Es ist noch gar nicht so lange her, da gab es in amerikanischen HipHop-Videos einen heimlichen Star, und der hatte vier Räder. Jeder Rapper, der was auf sich hielt, fuhr Mitte der Nullerjahre in einem Chrysler 300 C vor, meist ausgestattet mit fast schon obszön großen Chromfelgen im Format von mindestens 22 Zoll. Für eine Zeit waren die "Lambos", "Bentleys", "Benzes" als automobiles Synonym für HipHop abgemeldet.
Insofern ist es konsequent, dass Chrysler für das 2012-Modell seiner Limousine eine Kooperation mit Rap-Guru Dr. Dre eingegangen ist. Dabei handelt es sich allerdings nicht um das sonst in der Autobranche übliche Testimonial-Modell. Bei dem bewerben mehr oder weniger populäre Stars für eine bestimmte Zeit und für einen Betrag X bestimmte Modelle, wie beispielsweise aktuell Jan-Josef Liefers und Axel Prahl die Hybrid-Modelle von Toyota. Nein, Dre hat richtig was zu bieten.
2007 nämlich gründete der extrem erfolgreiche Künstler und Produzent zusammen mit Plattenboss Jimmy Iovine die Headphone-Company Beats by Dre und mischt seitdem die Kopfhörer-Branche auf. Und diese Expertise macht sich Chrysler jetzt beim neuen 300 S zunutze - und stattet den Wagen serienmäßig mit einem Soundsystem von Beats by Dre aus.
Werbung, die wirkt
Ob der Star tatsächlich, wie es die Verkaufsbroschüre behauptet, beim Tuning des Systems Hand angelegt hat, darf bezweifelt werden. So oder so aber ist die Kooperation ein kluger Schachzug und Teil einer ausgeklügelten Marketingstrategie.
Sie ist die Idee von Olivier François. Der französische Fiat-Chef und damit auch Boss der inzwischen zum italienischen Konzern gehörenden Marke Chrysler, belebte das zuletzt durch die US-Auto-Krise stark angeschlagene Unternehmen neu. Seine "Imported from Detroit"-Kampagne, die in zwei aufsehenerregenden Superbowl-Spots mit Eminem und Clint Eastwood gipfelte, führte zu einem merklichen Imagewandel - und vor allem auch zu steigenden Absatzzahlen.
Leider wird die Coolness-Welle nicht über den Atlantik schwappen. Hier wird der Chrysler 300 S als Lancia Thema verkauft. Der sieht zwar fast genauso aus, wird aber gänzlich anders positioniert, nämlich als stilvoll luxuriöse Limousine. "Ein Soundsystem von Dr. Dre würde dazu einfach nicht passen", erklärt Lancia-Unternehmenssprecher Markus Hauf. "Wenn", so sagt er halb im Scherz, "würden wir wohl ein Andrea-Bocelli-System einbauen". Und das kann wirklich niemand wollen.
mhe
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