eine Oman-Reise ist zwischen November und Mitte März, wenn die Tagestemperatur bei durchschnittlich 25 Grad Celsius liegt. Während der restlichen Zeit des Jahres, besonders zwischen Mai und August, ist es in den meisten Gebieten Omans sehr heiß und teilweise auch so feucht, dass sich Nebel oder Sprühregen bilden.
Einreiseinfos und Zeitzonen
Das Sultanat Oman liegt im Osten der Arabischen Halbinsel. Im Vergleich zur Mitteleuropäischen Sommerzeit beträgt die Abweichung plus drei Stunden. Für die Einreise benötigen deutsche Staatsangehörige einen Reisepass, der noch bis mindestens sechs Monate nach der Ankunft gültig ist. Außerdem müssen sie am Grenzübergang ein Visum erwerben, das ihnen erlaubt, sich im Sultanat aufzuhalten. Ein nicht verlängerbares Zehn-Tages-Visum kostet circa 9,50 Euro, ein verlängerbares Vier-Wochen-Visum circa 38 Euro.
Highlights
Die moderne Hafenstadt Maskat an der Nordostküste ist ein wichtiges Zentrum des Landes. Die Stadt ist der erste Anlaufpunkt für Handelsgüter, Kreuzfahrtschiffe und Reisende aus aller Welt. In der Scharkija-Region im Osten des Landes können Touristen einige von Omans größten Attraktionen bewundern: die wunderschönen Strände von Sur, Nistplätze von Schildkröten am Strand von Ras al Jinz und die Wüsten-Dünen von Wahiba.

Staatsform und Kultur
Das Sultanat Oman ist eine absolute Monarchie. Der Sultan Qabus ibn Said ist der alleinige Herrscher, seine Minister haben nur eine beratende Funktion. Staatsreligion in Oman ist der Islam, das Land ist kulturell aufgeschlossen und tolerant. Die Menschen sind sehr gastfreundlich und das Sultanat gilt im Allgemeinen als ein sicheres Land.
Währung
Die Währung Omans ist der Omani Rial (OR), welcher in 1000 Baiza aufgeteilt ist. Internationale Kreditkarten werden fast überall akzeptiert. Der aktuelle Wechselkurs im März 2010 beträgt 1 Euro zu 0,524 OR.
Reiseinfos
Informationen des Auswärtigen Amtes zu Oman gibt es auf der Internetseite www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/01-Laender/Oman.html. Die offizielle deutschsprachige Tourismusseite ist www.omantourism.de/de/reiseinfos/oman-von-a-bis-z.html.
Anreise und Transport
Es gibt nur einen internationalen Flughafen in Oman, den Seeb International Airport in Muskat. Die nationale Fluggesellschaft ist Oman Air, die Inlandsflüge sowie auch Direktflüge nach Deutschland anbietet. Oman hat relativ gute Straßen mit Schildern, die neben Arabisch auch in Englisch geschrieben sind. Viele internationale Mietwagen-Agenturen sind in Oman ansässig, deutlich günstiger sind aber die lokalen Agenturen.

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