Baden-Württemberg: Landesregierung will Motorradlärm eindämmen

Volles Rohr: Wenn Motorradfahrer am Gasgriff drehen, kann es laut werden Zur Großansicht
dapd

Volles Rohr: Wenn Motorradfahrer am Gasgriff drehen, kann es laut werden

Baden-Württemberg will gegen Krachmacher auf zwei Rädern vorgehen. Tempokontrollen und bestehende Gesetze sind nach Ansicht der Landesregierung dabei nicht wirksam genug. Eine Bundesratsinitiative soll Abhilfe schaffen.

"Sonnenbad mit Ohropax" - unter derartigen Überschriften berichten vor allem die Lokalzeitungen im Schwarzwald seit Jahren über die zunehmende Lärmbelastung der Bewohner durch Motorradfahrer. Die brettern mitunter ohne Beachtung der Geschwindigkeitsbeschränkung über die fahrerisch interessanten Landstraßen dieser Gegenden. Erst vor kurzem gründeten Freie Wähler und CDU in der Gemeinde Todtmoos eine "Bürgerinitiative gegen Motorradlärm und Raserei". Im Nachbarort Präg existiert ein derartiger Zusammenschluss bereits seit 2009. Und auch in zahlreichen anderen Orten Baden-Württembergs wehrt man sich zunehmend gegen die als Lärmterror empfundenen Motorgeräusche.

Derzeit könne auf Beschwerden der Anwohner einschlägiger Biker-Strecken nicht reagiert werden, erklärt Gisela Splett von den Grünen, Verkehrsstaatssekretärin und zugleich Lärmschutzbeauftragte des Landes Baden-Württemberg. Es fehle schlicht eine rechtliche Handhabe. Eine Bundesratsinitiative solle das ändern.

Falls in der Länderkammer eine Mehrheit zusammen kommt, könnte der Bundestag mit einer Gesetzesinitiative beauftragt werden. Es kann also noch dauern, ehe Motorrädern das Krawallmachen ausgetrieben wird.

Trickreiche Hersteller

Einen Grenzwert für das Fahrgeräusch gibt es übrigens längst. Dieser liegt für Motorräder, die nach dem 1. Oktober 1995 zugelassen wurden, bei 80 dB. Das Problem ist jedoch die Kontrolle dieses Lärmpegels. Das Messverfahren ist derart kompliziert (kein schallreflektierender Gegenstand im Umkreis von 50 Metern zum Mikrofon, eine freie Strecke, Grundtempo 50 km/h, je vier Vorbeifahrten im zweiten und dritten Gang), dass es sich bei einer Polizeikontrolle am Sonntagnachmittag an einer Landstraße kaum anwenden lässt.

Zudem sorgen manche Motorradhersteller dafür, dass ihre Maschinen just in jenem Betriebszustand, bei dem die Normmessung stattfindet, vergleichsweise leise sind. Wird jedoch später im Alltag der Gasgriff voll aufgedreht, geht der Grenzwert im Getöse unter.

Selbst Geschwindigkeitskontrollen für Motorradfahrer sind eine komplizierte und personalaufwändige Sache. Denn eine Radarfalle mit Blitzgerät reicht selten aus, weil die Biker aufgrund des Schutzhelmes praktisch nicht zu identifizieren sind. Seit Jahren debattiert wird daher auch eine Halterhaftung bei Geschwindigkeitsübertretungen von Motorrädern. Damit, so das Kalkül, könnte zumindest die Lärmbelästigung aufgrund überhöhter Geschwindigkeiten begrenzt werden.

dpa/jüp

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1.
Hamberliner 24.07.2012
Zitat von sysopBaden-Württemberg will gegen Krachmacher auf zwei Rädern vorgehen. Tempokontrollen und bestehende Gesetze sind nach Ansicht der Landesregierung dabei nicht wirksam genug. Eine Bundesratsinitiative soll Abhilfe schaffen. Baden-Württemberg startet Bundesratsinitiative gegen Motorradlärm - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,846166,00.html)
Solche Maßnahmen sind natürlich äußerst asymmetrisch, wenn nicht gleichzeitig zulassungsrechtlich gegen türenknallende PKW vorgegangen wird. Womit noch lange nicht beseitigt wäre, dass PKW nun einmal systemimmanent mehr Krach machen als Motorräder, beispielsweise auch durch Parkplatzsuche und Rangieren mitten in der Nacht.
2. Nicht nur laut, sondern auch tödlich
seiwol 24.07.2012
2009 kamen bei Verkehrsunfällen mit Beteiligung von Bikern 789 Personen ums Leben, davon 750 Motorradfahrer oder -beifahrer. Also auch 39 unbeteiligte. http://www.focus.de/auto/news/statistik-weniger-tote-bei-motorradunfaellen_aid_507103.html http://www.autobild.de/artikel/motorradunfaelle-700674.html Man stelle sich mal vor, bei den Sportschützen kämen jedes jahr 750 Menschen bei Schießunfällen ums leben und ganz nebenbei würden noch jährlich 39 Unschuldige die zufällig am Schützenhaus vorbeigelaufen sind tödlich getroffen. Dann würde die deutsche Verbotsmaschinerie aber auf Hochtouren laufen. P.S. Großkalibrige "Sport-Mordmotorräder" braucht heutzutage kein Mensch außer vielleicht die Polizei.
3. Toll wenn man keine Lobby hat
croco_at_home 24.07.2012
Was werden da wohl die ganzen Ferrari, M BMW, AMG Mercedes usw. sagen die dann nicht mehr nach Baden-Württemberg dürfen. Ach ups es sind ja nur Motorräder zu laut.
4.
think_tank 24.07.2012
Zitat von seiwolGroßkalibrige "Sport-Mordmotorräder" braucht heutzutage kein Mensch außer vielleicht die Polizei.
Fernsehen, Autos mit mehr als 100 PS, Bundesliga usw. braucht auch kein Mensch. Trotzdem besteht Nachfrage danach. Hat halt jeder andere Interessen.
5.
7eggert 24.07.2012
Zitat von seiwol2009 kamen bei Verkehrsunfällen mit Beteiligung von Bikern 789 Personen ums Leben, davon 750 Motorradfahrer oder -beifahrer. Also auch 39 unbeteiligte. Statistik: Weniger Tote bei Motorradunfällen - News - FOCUS Online - Nachrichten (http://www.focus.de/auto/news/statistik-weniger-tote-bei-motorradunfaellen_aid_507103.html) Motorradunfälle - Viele Biker sind selbst schuld - autobild.de (http://www.autobild.de/artikel/motorradunfaelle-700674.html) Man stelle sich mal vor, bei den Sportschützen kämen jedes jahr 750 Menschen bei Schießunfällen ums leben und ganz nebenbei würden noch jährlich 39 Unschuldige die zufällig am Schützenhaus vorbeigelaufen sind tödlich getroffen. Dann würde die deutsche Verbotsmaschinerie aber auf Hochtouren laufen. P.S. Großkalibrige "Sport-Mordmotorräder" braucht heutzutage kein Mensch außer vielleicht die Polizei.
Nun gut, für einen Sport sind die Opferzahlen zu hoch, aber für ein Transportmittel könnten wir froh sein, wenn auch bei PKW- und LKW-Unfällen so wenige Unbeteiligte betroffen wären. Ich finde es schade, daß viele Motorradfahrer den Reiz in der Grenzerfahrung suchen, statt sich entspannt an der Natur erfreuen zu können. Nicht nur weil das sie und andere gefährdet, sondern auch weil ich und alle anderen Motorradfahrer in Verruf geraten.
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