Parkplatz-Sharing: Die private Einparkhilfe

Von Christoph Stockburger

Privatparkplatz: Stellmöglichkeiten werden über Webplattformen vermietet Zur Großansicht
imago

Privatparkplatz: Stellmöglichkeiten werden über Webplattformen vermietet

In allen Städten wird über mangelnde Parkmöglichkeiten geklagt. Eine Lösung für das Problem ist Parkplatz-Sharing: Dabei vermieten Privatleute ihre Stellplätze an andere Autofahrer. Die Idee könnte der nächste Teil-Erfolg werden.

Glücklich ist, wer einen eigenen Parkplatz vor dem Haus oder in Nähe seiner Wohnung hat. Die nervige Sucherei bleibt damit erspart. Während man mit dem Auto bei der Arbeit ist oder länger verreist, liegt der Stellplatz aber brach. Dabei könnte in dieser Zeit bares Geld damit verdient werden - durch sogenanntes Parkplatz-Sharing.

Die Idee ist einfach: Statt die Parkmöglichkeit stunden- oder sogar tagelang verwaist zu lassen, wird sie vermietet. Damit bleibt wiederrum anderen Autofahrern das lästige Rumkurven erspart. In Deutschland gibt es bereits einige Webseiten, die als Plattform für Angebot und Nachfrage dienen. Es sind Marktplätze für Parkplätze: Die Vermieter geben an, wann und für wie lange sie ihre Stellmöglichkeiten - kostenpflichtig - zur Verfügung stellen, und Suchende können bereits im Voraus einen Stellplatz ausfindig machen und reservieren.

Die Geschäftsmodelle der Plattformbetreiber sind meistens gleich - für die Vermittlung einer Parkmöglichkeit erhält der Vermieter seine festgelegte Summe, dem Mieter wird zusätzlich zum Mietpreis eine Gebühr von ein paar Prozent berechnet. Bei dem Geschäft gibt es eigentlich nur Gewinner: Der Vermieter verdient sich etwas dazu, der Kunde muss nicht suchen und sich vor dem Abschleppwagen fürchten und für die anderen Autofahrer bleiben mehr öffentliche Parkplätze übrig. Trotzdem kommt der Handel mit den Stellplätzen in Deutschland gerade erst ins Rolllen.

Eindeutige Rechtslage

Robert Mittl betreibt zwar schon seit ein paar Jahren die Seite parkplace.de, dort bieten laut seinen Angaben aber erst etwa 120 Privatleute verstreut in ganz Deutschland ihre Parkplätze an. Eine ziemlich geringe Zahl, wenn man die große Nachfrage bedenkt, die angeblich nach Parkmöglichkeiten herrscht - gerade in den Großstädten.

"Viele Kommunen haben die Parkplatzvergabe selbst in der Hand, zum Beispiel durch die Vergabe von Anwohnerausweisen", sagt er. Diese werden aber nur auf ein bestimmtes Fahrzeug ausgestellt und können nicht weitergegeben werden. Eine weitere Hürde für das private Parkplatz-Sharing sind die Einschränkungen in einigen Mietverträgen, die die Untervermietung einer Stellmöglichkeit verbieten.

"Grundsätzlich", sagt der ADAC-Rechtsexperte Markus Schäpe, "spricht aber nichts gegen die private Vermietung für einen bestimmten Zeitraum." Als Besitzer eines Parkplatzes braucht man seinen Angaben zufolge keine spezielle Genehmigung, und zum Untervermieten reicht das Einverständnis des Vermieters. Damit rechtlich alles einwandfrei läuft, müssen nur noch die erzielten Einkünfte ordentlich versteuert werden.

Dass in Deutschland trotzdem noch ein mickriges Angebot an privat vermieteten Parkplätzen herrscht, hat nach Ansicht von Fouad Banit einen weiteren Grund: "Hier ist man traditionell zurückhaltender, was die Umsetzung von Internetideen angeht", sagt der Mitbegründer der Plattform parkinglist.de. Aber der Erfolg von entsprechenden Angeboten in Großbritannien und den USA lässt ihn hoffen.

Autokonzerne mischen bereits mit

Die Betreiber der Seite parkatmyhose.com haben zum Beispiel nach eigenen Angaben bereits im vergangenen Jahr mehr als 150.000 Kunden in England gefunden - und sogar das Interesse der Autokonzerne geweckt. So hat sich BMW bereits Anteile an dem Unternehmen gesichert. Daimler ist gleichzeitig bei gottapark.com eingestiegen und will noch in diesem Jahr ein Pilotprojekt in Europa starten. Wie mit den Carsharing-Diensten erweitern die Autobauer damit ihr Geschäft mit der Mobilität.

Die Plattform unserparkplatz.de bietet bislang nur rund 150 private Stellplätze an - aber laut Unternehmenschefin Denise Schuster lassen sich bei ihr zusätzlich etwa 20.000 Flughafenparkplätze sowie mehr als 2000 öffentliche Stellplätze in Deutschland mieten. Die verstreuten Angebote an Parkmöglichkeiten werden auf ihrer Webseite einfach gebündelt und den Autofahrern damit die Suche erleichtert.

"Die meisten unserer Kunden mieten die Parkplätze einen Monat oder länger und zahlen dabei im Schnitt etwa 100 Euro monatlich", sagt Schuster. Bald will sie auch nach Österreich und in die Schweiz expandieren.

Das Tiefgaragen-Problem

Ein großes Handicap für die spontane Stellplatzvermietung sind die Schranken und Tore vor Privatparkplätzen, zum Beispiel bei Tiefgaragen. Die Sicherheitsmaßnahmen machen eine kurzfristige Mietung kompliziert, weil Vermieter und Autofahrer zuerst einen Schlüssel oder eine Karte austauschen müssen, damit der Zugang frei wird. Denise Schuster nimmt Parkplätze solchen Beschränkungen gar nicht erst in ihr Angebot auf, und auf parkinglist.de soll das erst in Zukunft möglich sein.

Von solchen Hürden wollen sich die Plattformbetreiber aber nicht entmutigen lassen. Bis vor einigen Jahren galt zum Beispiel Carsharing noch als umständlich, und kaum jemand wäre auf die Idee gekommen, fremde Leute für ein paar Tage in seiner Wohnung hausen zu lassen. Heute ist der Service, den Car2Go, DriveNow oder die Vermittler von Privatwohnungen wie airbnb.com bieten, eine Selbstverständlichkeit. Die nächste Gelegenheit zum Teilen ist nur ein Knopfdruck in der App entfernt. Fouad Banit reibt sich deshalb schon mal die Hände: "Ich bin ziemlich zuversichtlich, dass das auch beim Parkplatz-Sharing klappt."

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 29 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
Sleeper_in_Metropolis 13.08.2013
Ich fürchte, ein Großteil der Parkplätze wird immer zur selben Zeit benötigt, nämlich für die Zeit zwischen Feierabend bis zum Arbeitsbeginn am nächsten Tag. Da aber Wohngebiete und Arbeitsorte in der Masse meist deutlich getrennt liegen, wird es kaum ausreichende Ausgleichs-Nachfrage geben. Morgens kurven sie alle in die City zum arbeiten, abends alle wieder zurück in die Wohngebiete. Woher soll die große Nachfrage nach Parkplätzen in diesen Wohngebieten zwischen ca. 8:00 und 16:00 Uhr kommen ?
2. Ursache und Wirkung wieder einmal verwechselt
kaaskop2 13.08.2013
Nicht mangelnde Parkplätze sind das Problem sondern zu viele Autos. Lösung: Fahrrad. Oh, ich weiß. Jetzt kommt gleich wieder die Aber-meine-Haare-liegen-dann-nicht-mehr-Fraktion.
3. warum
fast_weise 13.08.2013
Zitat von kaaskop2Nicht mangelnde Parkplätze sind das Problem sondern zu viele Autos. Lösung: Fahrrad. Oh, ich weiß. Jetzt kommt gleich wieder die Aber-meine-Haare-liegen-dann-nicht-mehr-Fraktion.
lehnt dann der der Deutsche Fahrradklub eine Helmpflicht ab mit Verweis darauf, dass angeblich weniger Leute dann Radfahren würden. Könnte das auch an der guten Haarlage liegen?
4. Richtig! Gäbe es...
clubzwei 13.08.2013
Eine Helmpflicht, würde ich mein Fahrrad abstellen und nur noch mit dem Auto fahren. Uns wird in genügend Bereiche unseres privaten Lebens hineingeredet, irgendwo muss Schluss sein!
5. Nicht ganz.
phrasenmaeher 13.08.2013
Zitat von kaaskop2Nicht mangelnde Parkplätze sind das Problem sondern zu viele Autos. Lösung: Fahrrad. Oh, ich weiß. Jetzt kommt gleich wieder die Aber-meine-Haare-liegen-dann-nicht-mehr-Fraktion.
Sollte man einen kurzen Arbeitsweg und recht flaches Gelände vor der Brust haben, mag das Rad eine Alternative sein. Allerdings hegt im gegenteiligen Fall nicht jeder den sportlichen Ehrgeiz, sich morgens um 5 Uhr in den Sattel zu schwingen und ölfunddrölfzig Kilometer mit ebenso langen Steigungen wie Gefällen bis zur Arbeit zurückzulegen. Da fängt der Arbeitstag doch gleich gut an - zumal bei Schnee und Eis, wie wir beides in den letzten Jahren des Öfteren hatten, so ein Zweirad generell nicht nur extrem komfortabel (Minustemperaturen), sondern auch ebenso sicher ist. Falls jetzt der ÖPNV in die Bresche springen soll - davon war bei Ihnen nicht die Rede. ;-)
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Auto
Twitter | RSS
alles zum Thema Mobilität der Zukunft
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 29 Kommentare
  • Zur Startseite
Facebook


Aktuelles zu