Bentley Bentayga Jetzt wird es schmutzig

Bentley nimmt mit dem Bentayga erstmals einen SUV ins Programm - eine wahre Wuchtbrumme: Zwölfzylinder, 608 PS, Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 300 km/h. Kosten: mehr als 200.000 Euro. Ob es da nicht auch der billigere Bruder tut?

Bentley

Noch läuft das Produktionsband im Schneckentempo. Doch ab Ende November dürfte es hektischer zugehen am Firmensitz von Bentley in Crewe. Alle 17 Minuten soll dann ein Auto vom Band rollen, und zwar der "schnellste, luxuriöseste und exklusivste SUV der Welt". So betitelt Bentley-Chef Wolfgang Dürheimer den Bentayga, der auf der IAA in Frankfurt Weltpremiere feiert.

Der Bentayga soll den Boom sportlicher Geländewagen auch in die Luxusklasse tragen. Dafür haben die Briten eine Milliarde Euro in ihre Fabrik gepumpt und 400 neue Mitarbeiter eingestellt. Denn bei Bentley wird noch viel von Menschen statt Maschinen erledigt: Allein 6000 Stiche brauchen die Näherinnen, um das Logo aufs Lederlenkrad zu bringen.

Das ist purer Luxus. Luxus, der den mindestens 200.00 Euro teuren Bentayga vom Audi Q7 abheben soll. Mit dem halb so teuren SUV der Konzernschwester ist er technisch in weiten Teilen identisch.

Ein Auto, so massiv wie ein Berg

Das Design des Bentayga ist etwas gefälliger als bei der Studie EXP9F, die Bentley als Vorbote des Serienmodells vor gut drei Jahren auf dem Genfer Salon präsentierte. Doch mit pfannengroßen Schweinwerfern, einem Kühlergrill so groß wie ein Scheunentor und weit ausgestellten Kotflügeln mangelt es dem Wagen nicht an Präsenz oder Protz. Benannt ist der Wagen nach einem Berg auf Gran Canaria.

Ab ins Gelände: Dank 900 Newtonmeter Drehmoment soll der SUV überall durchkommen
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Ab ins Gelände: Dank 900 Newtonmeter Drehmoment soll der SUV überall durchkommen

Der Vergleich mit dem Massiv kommt nicht von ungefähr: Mit 5,14 Metern Länge ist der Wagen ziemlich wuchtig. "Das Auto ist groß genug für Märkte wie China oder Amerika", sagt Dürheimer. "Aber gleichzeitig ist er noch klein und handlich genug für Europa", hofft er.

Überhaupt ist der Bentayga eine Gratwanderung: Auf der einen Seite bedienen sich die Briten so gut es geht aus dem Teileregal des VW-Konzerns. Das Head-up-Display, das Navigations- und Infotainmentsystem sowie die Assistenzsysteme sind hierfür Beispiele. Das senkt die Kosten. Auf der anderen Seite unterstreichen die Bentley-Verantwortlichen mit Details ihre Eigenständigkeit. So sind die Lüfterdüsen aus dem Vollen gefräst, die Aschenbecher pfundschwer, die Lederausstattung ist üppig. "Wo der Q7 bestenfalls auf 37 Prozent kommt, werden im Bentayga 98 Prozent aller Innenraumteile beledert", sagt ein Produktionsplaner.

"Man vererbt seinem Enkel auch keine Digitaluhr von Casio"

Dass sich Bentley dabei mancher Innovation wie dem virtuellen Cockpit aus dem Q7 bewusst verweigert, gehört zum Spleen, den eine Marke wie Bentley vielleicht bewusst kultiviert. Stattdessen setzen die Briten weiterhin auf mechanische Instrumente. "Man vererbt seinem Enkel auch keine Digitaluhr von Casio", sagt Dürheimer.

Rasanter Riese: Der SUV knackt sogar die Marke von 300 km/h
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Rasanter Riese: Der SUV knackt sogar die Marke von 300 km/h

Die eigentliche Emanzipation von Audi findet beim Antrieb statt. Zur serienmäßigen Luftfederung gibt es beispielsweise erstmals eine Wankstabilisierung, die auf elektrische Stellmotoren mit einem eigens installierten 48-Volt-Bordnetz setzt. Anders wäre das Schwergewicht von 2,4 Tonnen wohl kaum zu bändigen.

Das zentrale Alleinstellungsmerkmal ist aber der Motor: Als einziger Geländewagen kommt der Bentayga ab Werk mit einem Zwölfzylinder. Aus sechs Litern Hubraum holt das Triebwerk 608 PS und beschleunigt die Wuchtbrumme in 4,1 Sekunden von 0 auf Tempo 100 und knackt sogar die Marke von 300 Stundenkilometern.

Ein Konkurrent als Vorbild

Der Bentayga soll auf jedem Terrain zu Hause sein. Doch so oft man an dem Schalter für die insgesamt acht Fahrmodi auf der Mittelkonsole auch dreht, eines wird man nicht aktivieren können: Differentialsperren oder eine Geländeuntersetzung. "Bei 900 Newtonmeter Drehmoment ist Traktion für uns kein Thema. Da kommt man überall durch," sagt Technik-Chef Rolf Frech.

Dürheimer sieht für die Marke in dem SUV einen Türöffner für Märkte mit schlechten Wegen und noch zu entwickelnder Infrastruktur. Dabei denkt er etwa an China, Indien oder Südamerika. Zudem könnte der Wagen die Rolle eines Alltagsautos für Superreiche einnehmen. Deshalb plant er auch eine Variante mit fünf und sogar sieben Sitzen. Denn das Gros der knapp 80.000 Bentley-Fahrer hat nach Recherchen von Marktforschern ein halbes Dutzend Autos in der Garage - aber keinen Bentley, den sie für Freizeit und Ferien mit der Familie nutzen.

Dafür klettern sie gerne in den SUV eines anderen Herstellers: Land Rover. Die Konkurrenzmarke war bei der Entwicklungsarbeit des Bentayga deshalb die wichtigste Referenz.

Auch Rolls-Royce und Lamborghini haben SUV in der Pipeline

Autoexperten wie Stefan Bratzel sind davon überzeugt, dass Bentley mit dem Bentayga Erfolg haben wird: "SUV liegen im Trend, das wird sich auch im Super-Luxussegment positiv bemerkbar machen", sagt der Professor an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach.

Dass Bentley dabei einen extrem hohen Aufwand treibt, ist für Bratzel Teil der Kalkulation: "Damit der Bentayga bei der Kundschaft ankommt, darf kaum mehr etwas an den Q7 erinnern." Die Veredlung sei deshalb eine Erfolgsvoraussetzung. "So aufwendig kann die Produktion gar nicht sein, dass da nicht einiges hängen bleibt", sagt Bratzel. Zumal die wirklich teuren Komponenten aus dem Konzernbaukasten kommen. Deshalb ist er überzeugt, dass der große Wagen auch eine große Rendite einfahren wird.

Trotzdem muss Bentley schnell Kasse machen. "Denn wenn erst einmal die Nachahmer auf den Markt kommen, werden es die Briten schon schwerer haben", sagt Bratzel. Und das wird nicht lange dauern. Die Konzernschwester Lamborghini arbeitet am SUV namens Urus, und selbst Rolls-Royce riskiert mit dem Projekt Cullinan demnächst ein paar Schlammspritzer auf dem edlen Blech.



insgesamt 295 Beiträge
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Seite 1
mtk10 09.09.2015
1. Dazu
müsste der Käufer nochmal 400000 Euro CO2 Abgabe zahlen und sich dazu verpflichten das "AUTO" zu 80% nur in schwierigem Gelände zu nutzen, heißt nicht in der Stadt. In der Stadt kann er ja Polo fahren.
jakopp.auckstayn 09.09.2015
2.
Die pure Hässlichkeit in Form eines Automobils aus dem Jahr 2015.Aber 600 PS entschädigen wohl das Ganze.
SichtausChina 09.09.2015
3. Verbrauch? Gewicht?
Es gibt Leute die sagen, wenn Superreiche mehr verdienen, schade dies den Normalverdiener nicht. Autos wie dieses sind der Beweis, dass dies falsch ist. Eine extreme Dreckschleuder, wahrscheinlich mit Luftreiniger fuer die Insassen. Dazu der sichere Tod fuer Fahrrad- und Motorradfahrer und Fussgaenger bei Unfaellen. Selbst Kleinwagen werden wohl plattgemacht. 'Da kommt man ueberall durch'. Gehoert verboten.
Bob in HH 09.09.2015
4. Schicker Innenraum, aber....
Der Innenraum ist gelungen, vor allem durch die analogen Instrumente. Aber die Hülle wirkt einfallslos. Sie wirkt nicht neu. Aber das ganze Auto steht schließlich dar, wie ein Auto aus der Vergangenheit. Schließlich ist das SUV-Konzept modisch, doch jede Mode wird irgendwann abgelöst. Mögen die Kompakt-SUVs sich noch gut verkaufen, dieses Fahrzeug ist so überflüssig wie die Olive im Martini.
DMenakker 09.09.2015
5.
Ach was wird die politisch korrekte 3-Liter Fraktion wieder heulen. Für alle Autofans gibts nur eines: Haben will! Aber nur wenns mit dem Lottogewinn klappt.
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